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Deutsch wählen! Kärnten ist unwichtig.

Tja, liebe Leute, jetzt haben wir den Salat.

Sitzt man zu viert zusammen um den Wahlkampf der Grüne/UG auszuhecken, und schon tritt man tief in einen Napf voll Fett. Das ist in Kärnten leicht, muss man sagen. Ist aber nicht so schlimm, weil hier so viel in fette Näpfe getreten wird, dass es kaum auffällt.

Vor allem einem Ausländer, der ich bin.

Der Fettnapf trägt den Namen unserer Spitzenkandidatin. Deutsch, that’s how we call her. Oder Daniela.

Was man schnell lernt in der so genannten Politik: lustig sein ist nicht.

Ob ich das allerdings wirklich lernen will, würde ich stark bezweifeln.

Sagen wir es so, wie es ist: das Plakat mit dem nun per www.standard.at inkriminierten „Daniela Deutsch wählen!“ ist dreierlei:

  1. kurz und knackig
  2. eine sarkastische Persiflage auf den grassierenden Provinznationalismus des südlichen Fortsatzes österreichischen Staatsgebiets bzw. des nördlichen Balkans
  3. ein Schlag ins Gesicht jener, die meinen, es drehe sich alles um „Ausländer-“ und „Inländerfragen“ oder um „Deutsch“ und „Slowenisch“. Nope, liebe Leute.

(Im zweisprachigen Gebiet wurde der Spruch auf Slowenisch überklebt.)

So seh ich das jedenfalls. Meine Verehrung: Listenzweiter.

Dass BZÖ-Wähler und -innen ernsthaft so dumm sind, uns zu wählen, nur weil „Deutsch“ drauf steht, glaubt ja nicht mal einer, der so viel von ihnen hält wie ich.

Doch während der Kapitalismus gerade dabei ist, in seine Endkrise einzutreten, während die ebenso falsche wie gefährliche und allgemein verbreitete Schelte der „Kapitalisten“ und der „Gier“ frohe Urständ feiert, und die Rechtsextremen aller Intelligenzniveaus in ihren Startlöchern scharren, um die anschwellenden Massen Erwerbsloser in ihre gesunde Volksgemeinschaft heimzuholen und die „Überflüssigen“ der Kapitalverwertung zu „entsorgen“ oder wenigstens ruhigzustellen, interessiert man sich hier in Kärnten wie dort in Wien für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Das ist das Schöne an diesem kleinen Land – K wie Ö.

Erstens: hatte Haider tatsächlich einen Führerschein? Zweitens: warum grinst Dörfler immer so schmerzverzerrt? Drittens: wer hat schon mal was von Uwe Scheuch gehört?

Wenn das nicht abendfüllend ist, unterhält man sich über Ortstafeln.

Im Ernst, Leute, ich wohne hier.

Und nochwas: die Grünen sind mir in dem Zusammenhang egal. Mitglied einer Partei bin ich nicht und habe nicht vor eines zu werden. Die Grüne/UG ist Teil der AUGE, und die ist parteiunabhängig, historisch aus der Gewerkschaftlichen Einheit hervorgegangen. Also gut kommunistisch, dort, wo wir uns so richtig wohl fühlen.

Sauwohl sogar.

Es mag der Grünpartei ein Einzug der Grüne/UG in die AK wohl nützen. Und ich mag nicht verhehlen, dass mir diese Partei als die vernünftigste zur Zeit in diesem kleinen Land hinter den sieben Bergen erscheint. (Anm. Nr. 1: Sofern man eine wie immer hoffnungs- und illusionsbeladene Parteiendiskussion angesichts der offenkundig äußerst eingeschränkten emanzipativen Potenziale staatlichen Handelns für vernünftig hält.)

Gern tät ich das von der KPÖ sagen können, die glücklicherweise auch bei den sieben Zwergen existiert, aber die laboriert leider noch immer an den Folgen unzureichender Marxlektüre und dem inzwischen neu aufgetretenen Syndrom, das Erbe Kreiskys antreten zu wollen. (Anm. Nr. 2: siehe Anm. Nr. 1)

Im übrigen: Lohnarbeit, Kapital und Staat gehören abgeschafft. (Und, wer’s noch hören will: zweisprachige  Ortstafeln für alles zwischen Wolfsberg und der Glocknergruppe. Oder halt so wie’s im Staatsvertrag steht.)