Arbeitszeiten: Was ArbeitnehmerInnen tatsächlich wünschen

Wünsche und Wirklichkeit klaffen bei Arbeitszeiten stark auseinander. Während uns Industrie und Wirtschaft  immer wieder – ernsthaft! – Glauben machen wollen, dass die Beschäftigten nur darauf warten, endlich 12-Stunden täglich und 60-Stunden wöchentlich arbeiten zu dürfen, sprechen Studien und Befragungen eine ganz andere Sprache.

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  • Laut einer umfassenden Arbeitszeitstudie der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2015 wollen Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich um 1 Stunde und 48 Minute je Woche kürzer, Teilzeitbeschäftigte dagegen um 2 Stunden und 42 Minuten länger arbeiten. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung in der höchsten Einkommensgruppe – sie ist auch jene Gruppe mit den längsten durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten (43,9 Stunden). Einen ebenso ausgeprägten Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten gibt es bei älteren ArbeitnehmerInnen.

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  • Auf ähnliche Ergebnisse kommt eine Umfrage der ING Diba aus dem Frühjahr 2017 die ergab, dass nur knapp die Hälfte aller ArbeitnehmerInnen mit ihren Arbeitszeiten zufrieden sind. 49 % der Vollzeit-Beschäftigten wollen Arbeitszeiten reduzieren, 47 % der Teilzeitbeschäftigten dagegen ausweiten. Vor allem die Vereinbarkeit von Vollzeit-Arbeit mit Freizeit und Familie stellt die Betroffenen vor große Probleme: gerade einmal 21 % schaffen es problemlos, Arbeit, Kinder und Hobbies unter einen Hut zu bringen.

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  • Einmal mehr bekräftigt wird der verbreitete Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten vom aktuellen Arbeitsklima-Index der AK Oberösterreich: Demnach wollen drei Viertel all jener, die 40 Stunden und mehr arbeiten, ihre Arbeitszeit verkürzen. 42 Prozent all jener Beschäftigten, die mehr als 40 Stunden arbeiten, können Beruf und Privatleben nur schlecht vereinbaren. Mehr als die Hälfte sind mit ihrer Arbeitszeit unzufrieden. Noch einmal 42 Prozent leiden unter Zeitdruck, ein Drittel unter permanenten Arbeitsdruck. Dagegen ist die Zufriedenheit bei jenen, die zwischen 35 und 40 Stunden arbeiten am höchsten, jene die weniger als 35 Stunden arbeiten müssen weisen ebenfalls hohe Zufriedenheitswerte aus.

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  • Interessant auch eine Eurofound Erhebung aus 2017. Sie befragte die EU-BürgerInnen nach ihren bevorzugten Arbeitszeiten. Hier liegen die österreichischen ArbeitnehmerInnen einmal im EU-Schnitt: sie würden am liebsten 31 Stunden/Woche arbeiten, Männer 35 Stunden, Frauen 27 Stunden. Diese Wunscharbeitszeit kommt damit nahe an die Forderung des Frauenvolksbegehrens und der AUGE/UG nach einer 30-Stunden-Woche heran.

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Zusammenfassend kann festgehalten werden: Die Begeisterung für 12-Stunden-Arbeitstage dürfte sich tatsächlich eher in Grenzen halten. Deutlich in Grenzen …

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  1. Peter Degischer’s avatar

    der 16h-Tag ist durchschnittlich anzustreben: 4h Erwerbstätigkeit, 4h Haushalt, 4h gesellschaftliche Tätigkeit, 4h Freizeit. Alle vier Tätigkeitsbereiche brauchen die gleiche Wertschätzung, damit sie erstrebenswert sind. Frei nach Frigga Haug 4in1.

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