Arbeitslosenraten in Österreich und Europa (II)

Die Verteilung von Arbeitszeit hat viel mit der Verteilung von Arbeit zu tun. Das Programm der Arbeitszeitverkürzung zielt direkt auf eine gerechte Verteilung von Arbeit, Zeit und Geld. Die jeweilige Standardisierung der Normalarbeitszeit – vor einem Jahrhundert von gut 80 Wochenarbeitsstunden zuerst auf 72 dann 60 gesenkt – nimmt direkten Einfluss auf die Zahl der Arbeitslosen und die Arbeitslosenraten.

Teil 2 der Darstellung der Rahmenbedingungen von „Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenraten in Österreich und Europa“:

Arbeitslosenrate

Seit 1995 wird die Arbeitslosenrate für Österreich auch nach dem sog. Labour Force-Konzept berechnet. Als arbeitslos gelten in diesem Sinne Personen, die innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen können, und während der vier vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben, oder bereits eine Stelle gefunden haben und diese in maximal drei Monaten antreten (vgl. Statistik Austria (2009): Arbeitsmarktstatistik 3. Quartal 2009, Wien, S. 89).

Die Arbeitslosenquote ist danach der Anteil der Arbeitslosen bezogen auf die Anzahl der Erwerbspersonen. Diese Quote wird auch von Eurostat für alle anderen EU-Mitgliedsländer veröffentlicht; die nationalen Arbeitslosenquoten sind somit vergleichbar. Die Arbeitslosenerhebung stützt sich auf Umfragen.

In der folgenden Abbildung werden die Arbeitslosenraten für die einzelnen EU–Mitgliedsstaaten sowie für die EU 27 für 2009 dargestellt. Diese Abbildung orientiert sich an der, wie sie das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz monatlich auf seiner Homepage veröffentlicht. Im europäischen Vergleich schaut der Wert für Österreich sehr befriedigend aus. Nach den Niederlanden mit einer Rate von 3,5% im Jahresdurchschnitt weist Österreich den zweitniedrigsten Wert für 2009 in der EU auf. Dieser Vergleich wird von den heimischen PolitikerInnen immer wieder als Beweis für ihre gute Arbeitsmarktpolitik herangezogen.

Arbeitslosenraten EU 2009 (nach Labour Force)

Arbeitslosenraten EU 2009 (nach Labour Force)

Die Arbeitslosenrate nach Labour Force ist aber nur ein Teil der Wahrheit. In Österreich wird seit den Ende des Zweiten Weltkrieges eine zweite Arbeitslosenrate berechnet: die sog. Registerquote.
Dabei werden alle beim AMS arbeitslos gemeldeten Personen als Anteil am sog. Arbeitskräftepotential (arbeitslos Gemeldete und unselbständig Erwerbstätige) berechnet. Addiert man zu den arbeitslos gemeldeten noch diejenigen Personen, die in Schulung sind und setzt sie als Anteil zum Arbeitskräftepotential, so erhält man eine Quote, die ich als (inoffizielle) „Registerquote plus“ bezeichne.

In der untenstehenden Abbildung werden die drei beschriebenen Arbeitslosenraten dargestellt. Die Daten für die Registerquote sind seit 1990, die, für diejenige nach Labour Force seit 1995 und die, für die Registerquote plus seit 1998 verfügbar.

Arbeitslosenraten in Österreich (Vgl nach Berechnungsarten)

Arbeitslosenraten in Österreich (Vgl nach Berechnungsarten)

Sehr deutlich ist der steile Anstieg der Registerquote in den 80er Jahren auf über 5% zu erkennen, Nach einem Rückgang Anfang der 90er Jahre stieg sie wieder an und bewegt sich in einem Bereich zwischen 6 und 7 %. Der Durchschnitt der Registerquote seit 1990 liegt bei 6,6%. Die österreichische Wirtschaftspolitik hat es nie mehr geschafft, die Arbeitslosen deutlich zu reduzieren und auf das Niveau von 1980 zu führen.

Die Arbeitslosenrate nach Labour Force liegt im Durchschnitt im Vergleichszeitraum um über 2 Prozentpunkte unter der Registerquote. Gegenüber der Registerquote plus liegt sie im möglichen Vergleichszeitraum um 3,5 Prozentpunkte darunter. Die Registerquote plus lag 1998 bei 7,8%, entwickelte sich einigermaßen parallel zu den beiden anderen Raten um schließlich 2009 einen Wert von 8,9% zu erreichen. Sie liegt 2009 um 3,9 Prozentpunkte oder um knapp 80% über der Arbeitslosenrate nach Labour Force. In dem Zeitraum, in dem alle drei Arbeitslosenraten verfügbar sind, verlaufen sie einigermaßen parallel jedoch auf unterschiedlichen Niveaus.

Aber auch die selbstkonstruierte Registerquote plus bildet nicht die tatsächliche Arbeitslosigkeit ab. Die Gründe dafür wurden schon im Teil „Arbeitslose“ hinreichend dargestellt.

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