48 ist das neue 40

Was das heißt? Ganz einfach: Kommen 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche ist die 40-Stunden-Woche nur noch ein Papiertiger. Sie ist bedeutungslos. Sie ist faktisch tot. Da kann die Regierung hundertmal versichern, dass sich an der Normalarbeitszeit nichts ändern wird.  Ein Kommentar von Markus Koza
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Fakt ist: der neue Bezugsrahmen ist nicht mehr die 40-Stunden-Woche, sondern die EU-Arbeitszeitrichtlinie. Die besagt, dass über einen Zeitraum von 17 Wochen – also 4 Monaten – durchschnittlich nicht länger als 48 Stunden wöchentlich gearbeitet werden darf. Heisst: Über mehrere Wochen hinweg kann ruhig 60-Stunden gearbeitet werden. Über 5, 7, 8, 10 Wochen, vollkommen egal, solange im Durchschnitt eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten werden darf. 48 Stunden, das sind – wohlgemerkt – 8 Stunden oder 20 % mehr, als die „Normarbeitszeit“ von 40 Stunden.

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Das hat übrigens auch die Regierung so in das neue Arbeitszeitgesetz hineingeschrieben. FPÖ und ÖVP nehmen in ihrem Entwurf explizit auf die EU-Arbeitszeitrichtlinie Bezug.
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Und was bedeutet das? Nichts anderes, als dass sich die tatsächlich geleistete, wöchentliche Arbeitszeit verlängern wird. Bereits jetzt – bei einer 40- oder gar 38,5-Stunden-Woche – liegt die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigten bei 41,4 Wochenstunden. Nur in Großbritannien und in Zypern wird innerhalb der EU noch länger gearbeitet. Werden nun Möglichkeiten geschaffen, tägliche und wöchentliche Arbeitszeiten auszuweiten – und zwar ohne Mitspracherecht der Gewerkschaften, ohne Verhandlungen mit den BetriebsrätInnen sondern einfach per Anweisung – dann werden diese Möglichkeiten, diese neuen Grenzen genutzt und ausgereizt. Was wäre sonst Sinn der Übung? Warum sonst wurden die Mitbestimmungsrechte von Gewerkschaften, Betriebsräten und ArbeitsmedizinerInnen beschnitten bzw. abgeschafft?
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Ist zusätzlich der Bezugsrahmen nicht mehr die 40-Stunden-Woche, sondern eine 48-Stunden-Woche und steigt das Volumen an zusätzliche erlaubten Überstunden um fast + 30 % – na was wird’s dann wohl geben? Mit Sicherheit keine Arbeitszeitverkürzung, mit Sicherheit nicht mehr Freizeit, mit Sicherheit nicht weniger Zeitnot, mit Sicherheit nicht mehr Zeit für Familie und Erholung. Dann brechen die Dämme. Für weitere Maßnahmen gegen uns ArbeitnehmerInnen.
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Sie verlängern die Arbeitszeit. Auf Kosten unserer Freiheit und Selbstbestimmung. Sie betreiben schlichtweg Zeitraub. Und wollen diese in Gesetzesform gießen. Dagegen müssen wir uns wehren. Dagegen werden wird uns wehren. Der 30. Juni war ein erster lauter und starker Protest. Er wird nicht der letzte gewesen sein. Mit Sicherheit.

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