10 Argumente gegen den schwarz-blauen 12 Stundentag

Am 30. Juni findet die ÖGB-Großdemonstration gegen 12-Stunden-Arbeitstag und 60-Stunden-Woche statt. Zehntausende werden erwartet. Zuvor finden in ganz Österreich BetriebsrätInnenkonferenzen und Betriebsversammlungen statt.

Albert Steinhauser, Jurist und Arbeitsrechtexperte in der GPA-djp hat 10 Gründe gegen den schwarz-blauen 12-Stunden-Arbeitstag zusammengetragen.

  1. Schwarz-blau bedient einseitig die Gewinninteressen der Unternehmen und höhlt den ArbeitnehmerInnenschutz und die Lebensqualität von ArbeitnehmerInnen aus. (siehe Warum die schwarz-blauen Änderungen bei der Arbeitszeit zu massiven Verschlechterungen führen)
  2. Lange Arbeitszeiten stellen Familien vor unlösbare Herausforderungen. Selbst ein gelegentlicher 12-Stundentag ist nicht mit üblichen Öffnungszeiten von Kindereinrichtungen vereinbar. Dazu kommt: Kinder brauchen Zeit und Unterstützung.
  3. Lange Arbeitszeiten senken unsere Lebensqualität. Arbeit ist ein Bestandteil unseres Lebens, aber nicht alles. Zeit für FreundInnen, Familie oder Hobbies, sowie die Planbarkeit unseres Alltags sind eine erkämpfte arbeitsrechtliche Errungenschaft.
  4. Die Ausdehnung der Arbeitszeit hat gravierende Folgen auf die Gesundheit. Verstärkter Stress, Burnout und damit erhöhte Risiken, wie Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen, Herzerkrankungen oder Schlaganfällen sind erwiesene Folgen.
  5. Eine längere Arbeitszeit erhöht erwiesen das Unfallrisiko. Ab der neunten Stunde verdoppelt sich die Zahl der Arbeitsunfälle auf Grund von Übermüdung.
  6.  In Österreich wird nicht zu wenig, sondern zu viel gearbeitet. Schon jetzt ist Österreich bei den Überstunden im europäischen Spitzenfeld und belegt mit einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,5 Stunden Platz drei in der EU.
  7.  Neuverteilung der Arbeitszeit statt Ausweitung! In Österreich und Europa müsste auf Grund der rasanten Technologisierung der Arbeit und massiven Effizienzsteigerungen seit der letzten Senkung vor 40 Jahren die Arbeitszeit durch Verkürzung neu verteilt werden.
  8. 2016 wurden rund 254 Mio. Mehrarbeits- /Überstunden geleistet. Davon wurden 52 Millionen an Überstunden nicht abgegolten. Das bedeutet einen Einkommensentfall von rund 1,3 Mrd. Euro pro Jahr!
  9. Gerne wird behauptet, dass eine Flexibilisierung notwendig wäre. Dabei wird verschwiegen, dass das Arbeitsrecht ohnedies zahlreiche Möglichkeiten wie Ausdehnung der Arbeitszeit bei vorübergehenden, besonderem Arbeitsbedarf, Bandbreiten- bzw. Durchrechnungsmodelle, Schichtarbeit oder 4–Tage–Woche vorsieht.
  10. Immer wieder wird verschärfter internationaler Wettbewerb für massive Einschnitte ins Arbeitsrecht als Argument angeführt. Abgesehen, dass auch verschärfter Wettbewerb ein Ergebnis falscher Politik ist, steht auch nur ein Teil der Wirtschaft im internationalen Wettbewerb. Die Produktivität ist in Österreich überproportional zu den Lohnkosten gestiegen. Daher sind die Lohnstückkosten ohnedies niedriger als in D, Fra, It oder GB und für Österreich sprechen zahlreiche andere attraktive Standortargumente. Beim Arbeitsrechts- und Sozialdumping dürfen wir uns nicht beteiligen.

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Albert Steinhauser ist bei der AUGE/UG und Jurist, Arbeitsrechtsexperter und Sekretär in  der GPA-djp. Von 2007 bis 2017 war er Nationalratsabgeordneter der Grünen. Die 10-Argumente gegen den 12-Stunden-Arbeitstag erschienen erstmals auf albertsteinhauser.at .

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