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Ulli Stein, AK Rätin der AUGE/UG in Wien: "Zeit, endlich eine Frau als Präsidentin zu nominieren." Foto: Thomas Vanorek

Vermutlich wissen es die meisten schon längst aus Funk und Fernsehen, wie es so schön heißt: An der Spitze der Arbeiterkammer ist es zu einem Wechsel gekommen. Herbert Tumpel, seit 16 Jahren Präsident der Wiener Arbeiterkammer und der Bundesarbeitskammer hat 65-jährig seine Präsidentenfunktion zurückgelegt. Zum Nachfolger des scheidenden AK-Präsidenten Tumpel wurde am 11. März in der AK-Wien Rudolf Kaske, bislang Vorsitzender der Gewerkschaft vida seitens der FSG vorgeschlagen und schließlich auch mit einer großen Mehrheit von 83,13 % gewählt. Wir, seitens der AUGE/UG sprachen von einer „vertanen Chance“. Warum? Weil die AK, zumindest ganz an der Spitze  – wie bislang, über Jahrzehnte hinweg – männerdominiert bleibt.

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AK Wien: Sprechen wir über Frauenquoten!

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Wobei das Attribut „männerdominiert“ noch verharmlosend ist. Denn Tatsache ist: es hat nur  ein einziges Mal in der Geschichte der AK mit Lore Hostasch  eine – auch eher nur kurz amtierende – AK-Präsidentin gegeben. Sonst nur Männer. Nichts als Männer. In einer Wortmeldung, die wir hier adrucken, haben Ulrike Stein und Ernst Eigenbauer, AK-RätInnen der AUGE/UG Wien und BetriebsrätInnen der UGöD an der Med-Uni Wien diesen Sachverhalt angesprochen und kritisiert. Der kurze, aber unsere Kritik auf den Punkt bringende, Regebeitrag von Ulli Stein im Rahmen der Wiener AK-Vollversammlung, soll euch nicht vorenthalten bleiben. Hier die Rede im Wortlaut:

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, geschätzte Ehrengäste,

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jetzt kennt ihr mich ja eh schon als eine, die hier schwerpunktmäßig über Universitäten oder Frauenquote oder beides spricht – heute sind die Universitäten nicht mein Thema, obwohl der scheidende Präsident Kollege Tumpel als Unirat der TU Wien sich ja weiterhin mit Veit Sorger matchen wird und ihm die Universitäten und die dort Beschäftigten ein Anliegen sein werden. Ich spreche heute aber doch über Frauenquoten – Kollege Kaske hat das Stichwort ja schon gegeben.

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Lieber Kollege Kaske – ich ersuche dich diesen Beitrag nicht als eine Herabwürdigung deiner Person anzusehen – deine Fähigkeiten der AK Wien als Präsident vorzustehen, steht hier in keinster Weise zur Debatte; und ich ersuche dich deine Einstellung zur Chancengleichheit beizubehalten.

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Ich bin der festen Überzeugung, dass es in euren Reihen auch die eine oder andere Frau geben würde, die diese Position wahrnehmen kann – und wenn ich mich hier so umschaue, dann sehe ich hier einige Frauen, bei denen ich aus persönlicher Erfahrung weiß, dass sie genügend qualifiziert sind.

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Die Arbeiterkammer fordert immer wieder – in letzter Zeit vermehrt und auch in der Öffentlichkeit – Frauenquoten bei Unternehmen ein. Das ist richtig und wichtig und ich stehe zu 100% hinter dieser Forderung. Allerdings sollte die Arbeiterkammer Prinzipien, die sie anderen auferlegt, auch bei sich selbst umsetzen. Und das bedeutet endlich eine Frauenquote auch in der AK Führung – ein Mann als Präsident und zwei Männer und zwei Frauen als VizepräsidentInnen kann man hier wohl kaum als Vorbildwirkung bezeichnen. Deshalb ist es mehr als an der Zeit, endlich eine Frau als Präsidentin zu nominieren – damit wäre die AK Wien Vorbild nicht nur für die österreichischen Unternehmen, sondern auch für die Arbeiterkammern der anderen Bundesländer – keine einzige Präsidentin ist hier zu finden und auch in den Reihen der Vizepräsidentinnen und –präsidenten ist die Frauenquote verschwinden gering. Das ist beschämend und spiegelt sicher nicht die Fähigkeiten all der guten und qualifizierten Frauen unter Österreichs Arbeiterkammerrätinnen wieder.

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In diesem Sinne hoffe ich auf ein Umdenken im Sinne einer Frauenquote und Frauenbeteiligung.

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Bundesarbeitskammer: „Gruppenbild ohne Dame“

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Linda Sepulveda, AUGE/UG Vertreterin in der BAK: "Es bleibt ein Gruppenbild ohne Dame: 9 Präsidenten, 9 Direktoren, keine Frau."

In der Tags darauf folgenden Sitzung der Bundesarbeitskammer sprach Linda Sepulveda, AUGE/UG Vertreterin im „Bundesparlament“ der ArbeitnehmerInnen einmal mehr dieses Missverhältnis zwischen Kritik und gelebter Praxis angesprochen. Wobei sich die Situation auf Bundesebene noch dramatischer darstellt: Weil, während in der AK-Wien mit Dwora Stein von der GPA-djp und Renate Anderl von der PRO-GE zwei von vier VizepräsidentInnenfunktionen weiblich besetzt sind (Führungsteams der anderen Länderarbeiterkammern hier), kann auf Bundesebene getrost auf die geschlechtsneutrale Schreibweise verzichtet werden: die Stellvertreter des Präsidenten der Bundesarbeitskammer sind allesamt Männer. Im Vorstand der Bundesarbeitskammer: nur Männer. Erst im erweiterten Bundesvorstand finden sich zwei Frauen (Die Besetzung der Leitungsgremien der Bundesarbeitskammer hier auf der AK-Homepage). Lindas kurze, prägnante Wortmeldung – die einzige übrigens zur Präsidentenwahl in der BAK:

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,
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vorweg möchte ich sagen, dass Rudi Kaske als hochqualifizierter, engagierter Gewerkschafter durchaus  geeignet ist, AK-Präsident zu sein.
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Aber liebe Kolleginnen und Kollegen der FSG, ihr habt schon wieder eine Chance vertan, das zu leben, was von der AK gefordert wird: mehr Frauen in Spitzenpositionen.
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Es gibt in der FSG genug Frauen, die sehr gute Präsidentinnen sein könnten.
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Es bleibt aber weiterhin ein „Gruppenbild ohne Dame“. 9 Präsidenten, 9 Direktoren, keine Frauen.

 

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Interessanterweise gab es Applaus von den FSG-Frauen.

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Ob es in nächster Zeit vielleicht doch noch irgendwo die  eine oder andere AK-Präsidentin geben wird? Im Frühjahr 2014 finden die nächsten AK-Wahlen statt. Wir dürfen gespannt sein …

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Links:

Presseaussendung der AUGE/UG: AK-Präsidentenwahl: „Chance vertan!“

Beitrag in Wien heute vom 11. März 2013 zur Wahl des Wiener AK-Präsidenten (kann eine Woche angesehen werden)

Beitrag in der ZIB 13zum Wechsel an der Spitze der Bundesarbeitskammer (kann eine Woche angesehen werden, bedauerlicherweise – was ausserhalb unseres Einflussbereichs liegt –  wurde die AUGE/UG als „grüne GewerkschafterInnen“ bezeichnet)

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1 Kommentar auf “AK-Präsidenten: Sag mir, wo die Frauen sind …”

  1. Franziska sagt:

    Transparenz ist schon einmal eine gutes Mittel, um mehr Gerechtigkeit durch Gleichstellung zu erreichen. Warum kapieren nur so wenige, dass freiwilliges Agieren für alle Beteiligten besser ist, als reagieren (müssen) durch strikte Frauenquoten?
    Ich drücke die Daumen!