Erfreulich: ÖGB und WIFO wollen weniger Überstunden. Weniger erfreulich allerdings zu erwarten: Wirtschaftsminister Mitterlehner eher nicht. Sozialminister Hundstorfer will einen Kompromiss.

Im heutigen Ö 1 – Morgenjournal forderten sowohl WIFO-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller als auch Bernhard Achitz, leitender Sekretär der ÖGB-Grundlagenabteilung Maßnahmen zur Eindämmung von Überstunden. Schratzenstaller fordert ein Ende der steuerlichen Begünstigung von Überstunden, Achitz entweder höher Überstundenzuschläge, oder ein Überstundenabgabe, die der Arbeitslosen- und Krankenversicherung zugute kommen soll, “…weil ja Überstunden nachweislich krank machen und erhöhte Kosten im Gesundheitssystem verursachen,” so Achitz.

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Arbeitszeitverkürzung wird Thema bei Herbstlohnrunde

Im Rahmen der Arbeitszeitkonferenz der PRO GE – der Produktionsgewerkschaft die MetallerInnen, TextilarbeiterInnen, ChemiearbeiterInnen und den Bereich Agrar-Nahrung-Genuss organisiert – diskutierten und referierten ExpertInnen über wirtschaftspolitische, gesundheitliche und gesellschaftliche Aspekte von Arbeitszeitverkürzung.

An der Konferenz mit 300 TeilnehmerInnen wurden auch die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Arbeitszeitverkürzung präsentiert. 900 Fragebögen wurden ausgewertet, das Ergebnis ist eindeutig: 96 % der BetriebsrätInnen unterstützen die Forderung der Produktionsgewerkschaft nach einer Arbeitszeitverkürzung. Mehr zur Konferenz hier auf der Homepage der PRO GE.

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Im Rahmen der am 1. Juni 2010 stattfindenden dritten Vollversammlung der AK Niederösterreich der laufenden Periode referierte der WIFO-Konjunkturexperte Markus Marterbauer über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und daraus resultierende Herausforderungen an die Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Marterbauer forderte auch beschäftigungspolitische Maßnahmen. Neben dem Ausbau sozialer Dienstleistungen – wie etwa flächendeckender Kinderbetreuungseinrichtungen – sprach sich der WIFO-Ökonom auch für sinnvolle und innovative Formen der Arbeitszeitverkürzung aus, wie kürzere Vollzeit oder längere Bildungskarenzen.

So würde etwa eine Arbeitszeitverkürzung um zehn Prozent (von 39 auf 35 Stunden) innerhalb von fünf Jahren 130.000 zusätzliche Jobs bringen und die Arbeitslosigkeit alleine durch diese Maßnahme um 2,7 Prozentpunkte sinken!
(Hier geht’s zum Bericht)

Die Verteilung zwischen Voll- und Teilzeitarbeitsplätzen in Österreich hat sich äußerst divergent entwickelt. Vollzeit arbeiteten 2008 nach Statistik Austria (Arbeitskräfteerhebung 2008, S. 339ff) 2,71 Mio Personen. Verglichen mit 1994 sind das um 29.000 Arbeitsplätze weniger. 2004 hatte es mit 2,592 Mio Arbeitsplätzen die geringste Anzahl in der Periode von 1994 bis 2008 gegeben. D.h. es wurden im Vergleichszeitraum keine neuen Vollzeitarbeitsplätze geschaffen.

Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung

Völlig anders ist die Entwicklung bei den Teilzeitarbeitsplätzen. Verglichen mit 1994 verdoppelten sie sich. 2008 waren rund 819.000 Personen teilzeitbeschäftigt, das sind um 416.000 Personen mehr als 1994. In keinem einzigen Jahr seit 1994 war ein Rückgang der Teilzeitbeschäftigung festzustellen.

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Der Arbeitsmarkt in Österreich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten markant verändert. Die Anzahl der unselbständig Beschäftigten steigt seit Jahren beständig an, hauptsächlich verantwortlich dafür sind die immer mehr auf den offiziellen Arbeitsmarkt drängenden Frauen aber auch durch die ausländischen ArbeitnehmerInnen.

Teilzeitarbeit hat sich in den letzten fünfzehn Jahren verdoppelt, was zum überwiegenden Teil auf die Zunahme bei den Frauen zurückzuführen ist. Die offiziell gemeldete Zahl der Arbeitslosen hat sich im Vergleich zu vor zwölf Jahren um knapp 10 % erhöht, die der SchulungsteilnehmerInnen gar verdreifacht. Diese und andere Entwicklungen des österreichischen Arbeitsmarktes möchte dieser Beitrag eingehender diskutieren.

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Die Überstunden von unselbständig Erwerbstätigen werden in Österreich von der Statistik Austria erst seit 2004 im Zuge der Arbeitskräfteerhebung (AKE) ermittelt.

  • Circa 22 Prozent der unselbständig Beschäftigten leisten demnach Überstunden.
  • Die Anzahl schwankt von Jahr zu Jahr zwischen 650.000 und 821.000 Personen.

Geleistete Überstunden in Österreich
Es ist offensichtlich, dass Überstunden als willkommenes “reagibles Unternehmensinstrument” eingesetzt werden, um konjunkturelle Schwankungen auszugleichen. Die gesamte Anzahl geleisteter Überstunden schwankt zwischen 315 und 375 Mio Arbeitsstunden:

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Die Verteilung von Arbeitszeit hat viel mit der Verteilung von Arbeit zu tun. Das Programm der Arbeitszeitverkürzung zielt direkt auf eine gerechte Verteilung von Arbeit, Zeit und Geld. Die jeweilige Standardisierung der Normalarbeitszeit – vor einem Jahrhundert von gut 80 Wochenarbeitsstunden zuerst auf 72 dann 60 gesenkt – nimmt direkten Einfluss auf die Zahl der Arbeitslosen und die Arbeitslosenraten.

Teil 3 der Darstellung der Rahmenbedingungen von “Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenraten in Österreich und Europa”:

Resümee

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es auf dem österreichischen Arbeitsmarkt in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zu teilweise massiven Veränderungen gekommen ist. Die Anzahl der unselbständig Erwerbstätigen ist im Vergleich zu 1998 um rund 10 Prozent angewachsen.

Verantwortlich dafür sind der steigende Frauenanteil und die immer größer werdende Zahl ausländischer ArbeitnehmerInnen. Verglichen mit vor fünfzehn Jahren hat sich die Anzahl der Vollzeitarbeitsplätze geringfügig reduziert, die der Teilzeitarbeitsplätze hingegen verdoppelt. Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf den steigenden Anteil von Frauen zurückzuführen. Weiterlesen »

Die Verteilung von Arbeitszeit hat viel mit der Verteilung von Arbeit zu tun. Das Programm der Arbeitszeitverkürzung zielt direkt auf eine gerechte Verteilung von Arbeit, Zeit und Geld. Die jeweilige Standardisierung der Normalarbeitszeit – vor einem Jahrhundert von gut 80 Wochenarbeitsstunden zuerst auf 72 dann 60 gesenkt – nimmt direkten Einfluss auf die Zahl der Arbeitslosen und die Arbeitslosenraten.

Teil 2 der Darstellung der Rahmenbedingungen von “Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenraten in Österreich und Europa”:

Arbeitslosenrate

Seit 1995 wird die Arbeitslosenrate für Österreich auch nach dem sog. Labour Force-Konzept berechnet. Als arbeitslos gelten in diesem Sinne Personen, die innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen können, und während der vier vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben, oder bereits eine Stelle gefunden haben und diese in maximal drei Monaten antreten (vgl. Statistik Austria (2009): Arbeitsmarktstatistik 3. Quartal 2009, Wien, S. 89).

Die Arbeitslosenquote ist danach der Anteil der Arbeitslosen bezogen auf die Anzahl der Erwerbspersonen. Diese Quote wird auch von Eurostat für alle anderen EU-Mitgliedsländer veröffentlicht; die nationalen Arbeitslosenquoten sind somit vergleichbar. Die Arbeitslosenerhebung stützt sich auf Umfragen. Weiterlesen »

Die Verteilung von Arbeitszeit hat viel mit der Verteilung von Arbeit zu tun. Das Programm der Arbeitszeitverkürzung zielt direkt auf eine gerechte Verteilung von Arbeit, Zeit und Geld. Die jeweilige Standardisierung der Normalarbeitszeit – vor einem Jahrhundert von gut 80 Wochenarbeitsstunden zuerst auf 72 dann 60 gesenkt – nimmt direkten Einfluss auf die Zahl der Arbeitslosen und die Arbeitslosenraten.

Teil 1 der Darstellung der Rahmenbedingungen von “Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenraten in Österreich und Europa”:

Arbeitslose

Seit Anfang der 80er Jahre ist die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen in Österreich dramatisch angestiegen. 1980 waren 53.161 Personen arbeitslos gemeldet, 2009 wurde mit 260.309 Personen der absolute Höchststand seit Ende des 2. Weltkrieges vermeldet.

Seit 1980 ist ein stetiger Anstieg der Arbeitslosen in Österreich zu beobachten. Die Entwicklung gestaltete sich nicht geradlinig, sondern verlief in fünf wellenförmigen Bewegungen. Die Ursache dafür waren ein sich veränderndes Wirtschaftswachstum, wobei eindeutig feststellbar ist, dass in Zeiten höheren Wachstums sich die Arbeitslosenzahl reduzierte und bei niedrigen bzw. negativen Wachstumsraten sie sich erhöhte. Weiterlesen »

In der GMTN-Zeitschrift “Glück auf” ist ein Interview mit Jörg Flecker erschienen. Flecker, wissenschaftlicher Leiter der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) mit den Arbeitsschwerpunkten Arbeitsorganisation, Arbeitsbeziehungen, Informationstechnik & Arbeit, Flexibilisierung, Internationalisierung hat der Zeitschrift der Gewerkschaft PRO GE rund um das Thema Arbeitszeit, Flexibilisierung und Trends Rede und Antwort gestanden. Im Rahmen des Interviews geht Jörg Flecker auch auf die 30-Stunden-Woche als neues Vollarbeitszeitmaß ein, auf das hinzuarbeiten sei.

Hier der Auszug:

„Glück auf!: Zwischen Teilzeit und Überarbeitung: Verschwindet die Normalarbeitszeit aus unserer Arbeitswelt?

Flecker: Noch arbeiten sehr viele zwischen 36 und 40 Stunden in der Woche. Aber schon über 40 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit – häufig, weil die Kinderbetreuung sonst nicht klappt. Die vollzeitbeschäftigten Männer wiederum arbeiten in Österreich im Durchschnitt (!) 45 Stunden pro Woche, die vollzeitbeschäftigten Frauen mit 43 Stunden nicht viel weniger. Es besteht tatsächlich die Gefahr, dass einerseits kurze Teilzeit, andererseits überlange Vollzeit zunehmen. Wir sollten auf ein neues Zeitmaß hinarbeiten, auf eine kurze Vollzeit für Frauen und Männer in der Größenordnung von 30 Stunden pro Woche, um diesem Trend zu begegnen.“

Das spannende und lesenswerte Interview ist auf der Homepage der PRO GE nachzulesen.

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