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Österreichische HochschülerInnenschaft ruft zur Teilnahme am morgigen Bildungsaktionstag auf

Morgen wird der österreichischen Bildungspolitik beim großen Bildungsaktionstag eine klare Absage erteilt. In Wien,
Salzburg und in über 50 Städten Deutschlands wird gegen die katastrophale Situation an den Hochschulen demonstriert. „Trotz massiver Studierendenproteste sind die EntscheidungsträgerInnen bis jetzt untätig geblieben – das ist eine Frechheit“, sagt Thomas Wallerberger vom ÖH-Vorsitzteam empört. „Die Situation an den Hochschulen wird sich weiter zuspitzen – ab 2013 sind Budgetkürzungen geplant und bereits ab Herbst soll durch die  Studieneingangsphase neuflächendeckend ausgesiebt werden“, ergänzt Sigrid Maurer vom ÖH-Vorsitzteam erschüttert.

„Das Versagen der Politik wird einmal mehr am Rücken der Studierenden ausgetragen – dagegen werden wir lautstark kämpfen“, so Eva Maltschnig, ÖH-Generalsekretärin. Der Startschuss für den Bildungsaktionstag am 9.6.2010 ist um 10 Uhr vor dem Parlament. Den ganzen Tag sind unzählige kreative Aktionen geplant, die auf die Bildungsmisere
aufmerksam machen (weitere Infos unter: unsereuni.at). Die Schlusskundgebung um 17 Uhr vor dem Parlament steht unter dem Motto „Weg mit der (Bildungs-)Krise“. „Die Politik muss endlich umdenken und sich von der Devise „Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren“ abwenden. Daher rufen wir alle auf sich am Bildungsaktionstag zu beteiligen“, zeigen sich Maurer und Wallerberger kämpferisch.

Rückfragehinweis:
Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH)
Pia Kranawetter, Pressesprecherin
Tel.: 0676 888 52 211
mailto:pia.kranawetter@oeh.ac.at
http://www.oeh.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/144/aom




Anzahl der Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten sinkt weiter

An Österreichs Universitäten sinkt die Zahl der Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten weiter. Das zeigt die vom Wissenschaftsministerium beauftragte „Studierenden-Sozialerhebung 2009“. Der Anteil an Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten an Universitäten und Fachhochschulen sank zwischen 1998 und 2009 von 26% auf 19%. Der Anteil an Studierenden aus hohen sozialen Schichten blieb konstant.

Große Unterschiede gibt es in den verschiedenen Studienrichtungen: Im Theologiestudium stammen 31% der Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten. Allerdings kommen 34% aller Medizinstudierenden aus einer hohen sozialen Schicht und nur 11% aus einer niedrigen.   Auch in der Veterinärmedizin sind Studierende aus hoher sozialer Schicht mit 26 Prozent überrepräsentiert. Weiters auffallend: An Pädagogischen Hochschulen gibt es kaum Studierende (neun Prozent) aus hoher Schicht.

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Universitäten sparen gemeinsam Geld

Der Druck nimmt zu“, erklärte der Vizerektor der Universität Wien, Heinz Engl, und meinte damit nicht nur die budgetären Nöte der Universitäten, sondern auch das selbstgesteckte Ziel, „international an der Spitze zu sein“. Erreichen könne man dieses Ziel nur, „wenn wir uns koordinieren und alle Ressourcen optimal nutzen“, so Engl. Und so beteiligt sich die Uni Wien nicht nur an der neuen Campus Support Facility Gmbh am Vienna Bio Center. Es gibt zahlreiche weitere Kooperationen mit Wiener Unis, dabei geht es um die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur ebenso wie um Lehre oder Forschung.

Bereits seit einigen Monaten läuft Österreichs schnellster Computer „Vienna Scientific Cluster“, der um zwei Millionen Euro gemeinsam von Technischer Universität Wien, Uni Wien und Universität für Bodenkultur Wien angeschafft wurde. Laut Engl war dies „ein erster Schritt“, der finanzielle Aufwand dafür soll in den nächsten drei Jahren um das sechsfache ausgebaut werden. „Jede der Unis hätte sich einen eigenen Supercomputer kaufen können, aber wenn man das Geld zusammenlegt, erzielt man nicht nur den doppelten, sondern den vier- oder fünffachen Effekt.“

Kooperiert wird auch in der Kognitionsforschung.  In einem 600.000-Euro-Projekt wird nun in Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VMU) eine eigene Forschungsstation auf dem Lehr- und Forschungsgut Haidlhof der VMU im Süden Wiens eingerichtet.

Nachdem die Abtrennung der Medizin von der Uni Wien im Jahr 2004 „Forschungsbrücken sicher zum Teil beschädigt“ habe, so Engl, wollen die beiden Hochschulen nun wieder enger zusammenrücken. Beide Unis haben kürzlich ein mit einer Million Euro dotiertes Programm ausgeschrieben, mit dem die Grundlagenforschung der Uni Wien und die klinische Forschung der Medizinischen Uni zusammengebracht werden sollen. Das Interesse von beiden Seiten sei groß, das Programm „hoffnungslos überbucht“, so Engl.

Auch TU Wien und Uni Wien rücken näher zusammen, Ausgangspunkt ist die Lehre: Im neuen Studienverbund „Chemie und Technologie der Materialien“ arbeiten die beiden Masterstudien Materialchemie (TU) und Chemie (Uni Wien) zusammen, innerhalb eines Jahres soll ein gemeinsames Masterstudium „Materialchemie“ eingerichtet werden.

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Rektoren warnen vor Schäden für Wissenschaftsstandort

Die Universitätenkonferenz (uniko) warnt vor einer Schädigung des Wissenschaftsstandortes Österreich, sollten die Pläne der Regierung realisiert werden, das Budget der Universitäten ab 2013 einschneidend zu kürzen. Solche Einsparungen würden zu einer „massiven und nachhaltigen Schädigung der österreichischen Universitäten im Allgemeinen und einem erheblichen Qualitätsverlust der Studien im Besonderen“ führen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Resolution der Rektoren. Die Kürzungen würden zu einer Verringerung des Personalstands von etwa 3.000 der derzeit rund 40.000 Lehrenden führen.

Die Unis werden derzeit vom Wissenschaftsministerium informiert, dass es aufgrund der Staatsverschuldung für die nächste Leistungsvereinbarungsperiode 2013 bis 2015 keine Budgeterhöhung, ja nicht einmal eine Budgetanpassung geben werde. Die Rektoren anerkennen, dass eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte eine insgesamt restriktive Budgetpolitik erfordert. Allerdings besteht nach Ansicht der uniko breiter politischer Konsens darüber, dass Investitionen in Bildung und Forschung einen wesentlichen Schlüssel zur nachhaltigen Überwindung der Wirtschaftskrise darstellen, die Unis seit langem deutlich unterfinanziert seien und eine Finanzierung des tertiären Sektors mit etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzustreben sei.

Die aktuelle Haltung der Bundesregierung, die die Rektoren insgesamt für die Bereiche Bildungs und Forschung verantwortlich machen, „widerspricht in krasser Weise ihrem eigenen Programm, das ja im Bereich Bildung und Forschung angeblich besondere Schwerpunkte setzen möchte“, kritisieren die Rektoren. In den vergangenen Jahren habe sich die Schere zwischen den budgetären Möglichkeiten und den politisch definierten Anforderungen an die Universitäten immer weiter geöffnet. So sei es „schlicht unverantwortlich“, den Studierenden eine unbegrenzte Zahl von Studienplätzen in jedem Fach zu versprechen, diese aber nicht einmal ansatzweise zu finanzieren.

Die angekündigte Kürzung der Uni-Mittel in den kommenden Jahren würde „zwingend zu einer Verringerung des Personalstands in der Größenordnung von etwa 3.000 Lehrenden und zu neuerlichen Einschnitten bei der Infrastrukturausstattung führen“. Die Universitäten würden dann „nicht in der Lage sein, den Studierenden eine angemessene Ausbildung und die notwendige Betreuung zu garantieren, geschweige denn, Forschung auf internationalem Niveau zu betreiben“. Den Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten würde dadurch die Sinnhaftigkeit abhanden kommen und folglich der Boden entzogen werden, kritisieren die Rektoren und fordern die Bundesregierung und die Wissenschaftssprecher auf, mit den Unis über die Lösung der anstehenden massiven Probleme zu sprechen

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Bundespräsident Fischer kritisiert Einsparungen an den Unis

Kritik am Kurs von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) im Bereich der Uni-Budgets kam am Dienstagabend von Bundespräsident Heinz Fischer. Sparen in diesem Bereich könne sich negativ auswirken, so der Bundespräsident in der ORF-Sendung Report. „Ich bin der Überzeugung, dass im Sektor Wissenschaft und Forschung unbedingt Investitionen notwendig sind, um die Grundlage für  Wachstum zu legen“, so Fischer.

Fischer reagiert damit auf die Pläne von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, die vergangene Woche ankündigt hatte, zur Budgetsanierung ab dem Jahr 2014 die Uni-Budets einzufrieren, was einer de facto Kürzung gleichkommt. Der Vorsitzende der Universitätenkonferenz (uniko) Hans Sünkel bezeichnete die Sparpläne letzte Woche als „schlicht und ergreifend furchtbar“ (derstandard.at berichtete). Kritik kam letzte Woche auch von der Österreichische Hochschülerschaft, den Grünen und der FPÖ.

Anders in Deutschland: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigt jedoch an, im Ressort Bildung und Forschung werde es zu keinen Budgetkürzungen kommen. „Einsparungen auf diesen Feldern sind falsch“, so Schäuble gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

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Kurien sind überholt, Kurienprofessoren sind nicht mehr zeitgemäß

Betriebsräte der Medizin Unis unterstützen Bundesministerin Karls Initiative für Mitbestimmung

(OTS) Am Beispiel der drei Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck zeigt sich besonders krass wie universitäre Mitbestimmung bislang funktioniert: 260 (120+70+70) Professoren (überwiegend Männer und ganz wenige Frauen) entscheiden mehrheitlich über die Entwicklung der Universitäten unter dem Motto: „Wir bestimmen die Studienpläne und die Studien, sowie die Strategie, unterrichten und forschen sollen vor allem die Anderen“. Diese sind  5000 (3500 MUW, 1100 MUI, 1400 MUG)  sogenannte „Mittelbauangehörige“. Viele von ihnen sind habilitiert und international höchst anerkannt, nur nicht Mitglied der sogenannten Professorenkurie, und damit kaum berechtigt mitzureden.

Strukturierung,  Entwicklungsplan und die Neuberufungen liegen hauptsächlich in der Hand einiger weniger „Kurienprofessoren“. Kurioser Weise haben diese Kurienprofessoren überdurchnittlichen Einfluss bei der Wahl des Rektors. Mit einer Firma verglichen, wählt sich das mittlere Management seinen Generaldirektor. Dies ist weder ein privatwirtschaftlich autoritäres System, noch hat es etwas mit demokratischer Mitbestimmung von Leistungsträger/innen, wie in amerikanischen Spitzenuniversitäten erfolgreich praktiziert, zu tun. Kein Wunder, dass es in Österreich keine einzige Rektorin gibt. Viele der jungen Wissenschafter/innen und gerade noch beamteten Dozent/innen gestalten aber durch ihre Leistungen die Wissenslandschaft und sind oft international anerkannter und einflussreicher als so mancher Kurienprofessor. Dass die Unikliniken ohne diesen Mittelbau aber nicht funktionieren ist schon aufgrund des Zahlenverhältnisses evident. Wir fordern die Umsetzung des „Facultymodells“ mit einer Aufwertung der Leistungsträger, um auch jüngeren, innovativen Universitätsangehörigen mehr Mitbestimmungsrechte zu geben, und wir fordern die Abschaffung der anachronistischen Kurien!

A.Univ Prof. Dr. Regina Gatternig, A. Univ Prof. Dr. Thomas Szekeres, A. Univ Prof Dr. Martin Tiefenthaler für die Betriebsräte des wissenschaftlichen Personals der Medizinischen Universitäten Graz, Wien und Innsbruck




Bildung im Freien für freie Bildung

Von Montag 17. Mai bis Freitag 21. Mai veranstalten zahlreiche Hochschülerinnen- und Hochschülerschaften die Woche der freien Bildung.

Dabei werden in Graz, Klagenfurt, Salzburg und Wien Universitätslehrveranstaltungen an öffentilche Plätze verlagert, um wissenschaftliche und künstlerische Lehre der Allgemeinheit zu präsentieren und sie teilhaben zu lassen. „Ziel der Woche der freien Bildung ist es, Bildung allen zugänglich zu machen und auf die derzeitigen Probleme im  universitäteren Bildungswesen aufmerksam zu machen.“ so Ulf Fischer vom Vorsitz der Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der TU Wien.

Es ist bereits jetzt so, dass Bildung, insbesondere Hochschulbildung, nicht frei ist. Zahlreiche Regelungen führen dazu,
dass einzelne Personengruppen benachteiligt und somit von den Universitäten ferngehalten werden. „Menschen aus bildungsfernen Schichten sowie Ausländerinnen und Ausländer haben es besonders schwer, den Bildungsweg einzuschlagen“ bemerkt Regina Bösch von der Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität für Musik
und darstellende Kunst Wien. Deshalb ist es notwendig, die Studiengebühren vollkommen abzuschaffen und das  Stipendiensystem auszubauen. Zugangsregelungen sind keine Lösung des Problems, sondern schaffen nur neue  Probleme. „Die soziale Selektion wird durch Zugangsbeschränkungen noch viel stärker, wie zum Beispiel das Aufnahmeverfahren im Medizinstudium sehr gut belegt“ so Bösch, „dort haben es sozial schwächere Menschen und  insbesondere auch Frauen wesentlich schwerer, einen Studienplatz zu bekommen.“

Bildung trägt auch zur Persönlichkeitsbildung bei. Dies wird durch die immer stärkere Verschulung des Studiums erschwert. „Strenge Anwesenheitspflicht, engstirnige Prüfungsketten und die Nicht-Anerkennung von Zusatzqualifikationen lassen den Studierenden kaum noch Raum, sich selbst zu entwickeln.“ erklärt Bianka Ullmann,
Vorsitzende der HTU Wien.  Im Vordergrund steht die fachspezifische Ausbildung, die in der zur Regelstudienzeit verkommenen Mindeststudienzeit absolviert werden muss. Der Druck auf ein zielstrebiges Studium ohne der Möglichkeit, nach links und rechts zu blicken, wirkt sich negativ auf die Mobilität aus. „In den engen Bachelor- und Masterstudienplänen gibt es kaum noch Platz, um zum Beispiel ein Auslandssemester zu absolvieren.“ so Ullmann.

Die Woche der Freien Bildung hat demnach auch einen starken politischen Aspekt und fordert zum Handeln auf.

– Das lang erklärte Ziel, die Ausgaben für den tertiären Bildungssektor auf 2% des BIP zu erhöhen, soll endlich verwirklicht werden.

– Die Universität soll ebenso als Lebensraum dienen. Studierende brauchen Platz, um ihr erworbenes Wissen und ihre erworbenen Fähigkeiten zu reflektieren und zu diskutieren.

– Es braucht eine umfassende Beratung bereits in der Schule. Diese soll zur Information dienen und nicht als Werbeinstrument für wirtschaftsorientierte Ausbildungsstätten missbraucht werden.

– Probleme dürfen nicht auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werden. Finanzielle Hürden und Zugangsbeschränkungen sind keine Lösung.

Rückfragehinweis:
Ulf Fischer, Vorsitz HTU Wien
Tel.: 0650 77 00 833
Email: vorsitz@htu.at

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100514_OTS0136




ÖH steigt aus Hochschuldialog aus

Die Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft gab in ihrer heutigen Pressekonferenz ihrenAusstieg aus dem Hochschuldialog bekannt. „Karl hat den Bogen endgültig überspannt – es ist für uns nicht mehr verantwortbar weiterhin an diesem Alibidialog teilzunehmen“, erklärt Sigrid Maurer vom ÖH Vorsitzteam die Entscheidung. „Während im Hochschuldialog Einigkeit über eine Erhöhung der Studierendenzahlen und einerStudieneingangsphase als Orientierung herrscht, torpediert Karl mit ihren Vorstellungen nach einer  Selektionsphase mit Knock-out Prüfungen die Gespräche der HochschulpartnerInnen“, so Maurer weiter.

„Ministerin Karl stellt sich als Erfüllungsgehilfin für Vizekanzler Pröll heraus – die Streichung der zwei Prozent aus dem Strategiebericht belegen ihre Mutlosigkeit. Die Bekenntnisse der Bundesministerin zu einer Budgeterhöhung bis 2020 sind damit nur heiße Luft“, führt Thomas Wallerberger vom ÖH Vorsitz weiter aus.

„Die Gespräche im Hochschuldialog mit allen StakeholderInnen waren ausgesprochen konstruktiv und bereicherend für uns – wir wollen diese Gespräche weiterführen“, betont Eva Maltschnig, ÖH Generalsekretärin. „Ministerin Karl hat eindrucksvoll bewiesen, dass ihr der Hochschuldialog unwichtig ist“, meint ÖH Generalsekretärin, Eva Maltschnig. „Sie stößt damit alle vor den Kopf, die ernsthaft und konstruktiv am Dialog beteiligt waren – allen voran den Studierenden.“

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100514_OTS0102




Der Standard-Kommentar: "In der Bildungsoffensive" von Michael Völker

An den heimischen Universitäten herrscht ein Gemurkse. Zu viele junge Menschen wollen studieren. Dazu kommt der
Andrang deutscher Numerus-clausus-Flüchtlinge. Also befindet die Regierung, dass der Notfall die Regel sein soll und sich die Unis Zugangsbeschränkungen verpassen dürfen, um die unerwünschten Studenten sieben und abweisen zu können.

Es ist schon seltsam: Keiner freut sich darüber, dass so viele junge Menschen ein Studium beginnen wollen. Der Akademikermangel ist kein Thema mehr. Die Hochschulpolitik gerät zum Abwehrkampf.  Es ist keine Rede davon, dass man das Betreuungsverhältnis verbessert, dass man investiert und die Ressourcen verstärkt, überlegt wird ausschließlich, wie man die Zahl der Studierenden dem (schlechten) Betreuungsverhältnissen an den Unis anpassen kann: mit Aufnahmetests. Es ist schon richtig, dass derzeit mehr Leute Publizistik studieren wollen, als der Markt an Jobs im engeren Bereich bereithält. Aber ein freier Hochschulzugang bedeutet eben auch, dass junge Menschen das studieren können, wofür sie sich ernsthaft interessieren, unabhängig davon, ob sie nachher einen fixen Platz in ihrem Lieblingsberuf finden oder woandershin ausweichen müssen.
Wenn die Politik die Universitäten in Zugangsbeschränkungen und Aufnahmsprüfungen treibt, prolongiert sie das Gemurkse und erhebt die Bildungsdefensive zum Prinzip.

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100503_OTS0276




"Studieneingangsphase neu" sieht Aufnahmeverfahren statt reiner Orientierung vor

Eigentlich sollte die Studieneingangsphase (STEP), wie sie in der Novelle des Universitätsgesetzes (UG) 2009 festgeschrieben wurde, nur der Orientierung der Studierenden dienen. Den Universitäten sollte nicht erlaubt sein, in Rahmen dieser STEP Aufnahmeverfahren durchzuführen.

Nach dem Willen von Wissenschaftsministerin Betrax Karl  soll jedoch künftig am Ende der STEP eine qualitative Selektion durch ein Aufnahmeverfahren möglich sein. In Massenfächern mit begrenzter Infrastruktur (wie z.B. Biologie) sollen zusätzliche Platzbeschränkungen ermöglicht werden.

Auch laut der ursprünglichen Fassung der STEP müssen die Studierenden alle Prüfungen positiv absolvieren, bevor sie Lehrveranstaltungen absolvieren dürfen, die für einen späteren Zeitpunkt des Studiums vorgesehen sind. Karls schwebt allerdings vor, dass jene, die das Aufnahmeverfahren am Ende nicht schaffen, die STEP künftig zur Gänze wiederholen müssen. Studierende könnten so bis zu einem Studienjahr verlieren, obwohl sie alle Einzelprüfungen während der STEP geschafft haben.

Zu Protesten gegen das neue Modell der Studieneingangsphase hat die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) aufgerufen. Für Dienstag 10:00 Uhr rufen die Studierendenvertreter zu einer Kundgebung unter dem Motto „Bail-out statt Knock-out“ auf.

Den gesamten online-Standard-Artikel finden Sie hier