„Arbeitszeitverkürzung gehört wieder auf die Tagesordnung. Anders sind große gesellschaftliche Probleme wie Massenarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung nicht zu lösen. Wir brauchen eine neuen Arbeitszeitstandard von etwa 30 Stunden pro Woche.“

So beginnt der Aufruf der bundesdeutschen Initiative „Arbeitszeitverkürzung Jetzt!“, der u.a. von Attac (AG ArbeitFairTeilen), alternativen ÖkonomInnen und SozialwissenschafterInnen, der AG Alternative Wirtschaftspolitik (Memo-Gruppe, die Schwesterorganisation des BEIGEWUM in der BRD), von GewerkschafterInnen, kirchlichen ArbeitnehmerInnenorganisationen u.a. zivilgesellschaftlichen Gruppen und Organisationen unterstützt wird.

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Fast ein Drittel aller ArbeitnehmerInnen in Österreich arbeiten länger als vertraglich vertraglich vereinbart. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Arbeitsklimaindex (März 2012) der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Mehr Arbeit als vertraglich vereinbart

Ein beträchtlicher Teil der österreichischen ArbeitnehmerInnen arbeiten mehr als 40 Wochenstunden: 14 Prozent der Beschäftigten leisten zwischen 40 und 45 Stunden wöchentlich, 10 Prozent mehr als 45 Wochenstunden. 48 Prozent der unselbständig Beschäftigten arbeiten zwischen 35,1 und 40 Stunden pro Woche.

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Die Arbeiterkammer Wien verschickt regelmäßig einen sozial- und wirtschaftsstatistischen Newsletter. Der aktuelle setzt sich mit Teilzeitbeschäftigung in Österreich auseinander.

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Ein Viertel aller Beschäftigten arbeiten Teilzeit

Ein Viertel aller Beschäftigten (Selbständige wie Unselbständige) – genau 25,5 % waren 2010 Teilzeit beschäftigt. In absoluten Zahlen waren das 1,03 Millionen Menschen. Interessant ist die Entwicklung von Teilzeit über die letzten Jahre hinweg: seit 1995 ist die Teilzeitbeschäftigung von 14,0 % (515.000 Betroffene) auf besagte 25,5 % gestiegen und hat sich in absoluten Zahlen verdoppelt.

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Von den Wünschen der Menschen her wäre eine 30-Stunden-Woche für alle das Ideal,

meint Josef Ehmer, Sozial- und Wirtschaftshistoriker an der Uni Wien in einem aktuellen Interview mit der Wiener Zeitung, in welchem er über Veränderungen in der Arbeitswelt, bezahlte und unbezahlte Arbeit, Bildung, soziale Sicherheit und ideale Arbeitszeit spricht.

Es wird eine stärkere Vermischung von Arbeitsformen geben. Zwischen 30 und 50 werden wir nicht nur Erwerbsarbeit nachgehen, sondern auch Bildungsarbeit, Familien- und Pflegearbeit.

Die Arbeitszeit-Zukunft sieht er eher in nach unterschiedlichen Lebensphasen flexiblen Arbeitszeiten, z.B. Auszeiten für Bildung:

Dass Menschen im Laufe ihres Lebens bei unterschiedlichen Arbeitgebern und in verschiedenen Berufen tätig sind, hat es immer gegeben (…) Jetzt ist es wieder im Zunehmen, da durch die schnelle technologische Entwicklung neue Arbeitsfelder geschaffen werden. Das ist eine Herausforderung an das Bildungssystem. Die Vorstellung, dass man seine Ausbildung mit 24 Jahren an der Universität abschließt und das fürs Leben reicht, ist absurd.

Er rechnet damit, dass wir künftig zwar länger arbeiten müssen, es dafür aber zwischendrin grössere Freizeitphasen geben wird.

Das Arbeitsalter wird sich in Zukunft verlängern – vor 100 Jahren war es selbstverständlich, jenseits der 65 zu arbeiten -, dafür werden größere Freizeitphasen in den 30er und 40er Jahren verankert werden. Dass Sabbatical-Angebote zunehmen, ist ein Indiz dafür.

 

Wieviel arbeiteten Österreichs ArbeitnehmerInnen in Zeiten der Krise? Ging die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit aufgrund weniger Überstunden zurück – wie wohl angesichts der Produktionseinbrüche in der Industrie zu erwarten gewesen wäre? Oder sind Österreichs ArbeitnehmerInnen selbst in der Krise hinsichtlich der Länge ihrer Arbeitszeiten traurige „EU-Spitze“ geblieben?

Ein Blick in die Statistik kann Aufschluss darüber geben. Die Statistik Austria hat einmal mehr die durchschnittlich in Österreich gerarbeitete Arbeitszeit erhoben. Ein Ergebnis gleich vorneweg: wer gemeint hätte, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise die Zahl erbrachter Über- und Mehrstunden deutlich eingebrochen wäre, der/die irrt.

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„Mehr Urlaub für Alle“ kampagnisiert derzeit die GPA-djp. Sechs statt fünf Wochen bezahlter Urlaub nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit oder ab dem 43 Lebensjahr fordert die Angestelltengewerkschaft. Ab einem gewissen Alter braucht es einfach mehr und längere Erholungsphasen. Gut so, und richtig so. Wie nicht anders zu erwarten: von der Wirtschaftskammer kommt ein unmissverständliches „Njet“. Auch vom Wirtschaftsminister. Die Argumente gegen 6-Wochen-Urlaub sind so bekannt wie austauschbar: zu teuer, können sich die Unternehmen nicht leisten, Österreich eh schon im Spitzenfeld und – wie das Amen im Gebet – gefährlich für den Wirtschaftsstandort und die Position Österreichs als Exportland. Und erste Zahlen, was eine sechste Urlaubswoche denn so kosten würde, tauchen auch schon auf: Der Linzer Universitätsprofessor Friedrich Schneider schätzt die Kosten für die Betriebe auf rund 3 Milliarden Euro, und damit „derzeit unrealistisch“ und die „Wettbewerbsposition Österreichs“ gefährdend. Nur, eine ketzerische Frage: wäre das den wirklich so schlecht? Oder nicht eigentlich ein Gebot der Stunde? Weiterlesen auf dem Belvederegasse-BLOG

42,3 Wochenstunden arbeiten in Österreich durchschnittlich Vollzeit beschäftigte Männer. Vollzeit beschäftigte Frauen arbeiten im Jahr 2010 durchschnittlich 40,4 Wochenstunden. Die Wunscharbeitszeit ist eine ganz andere: bei Männern beträgt diese 39,5 Wochenstunden, bei Frauen 38,1 Wochenstunden. So die Broschüre der AK-Oberösterreich „Arbeit Fair teilen“.

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Und die AK präsentiert noch weitere interessante Ergebnisse:

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  • 35 % der Männer und rund 20 % der Frauen müssen länger als 40 Wochenstunden arbeiten. Tatsächlich wünschen sich allerdings nur 13 % der Männer und 4 % der Frauen derartig lange Wochenarbeitszeiten.
  • Kürzer als 40 Wochenstunden wollen dagegen 84 % der männlichen Vollzeitbeschäftigten arbeiten: die würden gerne bei maximal 39,5 Wochenstunden Schluss machen. 53 % der Vollzeit arbeitenden Frauen sehen das ähnlich.
  • Umgekehrt ist es bei Teilzeit beschäftigten Männern und Frauen: Teilzeit arbeitende Fauen würden z.B. lieber 24 Wochenstunden statt der üblichen durchschnittlich 23,5 Wochenstunden arbeiten, Teilzeit beschäftigte Männer lieber 24,4 statt der durchschnittlich geleisteten 21,5 Wochenstunden.

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162.000 NiederösterreicherInnen – rund ein Viertel aller ArbeitnehmerInnen in NÖ – leisten regelmäßig Überstunden. Mit 9 Überstunden/Woche liegen sie damit über dem Österreich-Schnitt von 8,5 Stunden wöchentlich.

In einer Studie vom Juli dieses Jahres (“Überstunden und Beschäftigung”, AK NÖ)  geht nun die AK NÖ der Frage nach, ob der Abbau von Überstunden zusätzliche Jobs schaffen kann und entsprechend ein adäquates Mittel darstellt, um auch in Krisenzeiten die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

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Atypisch Beschäftigte – also Teilzeit, befristet oder geringfügig Beschäftigte bzw. Leih- und ZeitarbeiterInnen – verdienten 2006 um fast ein Viertel – nämlich um 23,2 % weniger als „normale“ Vollzeitbeschäftigte (nämlich durchschnittlich Euro 9,45/Stunde brutto statt 12,30). Wie verhält es sich nun mit atypischer Beschäftigung und Niedriglöhnen? Atypisch Beschäftigte sind deutlich stärker von Niedriglöhnen betroffen als Personen mit dauerhafter Beschäftigung auf Vollzeitbasis.

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Auch wenn es im Rahmen der diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen bei den Metallern nichts  aus einer Arbeitszeitverkürzung geworden ist, aus welchen Gründen auch immer – erfreulich ist zumindest, dass Arbeitszeitpolitik im Sinne von Arbeitszeitverkürzung wieder Thema ist. Verweisen wollen wir in diesem Zusammenhang auf die Kampagne der PRO GE unter dem Motto “Zeit für kürzere Arbeitszeiten”. Auf der HP finden sich u.a. ein Interview mit Stephan Schulmeister, der innovative Arbeitszeitmodelle vorschlägt, die eine durchschnittliche Arbeitszeit von 30-Stunden/Woche bringen sollen, es findet sich eine FORBA-Analyse zur 35-Stunden-Woche in Frankreich, und warum “Flexibilisierung” und “Arbeitszeitverkürzung” hinsichtlich Beschäftigungseffekte in Wirklichkeit nicht vertragen u.v.m. Es zahlt sich aus, hineinzuschnuppern!

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