Eurostat Arbeitskräfteerhebung 2011, Wochenarbeitszeiten in Europa: lang, länger, Österreich

Die aktuelle Arbeitskräfteerhebung von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, belegt einmal mehr: egal ob Krise oder Hochkonjunktur – die Wochenarbeitszeiten in Österreich sind im europäischen Spitzenfeld! Auch 2011 belegt Österreich einmal mehr Platz zwei – deutlich über dem EU-Schnitt. Nur in Großbritannien arbeiten vollzeitbeschäftigte ArbeitnehmerInnen noch länger. Die Zahlen im einzelnen:

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  • Vollzeitbeschäftigte ArbeitnehmerInnen arbeiten im EU Schnitt (EU 27) 40,4 Wochenstunden (Männer: 41,1, Frauen: 39,9). In der Eurozone – also den EU 17 – liegt die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit bei 40 Stunden (Männer: 40,7, Frauen 38,9).
  • Im europäischen Spitzenfeld liegt Großbritannien mit 42,2 Wochenstunden (Männer: 43,6, Frauen: 39,9) und: Österreich. Vollzeitbeschäftigte ArbeitnehmerInnen arbeiten in Österreich durchschnittlich 41,8 Wochenstunden – Männer 42,4, Frauen 40,8. Deutlich über dem europäischen Schnitt. Die als besonders „fleißig“ und europäisch „vorbildlich“ arbeitenden Deutschen liegen mit 40,7 Wochenstunden (Männer: 41,1, Frauen: 39,9) dagegen deutlich unter der Alpenrepublik und nur knapp über dem EU-Schnitt.

  • Deutlich unter dem EU-Schnitt wird in Ländern wie Dänemark (37,7 Wochenstunden, Männer: 38,1, Frauen 37,2), Schweden (39,9 Wochenstunden, Männer: 40, Frauen 39,8), Finnland (39,1 Wochenstunden, Männer : 40, Frauen: 38,1) und den immer wieder als „Scharfmacher“ auftretenden Niederlande (39 Wochenstunden, Männer: 39,2, Frauen: 38,1) gearbeitet. Allesamt „wohlhabende“ Staaten.
  • Dass die ArbeitnehmerInnen des südlichen Europas im Vergleich zu Deutschland oder Österreich „faul“ wären, wie so gerne vom Boulevard behauptet, straft die Erhebung Lügen: In Griechenland wird mit 40,4 Wochenstunden (Männer: 41,2, Frauen 39,3) EU-Durchschnitt aber über Eurozonen-Schnitt gearbeitet, in Spanien mit 40,3 Wochenstunden (Männer: 41, Frauen: 39,9) ebenfalls. In Portugal liegen die Wochenarbeitszeiten der ArbeitnehmerInnen bereits deutlich über EU oder gar Eurozonen-Schnitt (41,1 Wochenstunden, Männer: 42, Frauen: 40,1), ebenso im neuerdings krisengebeutelten Zypern (41,1 Wochenstunden, Männer: 41,7, Frauen: 40,4).
  • Irland dagegen, Krisenland der „nördlichen“ Hemisphäre um das es in der Berichterstattung überraschend ruhig ist, hat „unterdurchschnittliche“ wöchentliche Arbeitszeiten: nämlich 38,4 Stunden (Männer: 40, Frauen 36,5). Unter EU-Schnitt auch Italien: hier liegen die wöchentlich geleisteten Arbeitsstunden bei 38,8 Stunden (Männer: 40, Frauen: 36,5).
  • In allen Mitgliedsstaaten liegen die Arbeitszeiten der Männer über jenen der Frauen.

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Zunahme bei Befristungen

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Zugenommen haben innerhalb der EU 27 die Zahl befristeter Arbeitsverträge – von 12 % im Jahr 2000 auf 15 % im Jahr 2007, um bis 2011 wieder leicht auf 14 % (Eurozone: 15,8 %) zurückzugehen. Auffallend die deutlichen Unterschiede zwischen den EU-Staaten.

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  • die höchsten Anteile befristeter Arbeitsverhältnisse an allen ArbeitnehmerInnen fanden sich in Polen (27 %) und den von der Krise besonders betroffenen Staaten Spanien mit 25 % und Portugal mit 22 %.
  • Hohe Anteile befristeter Arbeitsverhältnisse weisen allerdings auch Staaten wie Schweden (16,4 %), Finnland (15,6 %), Deutschland (14,7 %), die Niederlande (18,4 %), Frankreich (15,3 %) und Slowenien (18,2 %) auf. Griechenland liegt mit 11,6 % unter EU-Schnitt.
  • Am unteren Ende der Skala befinden sich Rumänien (1,5 % der ArbeitnehmerInnen arbeiten hier befristet), Litauen (3 %), Bulgarien und Estland (4 %).
  • Unter EU-Schnitt liegen Länder wie Österreich (9,6 %), Dänemark (8,8 %), Belgien (9 %) aber auch Großbritannien (6,2 %).

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Was die Eurostat-Studie einmal mehr belegt: Es besteht in Österreich dringender Handlungsbedarf bei den Arbeitszeiten! Seit Jahren belegt Österreich bei der Länge der wöchentlichen Arbeitszeiten einen Spitzenrang. Lange Arbeitszeiten – vor allem wenn diese regelmäßig über lange Zeiträume hindurch erbracht werden – gefährden allerdings die Gesundheit. Wenn verwundert dann wirklich „die Flucht“ in die vorzeitige Alterspension um diesem „Arbeitsleid“ zu entkommen?

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Oben erwähnte und weitere Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung finden sich in der Pressemitteilung von Eurostat vom 5. Oktober 2012.

 

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