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Um die Unis aus der Krise zu holen, braucht man Geld. Aber nicht nur.

Thomas Schmidinger, Präsident der IG Externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen in einem Gastkommentar der Presse:

„Die gute Nachricht ist, dass wir endlich wieder eine Wissenschaftsministerin haben, die hoffentlich mehr als ein EU-Kommissar im Wartestand ist. An den Universitäten erwarten viele von Beatrix Karl, dass sie nun endlich ernsthaft auf die Krise der Universitäten reagiert und diese nicht nur aussitzt.

Wenn sie dabei in ihrem ersten Fernsehinterview betont, dass Geld nicht alles ist, so ist dies zwar richtig. Ohne mehr Budget– da ist man sich von den Rektoren bis zu den Studierenden einig – wird es allerdings auch nicht gehen. Tatsächlich könnten einige Reformen jedoch auch sofort in Angriff genommen werden. Ein nicht unwesentlicher Teil der Probleme der Universitäten stellt die Entdemokratisierung der Unis in der Folge des Universitätsgesetzes (UG) 2002 dar. Das UG hat nicht nur die alte Beamtenuniversität zum neoliberalen Unternehmen umgebaut, sondern auch die inneruniversitäre Demokratie massiv beschädigt. Wer die Krise des tertiären Bildungssektors konstruktiv bewältigen will, muss allerdings zunächst eine Redemokratisierung der Universitäten vorantreiben.

Nur so können real vorhandene Probleme rechtzeitig zur Sprache kommen und alle Beteiligten in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. In einer demokratischen Universität hätten sich die Rektoren der Universität Wien und der WU wohl auch kaum zu ihrem fürstlichen Gehalt noch leistungsbezogene Prämien sichern können, während ihre Studierenden keine Plätze in überfüllten Hörsälen finden und Nachwuchswissenschaftler nicht wissen, wie sie finanziell über die Runden kommen. Der neuen Ministerin muss hier wohl noch einiges mehr einfallen, als über eine Wiedereinführung der Studiengebühren nachzudenken und damit die soziale Selektion der Studierenden unter Umständen noch weiter zu verschärfen.

In der Folge des UG 2002 hat sich eine Zweiklassenuniversität herausgebildet, in der jüngere Wissenschaftler nur noch in zeitlich befristete Anstellungsverhältnisse ohne Verlängerungsmöglichkeiten kommen. Es ist kaum mehr möglich, langfristige Anstellungen zu bekommen.
….“

Den gesamten Gastkommentar finden Sie hier




Uni-Platznot: Deutschland will Österreich unterstützen

Ursache der massiven Studenten-Proteste im Herbst waren die schlechten Studienbedingungen – nicht zuletzt auch wegen des Ansturms aus Deutschland. Als erste Notmaßnahme wurden in besonders überlaufenen Fächern wie Medizin und Zahnmedizin die Studienplätze für EU-Bürger auf maximal 20 Prozent beschränkt. Außenminister Spindelegger will diese – nach EU-Recht nur bis 2012 erlaubte – Ausnahme zur Regel machen und eine EU-weit gültige Quotenregelung für Österreichs Unis durchsetzen. Er hat aber bisher dafür kaum Zuspruch in der EU bekommen. Das ändert sich nun. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), enge Vertraute von Bundeskanzlerin Merkel, signalisiert im KURIER-Interview erstmals Unterstützung.

Auszug:
Schavan: „Ich kann und möchte Österreich keine Ratschläge geben. Wir versuchen aber, auf EU-Ebene klar zu machen, dass ein Land ganz ohne Zugangsbeschränkung diese nicht nur für ein einziges anderes der EU einführen kann. Deutschland hat aber immer akzeptiert, dass es Situationen geben kann, in denen man sagt, unsere Hochschulen sind damit überlastet.“
Kurier: „Wird Deutschland also Österreich unterstützen, die Übergangsregelung mit dem Kontingent von 20 Prozent für EU-Studenten auf Dauer rechtlich zu fixieren, auch gegen Widerstände in der EU?“
Schavan: „Deutschland wird Österreich bei diesem Bemühen in der EU unterstützen.“

Das gesamte Interview finden Sie hier




Novelle Uni-Kollektivvertrag, gültige Fassung vom Januar 2010

Der Uni-Kollektivvertrag ist zwischen dem Dachverband der Universitäten und der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst nachverhandelt und novelliert worden.

KV Fassung 2010

Änderungen gab es zB. neben der Valorisierung der Gehälter bei den Paragraphen 20, 29, 30, 32, 49, 61, 76, 77 und 81

Übersicht Änderungen KV 2010




Homepage "Dialog Hochschulpartnerschaft"

Die Homepage des Ministeriums zum „Dialog Hochschulpartnerschaft“ bietet die Möglichkeit nachzulesen, Kommentare zu hinterlassen, Materialien downzuloaden usw.

Hier geht es zur Homepage




Die vorläufigen Detailergebnisse aus dem Rohbericht der "Studierenden-Sozialerhebung 2009"

Hier ein Auszug der Ergebnisse:

  • SOZIALE HERKUNFT: Knapp 45 Prozent der inländischen Studienanfänger kommen aus einem Haushalt, in dem der Vater zumindest über Matura verfügt. Jeder fünfte Student kommt aus einem Akademikerhaushalt, ein weiteres Viertel hat einen Vater mit Matura. Bei einem Viertel haben die Väter eine Lehre abgeschlossen, zehn Prozent haben eine Meisterprüfung absolviert, neun Prozent eine Fachschule und zehn Prozent nur eine Pflichtschule abgeschlossen. Wesentlich stärker als an den Unis sind StudentInnen aus bildungsfernen Schichten an den Fachhochschulen (FH) vertreten: Während an den Unis Akademikerkinder zweieinhalb mal öfter vertreten sind als solche aus bildungsfernen Schichten, sind es an den FH „nur“ eineinhalb mal so viele.
  • GESUNDHEIT: 61 Prozent der StudentInnen leiden unter Stress und psychischen Belastungen: 30 Prozent geben an, dass sie durch Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten in ihrem bisherigen Studienfortschritt behindert wurden. 16 Prozent berichten von stressbedingten gesundheitlichen Beschwerden (Magen- oder Kopfschmerzen, Schlafstörungen). 15 Prozent werden durch psychische Problemen und Ängste am Studienfortschritt gehindert; dabei klagen 86 Prozent über Leistungsdruck und Versagensängste, 78 Prozent über depressive Stimmungen, 77 Prozent mangelndes Selbstwertgefühl und 72 Prozent leiden unter Prüfungsangst. Frauen sind bei allen psychischen Beschwerden und Ängsten häufiger betroffen.
  • STUDIEREN MIT KIND: Acht Prozent der StudentInnen haben zumindest ein Kind, das ist mehr als noch 2006 (6,7 Prozent). Fünf Prozent der StudentInnen haben Kinder „mit Betreuungsbedarf“ (unter sieben Jahre alt), am stärksten sind sie an den PH (elf Prozent) und den Kunstunis (acht Prozent) vertreten.
  • REGIONALE HERKUNFT: StudentInnen aus Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg sind an heimischen Hochschulen unterrepräsentiert: In Vorarlberg nehmen nur 25 Prozent eines Altersjahrgangs ein Studium auf, in Tirol sind es 27 und in Oberösterreich und Salzburg jeweils 33 Prozent. Am höchsten liegt die Quote mit 52 Prozent in Wien, gefolgt von Kärnten mit 42 Prozent dem Burgenland mit 41, Niederösterreich mit 37 und der Steiermark mit 36 Prozent.

Den gesamten online-Standard Artikel mit noch mehr Detailergebnissen finden Sie hier




Betriebsräte lehnen eine Verschiebung der Mittel für Grundlagenforschung hin zu einer Unternehmensforschung ab

Seit 2009 wurden die Mittel für Grundlagenforschung ausgedünnt: Der Fond zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) bezahlt seit 2009 keine Kosten für die Nutzung der Infrastruktur der Universitäten beim Forschungsprojekt (Overheads). Die Zusatzfinanzierung aus dem siebenten Rahmenprogramm der EU ist weggefallen, das Investitionsprogramm wurde 2009 ausgesetzt und die Erschließung des Patentierungs- und Lizenzierungspotentials wurde gestoppt.

Die Betriebsräte für das wissenschaftliche Personal sprechen sich gegen eine Kürzung der Mittel für die Grundlagenforschung zu Gunsten einer von der Bundesregierung geplanten Erhöhung der Forschungsprämie im Bereich Forschung, Technologie und Innovation (FTI) von 8 auf 12% aus. Die Betriebsräte lehnen eine Verschiebung der Mittel der Grundlagenforschung hin zu einer Unternehmensforschung ab.
Der Sprecher der Rektoren Prof. Hans Sünkel hat in seiner Aussendung diesbezügliche Befürchtungen geäußert. Die Betriebsräte für das wissenschaftliche Personal der Österreichischen Universitäten fordern die Erhöhung der Mittel der Grundlagenforschung auf den OECD Schnitt!

DDr. Anneliese Legat,
MMag. Susanne Mann,
Dr. Ingwald Strasser,
Mag. Dr. Martin Tiefenthaler
für die Personalvertretung des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der österreichischen Universitäten.

Kontakt:
gerhard.loupal@vu-wien.ac.at,
ingwald.strasser@meduniwien.ac.at,
susanne.mann@uniak.ac.at,
martin.tiefenthaler@i-med.ac.at




Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft spricht sich gegen WKR-Ball am 29.1.2010 in der Hofburg aus

Das in der Hofburg angesiedelte Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft kritisiert die Raumvergabepolitik der Burghauptmannschaft. Wir fordern die Burghauptmannschaft auf, dem Wiener Korporationsring (WKR) in Zukunft keine Räume mehr zu vermieten und die bereits gegebenen Zusagen zurückzuziehen.

Seit über 40 Jahren stellt die Burghauptmannschaft dem WKR, einer Dachorganisation von mehr als zwanzig ,,national-freiheitlichen“ Korporationen aus dem deutschnationalen Lager, die Hofburg für ihren jährlichen Ball zur Verfügung. Im WKR sind offen rechtsextreme, antisemitische und sexistische Männerbünde organisiert. Der Übergang von rechten Studentenverbindungen zum Neonazi-Spektrum ist fließend.

Abgesehen von dem aus politischer Sicht unverantwortlichem Handeln der Burghauptmannschaft, wird durch den WKR-Ball auch der Institutsbetrieb erheblich gestört. Letztes Jahr verwehrte die Polizei Studierenden den Zutritt zu den Institutsräumlichkeiten. Eine rechtsextreme Tanzveranstaltung rechtfertigt derartige Eingriffe in den Lehr- und Prüfungsbetrieb in keiner Weise.

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Medizinische Universität Graz weitet Auswahlverfahren um sozial-kompetentes Handeln aus

Die Medizinische Universtität Graz erweitert in diesem Jahr das vor vier Jahren eingeführte Auswahlverfahren um einen Testbereich. Der „Situational Judgement-Test“ soll das Wissen der BewerberInnen im Bereich des sozial-kompetenten Handelns überprüfen.

Neben Kenntnissen in den medizinrelevanten Grundlagenfächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik sowie einem Textverständnis-Test wird heuer erstmals auch die Sozialkompetenz der BewerberInnen erhoben. „Der ‚Situational-Judgement-Test‘ besteht aus kurzen Beschreibungen ärztlich-relevanter Situationen, zu denen im Multiple-Choice-Format jeweils fünf Handlungsmöglichkeiten angeboten werden“, so Vizerektor Gilbert Reibnegger im Gespräch mit der APA. Aus diesen Antwortalternativen ist diejenige zu wählen, die dem biopsychosozialen Modell am meisten entspricht. Den Test habe man aus Belgien übernommen, wo er „seit Jahren mit großem Erfolg“ angewendet werde, so der Vizerektor. Das Ergebnis des neuen Testteils wird maximal im Ausmaß von zehn Prozent den Gesamttest beeinflussen.

Voraussetzung für die Teilnahme am Auswahltest am 9. Juli dieses Jahres ist die elektronische Voranmeldung, die diesmal vom 1. bis zum 21. Februar möglich ist. Die Voranmeldung läuft zeitgleich an den Medizinischen Universitäten Wien und Innsbruck, wo – anders als in Graz – am 9. Juli auch heuer unverändert der sogenannte „Eignungstest für das Medizinstudium“ (EMS) angewendet wird. Es ist nicht möglich, am Auswahlverfahren von mehreren Medizinischen Universitäten teilzunehmen, da auch die Aufnahmetests der einzelnen Unis am selben Tag abgehalten werden.

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Rektorat der Universität für Bodenkultur komplett

Das Rektorat der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien ist komplett. Der Universitätsrat hat den Vorschlag des neuen Rektors Martin Gerzabek für das Team der VizerektorInnen einstimmig angenommen.

Zur Vizerektorin für Lehre und Internationales wurde Barbara Hinterstoisser (bisher Leiterin des Zentrums für Lehre der BOKU) gewählt, zur Vizerektorin für Finanzen Andrea Reithmayer (bisher im Bereich Controlling an der Boku), zum Vizerektor für Forschung und Internationale Forschungskooperation Josef Glößl (Boku-Professor für Angewandte Genetik) und zum Vizerektor für strategische Entwicklung Georg Haberhauer (bisher beim Austrian Institute of Technology, AIT).




Österreich ist eine Kulturnation…!? – Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandta Kunst Wien

Was ist los in diesem Land?

Während die massiven Studentenproteste gegen die Zustände an den Universitäten durch die Ankündigung eines groß angelegten, inhaltlich ambitionierten hochschulpolitischen Reformprozess „Dialog Hochschulpartnerschaft“  abgefangen werden, verabschiedet sich der Wissenschaftsminister nach Brüssel und der zur Nachbesetzung zuständige Vizekanzler erklärt öffentlich, es bestehe überhaupt keine Eile bei der Suche nach einem neuen Wissenschaftsminister. Die Justizministerin bescheinigt gemeinsam mit ihren Staatsanwälten einem Landeshauptmann öffentlich dessen  intellektuelle Schuldunfähigkeit vor dem Strafrecht.

Die Innenministerin erklärt in einem Verbalzynismus, der an die dunkelsten Zeiten der österreichischen Geschichte erinnert, dass Flüchtlinge, die ins Land kommen, zunächst einmal interniert werden, – was natürlich keine  verfassungswidrige Freiheitsberaubung sei, denn sie könnten sich ja innerhalb des Lagers völlig frei bewegen. Der Bundeskanzler ist zunächst gegen Einsperren, einer Bundesministerin dreht es sogar verbal den Magen um, beide  wollen sich nach einer zweitägigen Nachdenkphase den Vorschlag der Innenministerin dann aber noch genau anschauen, ob und inwieweit er nicht vielleicht doch verfassungsrechtlich gedeckt sei.

Das Mitglied einer Landesregierung bietet einem potenziellen ausländischen Wirtschaftsinvestor die österreichische Staatsbürgerschaft an und verlangt dafür ganz offen eine Parteispende. Er wird nicht vom Staatsanwalt vorgeladen,  sondern bekommt im Fernsehen Gelegenheit, sich als Opfer einer rechtswidrigen Abhöraktion, die Teil einer  politischen Schmutzkübelkampagne sei, zu stilisieren.

Einige wenige regen sich kurz auf über dieses „Sittenbild“. Dann wird die Schraube der politischen Kulturlosigkeit eine Umdrehung weiter gedreht. Und die gesellschaftliche Toleranzgrenze wird neuerlich nachjustiert: Was vorgestern noch als schamlos galt, wird übermorgen toleriert und ein halbes Jahr später zur politischen Geschäftsgrundlage.

Was muss noch passieren in diesem Land, bevor alle Dämme brechen? Wird Kultur endgültig verbannt in Museen, Theater und Konzertsäle, die dann als kulturelle Stundenhotels zur Erholung von den täglichen Grauslichkeiten dienen, als geistige Rehabilitationszentren, damit man mental wieder in der Lage ist, mit der Realpolitik umzugehen? Oder gibt es eine Chance, dass Kunst und Kultur wieder aktiv teilnehmen am Wettstreit um die Definitionsmacht des gesellschaftlichen Wertesystems und der Zukunft unserer Gesellschaft?

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

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