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Bildung im Freien für freie Bildung

Von Montag 17. Mai bis Freitag 21. Mai veranstalten zahlreiche Hochschülerinnen- und Hochschülerschaften die Woche der freien Bildung.

Dabei werden in Graz, Klagenfurt, Salzburg und Wien Universitätslehrveranstaltungen an öffentilche Plätze verlagert, um wissenschaftliche und künstlerische Lehre der Allgemeinheit zu präsentieren und sie teilhaben zu lassen. „Ziel der Woche der freien Bildung ist es, Bildung allen zugänglich zu machen und auf die derzeitigen Probleme im  universitäteren Bildungswesen aufmerksam zu machen.“ so Ulf Fischer vom Vorsitz der Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der TU Wien.

Es ist bereits jetzt so, dass Bildung, insbesondere Hochschulbildung, nicht frei ist. Zahlreiche Regelungen führen dazu,
dass einzelne Personengruppen benachteiligt und somit von den Universitäten ferngehalten werden. „Menschen aus bildungsfernen Schichten sowie Ausländerinnen und Ausländer haben es besonders schwer, den Bildungsweg einzuschlagen“ bemerkt Regina Bösch von der Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität für Musik
und darstellende Kunst Wien. Deshalb ist es notwendig, die Studiengebühren vollkommen abzuschaffen und das  Stipendiensystem auszubauen. Zugangsregelungen sind keine Lösung des Problems, sondern schaffen nur neue  Probleme. „Die soziale Selektion wird durch Zugangsbeschränkungen noch viel stärker, wie zum Beispiel das Aufnahmeverfahren im Medizinstudium sehr gut belegt“ so Bösch, „dort haben es sozial schwächere Menschen und  insbesondere auch Frauen wesentlich schwerer, einen Studienplatz zu bekommen.“

Bildung trägt auch zur Persönlichkeitsbildung bei. Dies wird durch die immer stärkere Verschulung des Studiums erschwert. „Strenge Anwesenheitspflicht, engstirnige Prüfungsketten und die Nicht-Anerkennung von Zusatzqualifikationen lassen den Studierenden kaum noch Raum, sich selbst zu entwickeln.“ erklärt Bianka Ullmann,
Vorsitzende der HTU Wien.  Im Vordergrund steht die fachspezifische Ausbildung, die in der zur Regelstudienzeit verkommenen Mindeststudienzeit absolviert werden muss. Der Druck auf ein zielstrebiges Studium ohne der Möglichkeit, nach links und rechts zu blicken, wirkt sich negativ auf die Mobilität aus. „In den engen Bachelor- und Masterstudienplänen gibt es kaum noch Platz, um zum Beispiel ein Auslandssemester zu absolvieren.“ so Ullmann.

Die Woche der Freien Bildung hat demnach auch einen starken politischen Aspekt und fordert zum Handeln auf.

– Das lang erklärte Ziel, die Ausgaben für den tertiären Bildungssektor auf 2% des BIP zu erhöhen, soll endlich verwirklicht werden.

– Die Universität soll ebenso als Lebensraum dienen. Studierende brauchen Platz, um ihr erworbenes Wissen und ihre erworbenen Fähigkeiten zu reflektieren und zu diskutieren.

– Es braucht eine umfassende Beratung bereits in der Schule. Diese soll zur Information dienen und nicht als Werbeinstrument für wirtschaftsorientierte Ausbildungsstätten missbraucht werden.

– Probleme dürfen nicht auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werden. Finanzielle Hürden und Zugangsbeschränkungen sind keine Lösung.

Rückfragehinweis:
Ulf Fischer, Vorsitz HTU Wien
Tel.: 0650 77 00 833
Email: vorsitz@htu.at

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100514_OTS0136