April 2016

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Schon zum Tag der Arbeitslosen 2012 haben wir diesen Kurzfilm machen lassen. Und er ist heute genauso aktuell wie damals. Wenn nicht so gar aktueller. Weil er den engen Zusammenhang zwischen Einsparungen bei sozialen Diensten und den Anstieg von Frauenarbeitslosigkeit aufzeigt. Und das ist eben noch aktueller geworden, weil 2012 der „Fiskalpakt“ beschlossen wurde, in dem sich alle Euro-Staaten per Gesetz zu einem strikten Sparkurs verpflichtet haben. Seit damals steigt insbesondere auch die Arbeitslosigkeit bei den Frauen. Weil die Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand bei Bildung, Pflege, Betreuung, sowie im  Sozial- und Gesundheitsbereich Frauen gleich doppelt treffen: einerseits, weil in diesen Branchen der Frauenanteil unter den Beschäftigten  hoch ist, und bei Einsparungen daher insbesondere Frauenjobs verloren gehen. Andererseits weil  Frauen aufgrund der immer noch vorherrschenden geschlechtertypischen Arbeitsteilung – Frauen machen immer noch den größten Teil der unbezahlten Haus-, Betreuungs- und Pflegearbeit –  auf gut ausgebaute, soziale Dienste in den Bereichen Pflege und Kinderbetreuung angewiesen sind, um überhaupt einer Erwerbstätigkeit – vielfach ohnehin nur Teilzeit – nachgehen zu können. Wird bei Ausgaben für soziale Dienste gesprart, drohen Frauen noch stärker aus der Erwerbsarbeit in die häusliche Pflege- und Betreuungsarbeit gedrängt zu werden.  Was auf Kosten ihrer finanziellen Eigenständigkeit, sozialen Sicherheit und Selbstbestimmung geht. Genau darum sind gut ausgebaute öffentliche und soziale Dienste gerade für Frauen so wichtig und treffen Ausgabenkürzungen in diesen Bereichen Frauen besonders stark!

 

 

TAL-logo_swAm 30. April – am Vortag zum traditionsreichen 1. Mai – wird inzwischen auch schon fast traditionell und bereits zum achtzehnten Mal der „Tag der Arbeitslosen“ begangen. Dieser Tag wurde eingeführt, um einen Kontrapunkt zum „Tag der Arbeit“ zu setzen. Während am 1. Mai regelmäßig ein Hoch auf die Arbeit gesungen wird, sollte am 30. April das Thema Arbeitslosigkeit und die schwierige soziale Situation arbeitssuchender Menschen ins Zentrum öffentlichen Interesses gerückt werden.

Wurde er zu Beginn noch beinahe ausschließlich von Arbeitsloseninitiativen, Grünen und der AUGE/UG begangen, finden heute rund um den „Tag der Arbeitslosen“ quer über Österreich verteilt Aktivitäten Initiativen statt, selbst Gewerkschaften und Arbeiterkammern setzen zum 30. April Aktionen.

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Logo_AL_KampagneWarum steigt die Arbeitslosigkeit so stark?

Mit Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 stieg die Arbeitslosigkeit stark an. Damals steuerte die Regierung mit öffentlichen Ausgaben und Kurzarbeit dagegen und die Arbeitslosigkeit konnte eingedämmt werden. 2012 verpflichteten sich alle EU-Staaten vertraglich zu Ausgabenkürzungen („Fiskalpakt“), um die u.a. wegen der Bankenrettung gestiegen Staatsschulden abzubauen. Wenn aber alle Staaten, Länder und Gemeinden gleichzeitig sparen, gibt es weniger öffentliche Aufträge für Unternehmen, dafür aber mehr Arbeitslose und geringere Steuereinnahmen. So haben wir mehr und mehr Arbeitslosigkeit, für deren Bekämpfung immer weniger Geld da ist. Ein Teufelskreis! Sparen führt nur noch tiefer in die Krise. Der Weg aus der Krise führt über sinnvolle und zielgerichtete Investitionen!

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Warum ist die Frauenarbeitslosigkeit so stark gestiegen?

Frauen_ArbeitslosigkeitMit Ausbruch der Finanzkrise 2008 stieg zuallererst die Arbeitslosigkeit bei Männern in der Industrie stark an. Mit Kurzarbeit und Konjunkturpaketen gelang es, die Arbeitslosenzahlen in Grenzen zu halten. Spätestens seit 2012 kam es auch zu einem deutlichen Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit. Damals verpflichteten sich die EU-Staaten zu drastischen Sparmaßnahmen („Fiskalpakt“). Damit sollten die vor allem wegen der Bankenrettung gestiegenen Staatsschulden reduziert werden. Ausgaben für Pflege, Gesundheit und Bildung wurden gekürzt – Bereiche, wo besonders viele Frauen arbeiten. Aber auch der Handel mit seinen vielen weiblichen Beschäftigten ist betroffen: wenn der Staat weniger investiert, steigt  die Arbeitslosigkeit,  den Menschen bleibt immer weniger Geld für Konsum und Existenzsicherung. Der EU-weite Sparkurs bei öffentlichen Ausgaben trifft also Frauen besonders hart!

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bild_schild_AUGE_gruenKeine Frage: die Arbeitsmarktsituation ist schwierig. Sie ist aber bewältigbar. Solidarisch bewältigbar. Ganz ohne Hetze, populistische Rülpser und eine aufgewärmte „Sozialschmarotzer“-Debatte.

Die hohe Arbeitslosigkeit ruft wieder Populisten aller Couleur auf den Plan: die einen wollen Mindestsicherung und Arbeitslosengeld kürzen. „Zu hoch,“ rufen Sie. Da zahlte es sich ja gar nicht aus, ein Arbeit zu suchen. Man müsse Arbeitslosengeld und Mindestsicherung nur kürzen, dann würde die Arbeitslosigkeit auch wieder sinken. Das ist natürlich kompletter Unsinn, weil einerseits, wer Arbeitslosengeld und Mindestsicherung bekommt, ohnehin eine angebotene Arbeit nicht so einfach ablehnen kann. Andererseits, weil es schlichtweg gar nicht genug Jobs gibt. Es gehört schon eine gehörige Portion Zynismus und Bösartigkeit dazu, mitten in der Wirtschaftskrise ausgerechnet jene Menschen, die Opfer der Krise – und arbeitslos – geworden sind, für ihr Schicksal verantwortlich zu machen und sie dafür auch noch abstrafen zu wollen.

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AMS_300Was es mit diesen Zahlen auf sich hat? Es sind die aktuellen Arbeitslosenzahlen für Österreich im März 2016. Der „Tag der Arbeitslosen“ findet dieses Jahr vor dem Hintergrund eines neuen, traurigen Arbeitslosenrekords statt.
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Wir lösen auf: 438.654 Menschen waren im März 2016 in Österreich arbeitslos gemeldet oder befanden sich in Schulungen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 10.135 Personen. Das entspricht einer Arbeitslosenrate von 9,4 Prozent (nationale Berechnung) bzw. 6,0 Prozent (Eurostat-Berechnung) (Quelle: AMS-Österreich, Übersicht März 2016). Waren österreichische Bundesregierungen dermaleinst stolz darauf, mit die niedrigsten Arbeitslosenraten in Europa zu haben, ist es damit vorerst einmal vorbei. Heute liegt Österreich an siebt-letzter Stelle, Länder wie Deutschland, Dänemark, ja selbst Ungarn weisen niedrigere Arbeitslosenraten aus.
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