30-Stunden-Woche: Talar du svenska?

schweden_160In Skandinavien wird sie bereits in einigen Unternehmen erfolgreich praktiziert. Erfolgreich für die ArbeitnehmerInnen wie für die Betriebe: die 30-Stunden-Woche. Wie in einem kürzlich im SPIEGEL erschienen Beitrag nachgelesen werden kann.

30-Stunden-Woche, 6-Stunden-Arbeitstag. Reine Utopie? Vollkommene Illusion? Unfinanzierbar? Standortschädigend? Schmecks, alles nicht wahr. Zumindest Beispiele aus Schweden und Norwegen scheinen gängige, immer wieder vorgebrachte Argumente gegen Arbeitszeitverkürzung zu widerlegen.

So etwa ein Autohändler aus Göteborg. Vor elf Jahren wurde in diesem Betrieb die tägliche Arbeitszeit von 8 auf 6 Stunden verkürzt. Wegen mangelnder Kundenzufriedenheit: „Viele Mitarbeiter schienen von dem harten Job erschöpft, der Krankenstand war hoch,“ heißt es im SPIEGEL-Artikel. Darum die Arbeitszeitverkürzung. Mit Erfolg: die Krankschreibungen gingen merklich zurück.

Kürzere Arbeitszeiten – einfach gesünder

Ein weiteres Beispiel: Die norwegische Großmolkerei Tinei, unweit Göteborg. 2007 wurde auch hier ein Projekt für Arbeitszeiten gestartet, der 6-Stunden-Arbeitstag. Die als „naiv bis dreist“ bezeichnete Hoffnung die mit dem Projekt verbunden war: „Die Angestellten sollten in sechs Stunden ebenso viel produzieren, wie sie bislang in siebeneinhalb Stunden geschafft hatten.“ Das Ergebnis nach sechs Jahren: die Effektivität war nicht nur um 20 Prozent gestiegen, die zum Ausgleich für die verkürzte Arbeitszeit notwendig gewesen wären, sondern gleich um 50 Prozent. Mit ein Grund wohl: die Beinahehalbierung der Krankenstände innerhalb von vier Jahren.

30-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst

Nun will auch die rot-grün-links regierte Stadt Göteborg – die zweitgrößte Stadt Schwedens – ein einjähriges Pilotprojekt im kommunalen Dienst, vermutlich im Bereich der Altenbetreuung. Auch in anderen Kommunen werden derartige Arbeitszeitverkürzungsprojekte angedacht. Bei vollem Lohnausgleich.  Sorge bereitet die Finanzierbarkeit. Erhofft wird eine Subventionierung aus den Krankenkassen, würden sich diese doch Krankengeld und sonstige Kosten ersparen. Denn auch für den öffentlichen Dienst gilt vor allem ein Argument: kürzere Arbeitszeiten sind einfach gesünder und führen zu weniger Krankenständen. Und auch das sind bekanntlich Kosten …

Links:

DER SPIEGEL: Sechs-Stunden-Arbeitstag: „Ich träume von einer Revolution“
Deutschlandradio Kultur: Sechs Stunden sind genug (ein kritischerer Beitrag)

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