Aktueller AK Newsletter: Teilzeitbeschäftigung in Österreich

Die Arbeiterkammer Wien verschickt regelmäßig einen sozial- und wirtschaftsstatistischen Newsletter. Der aktuelle setzt sich mit Teilzeitbeschäftigung in Österreich auseinander.

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Ein Viertel aller Beschäftigten arbeiten Teilzeit

Ein Viertel aller Beschäftigten (Selbständige wie Unselbständige) – genau 25,5 % waren 2010 Teilzeit beschäftigt. In absoluten Zahlen waren das 1,03 Millionen Menschen. Interessant ist die Entwicklung von Teilzeit über die letzten Jahre hinweg: seit 1995 ist die Teilzeitbeschäftigung von 14,0 % (515.000 Betroffene) auf besagte 25,5 % gestiegen und hat sich in absoluten Zahlen verdoppelt.

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Beschäftigungszuwachs durch Teilzeit

Interessant die Betrachtung der Beschäftigungsentwicklung insgesamt in diesem Zeitraum: wenn seit 1995 die Beschäftigung um 427.000 Personen gestiegen ist und die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 515.000, dann bedeutet das nicht weniger, dass der Beschäftigungsanstieg auf die Ausweitung von Teilzeit bei gleichzeitigem Rückgang von Vollzeitbeschäftigung zurückzuführen ist. Keine neue Erkenntnis, aber einmal mehr durch aktuelle Zahlen belegt.

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Teilzeit ist weiblich

Auch nicht neu, deswegen allerdings nicht weniger beeindruckend: mittlerweile arbeitet beinahe jede zweite Frau – nämlich 43,8 % – Teilzeit. Anders ausgedrückt: 80,8 % aller Teilzeitbeschäftigten sind weiblich. Zum Vergleich: 1995 arbeiteten noch 27,4 % aller berufstätigen Frauen Teilzeit. Allerdings war auch in diesem Jahr der Frauenanteil unter den Teilzeitbeschäftigten mit 83,7 % außerordentlich hoch.

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Gründe für Teilzeit

Die Gründe, warum Teilzeit gearbeitet wird, sind vielfältig, wobei es zwischen Männern und Frauen allerdings große Unterschiede gibt. Während bei Männern „kein Wunsch, Vollzeit zu arbeiten“ und berufliche Aus- und Weiterbildung mit 23 % bzw. 23,8 % die wesentlichsten und meistgenannten Gründe für Teilzeit darstellen, verhält es sich bei Frauen doch deutlich anders:

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  • von 38,1 % der Frauen wurde die „Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen“ als Hauptgrund genannt.
  • Immerhin 19,6 % – und damit dem Männerwert recht nahe – äußerten „keinen Wunsch nach Vollzeit“.
  • „Schulische oder berufliche Aus- oder Fortbildung“ nennen dagegen nur 7,4 % der Frauen als Grund für ihre Teilzeit.

(Quelle: Statistik Austria, Arbeitskräfteerhebung 2010)

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Während männliche Teilzeitbeschäftigung also überwiegend freiwillig gewählt ist, liegen die Gründe für „weibliche“ Teilzeitbeschäftigung“ also nach wie vor im traditionellen Familienbild bzw. einem mangelhaften Angebot an bedarfsgerechten Pflege- und Bildungseinrichtungen begründet.

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Teilzeit und berufliche Stellung

Je niedriger die berufliche Stellung, desto Wahrscheinlicher ist Teilzeit-Arbeit. So sind

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  • 39 % aller HilfsarbeiterInnen Teilzeit beschäftigt
  • 66 % aller Angestellten, die eine Hilfstätigkeit ausüben
  • aber nur 8 % der FacharbeiterInnen
  • und 8 % der Angestellten in einer leitenden Tätigkeit

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Am weitesten ist Teilzeitarbeit in den Gesundheits- und Sozialberufen verbreitet: fast 43 % aller dort Beschäftigten sind von Teilzeit betroffen (50 % der im Sozial- und Gesundheitsbereich arbeitenden Frauen). Den geringsten Anteil an Teilzeitbeschäftigten gibt es in einer klassischen „Männerbranche“, am Bau: hier arbeiten nur 10 % Teilzeit.

Was hier exemplarisch an zwei Branchen festgemacht wird, gilt tendenziell für alle Dienstleistungs- bzw. Handwerksberufe: Im Dienstleistungssektor ist der Teilzeianteil mit 42 % aller Beschäftigten hoch, im Handwerk mit 6 % dagegen verschwindend gering.

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Anmerkung: Definition Teilzeitarbeit

Als Teilzeitbeschäftigung gilt eine vereinbarte öffentliche Arbeitszeit, die die gesetzliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden bzw. eine durch Kollektivvertrag festgelegt kürzere wöchentliche Normalarbeitszeit im Durchschnitt unterschreitet.

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Newsletter der AK Wien zu unterschiedlichen, arbeitnehmerInnenrelevanten Themenfelder – von KonsumentInnenschutz, Wirtschafts- und Europapolitik hin über aktuelle Wirtschafts- und Sozialstatistiken – können  hier abonniert werden.

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