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Was ist die UG? Untergeschoss oder Unabhängig? …und was bitte heißt "unabhängig"?

Die allermeisten Menschen hierzulande hängen ab von Lohnarbeit oder sind auf Lohnersatzleistungen angewiesen (das heißt Transferleistungen, deren Bezugsberechtigung durch Lohnarbeit entsteht: das Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe).

Für diese Menschen sind wir da. „Wir“, das ist die AUGE/UG, deren Landesorganisationen unterschiedliche Namen tragen. In Kärnten heißen wir die „Grüne/UG“.

Die politischen Organisationen der ArbeiterInnenklasse, also der Lohnabhängigen stehen in Österreich auf zwei Beinen:

(1) die Arbeiterkammer
(2) die Gewerkschaft

Die politische Basis bildet die Gewerkschaft – entscheidend für sie sind die Erfahrungen der Menschen in den Betrieben, am Arbeitsmarktservice, aber auch dort, wo Lohnarbeit weit entfernt scheint: in den „Haushalten“ oder in der Kindererziehung. Das alles gehört zum Tätigkeitsfeld einer fortschrittlichen Gewerkschaft, denn die Lohnarbeit beruht auf der Hausarbeit ebenso wie auf den Arbeitslosen. Eine Gewerkschaft muss alles in den Blick nehmen, was der Kapitalismus abspaltet, diskriminiert, ausbeutet.

Für die Grünen und Unabhängigen GewerkschafterInnen ist die UG, die Unabhängige Gewerkschaft das gemeinsame Dach.

Der ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund) hat eine sehr gute Broschüre zu Geschichte, Struktur und Ausrichtung der UG herausgegeben, die ihr hier downloaden könnt.

Die UG betreibt übrigens auch einen Weblog hier.

Schaut da mal rein, ist echt interessant! …damit man bei UG in Zukunft nicht mehr an „Untergeschoss“, sondern an Gewerkschaft denkt ;-).




Attac Graz: Wachstumskritik auch hier

Auch in Österreich bildet sich wieder ein wachstumskritischer Diskurs heraus. Das Buch „Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern„, Ueberreuter 2008, das Christian Lauk (Univ. Wien), Konstantin Kulterer (Austrian Energy Agency) und ich zusammen geschrieben haben (unter Mitwirkung von Ernst Schriefl, energieautark GmbH), entstand ja aus der früheren ökoAttac-Gruppe.

Nachdem wir vor einigen Jahren, zur Zeit als die ökoAttac-Gruppe aktiv war, keine positive Resonanz der Wachstumskritik bei Attac erlebten, sind wir ausgestiegen und gründeten das Social Innovation Network. Das Ueberreuter-Buch ist im Grunde Resultat unserer damaligen Gruppen-Diskussionen.

In der Krise ändern sich offenbar die Vorzeichen der Diskussionen auch bei Attac Österreich zum Besseren. In Graz hat sich eine recht aktive Attac-Regionalgruppe gebildet, deren inhaltlicher Schwerpunkt die Wachstumskritik ist. Sehr spannende Leute.

Hier ihre Website.




Wachstumskritik bei Attac-Deutschland – Artikelsammlung

Der Mainstream von Attac war bisher gerade für seine offensive Wachstumsorientierung bekannt. Das hatte eine Minderheit schon immer kritisiert. In der Krise kommen jene, die Wirtschaftswachstum nicht für die Lösung, sondern als Teil des Problems verstehen, verstärkt zu Wort.

So hat sich beim einflussreichen Netzwerk Attac-Deutschland, das von einer Reihe von NGOs getragen wird, inzwischen eine eigene Arbeitsgruppe Wachstum gebildet. Ich konnte die Gruppe bei einem Workshop beim Berliner Attac-Kapitalismuskongress 2009 im Frühjahr erleben und fand ihre Kombination aus Wachstumskritik und der Perspektive einer Solidarischen Ökonomie sehr gut.

Nun gibt es eine Website mit einer Sammlung von Diskussionspapieren zu diesem Thema hier.




Kein Green New Deal – Kirche contra Wachstum

Entgegen der allgemeinen Illusion, durch Wachstum „Wohlstand“ schaffen zu können, mehren sich die Stimmen, dass gerade umgekehrt ein Schuh daraus wird. Dazu eine interessante Veranstaltung in Deutschland, 3. November 2009, Frankfurt am Main, Dominikanerkloster. Bemerkenswerterweise zeigen sich in dieser Frage nicht selten kirchliche Organisationen als Speerspitze einer solidarischen Intelligenz. Als Lektüre zum Einlesen in das Wachstumsproblem für alle, die Wachstum immer noch für harmlos halten: Exner/Lauk/Kulterer: „Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern„, Ueberreuter 2008.

VERANSTALTUNGSANKÜNDIGUNG, 3. Nov., Frankfurt a. Main

Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau

Wohlstand ohne Wachstumszwang?
Umsteuern zu nachhaltigem Leben und Wirtschaften

Andauerndes Wirtschaftswachstum wurde jahrzehntelang als Weg zu allgemeinem Wohlstand empfohlen. Politik und Wirtschaft richten sich an einem Wachstumsziel aus, das mit stetig steigendem Ressourcenverbrauch verbunden ist.

Doch dieser Weg führt in die Irre: Menschliches Glück lässt sich mit mehr Wachstum nicht schaffen, wenn erst die wesentlichen Bedürfnisse nach Nahrung, Obdach und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gestillt sind. Der Planet verträgt nur noch ein Wachstum mit sehr viel geringerem Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß.

Dies dokumentiert auch die 2008 erschienene Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Sie bietet fundierte Ansätze für die Änderung von Produktionsprozessen, einen wirtschaftlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen, ein nachhaltiges Konsumverhalten, eine neue Gestaltung und Bewertung von Arbeit.

Veränderung ist möglich und nötig. Kirche versteht es als ihren Auftrag, eine Politik der Veränderung möglich zu machen. Sie lebt aus der Freiheit, für die Umkehr zum Leben einzutreten. Die Veranstaltung soll nachhaltige Impulse für eine Konkretisierung und Umsetzung der dafür notwendigen Maßnahmen setzen.

Eingeladen sind Multiplikatorinnen aus Kirche und Gesellschaft, politische Mandatsträger und Vertreterinnen von Wirtschaft und Wissenschaft, Initiativen und Medien. Wir alle sind herausgefordert, uns an dieser Diskussion zu beteiligen und den Veränderungsprozess aktiv und verantwortlich mit zu gestalten.

Das Programm wird Anfang September versandt. Anmeldungen sind bereits hier möglich:

Hanne Münch
Tel.: 061 31 28744-35
Fax: 061 31 28744-1 1
h.muench*ÄT*zgv.info




Materialien Solidarische Ökonomie – Workshop-Dokumentation Graz, 2./3. Juli

Die Power Point Präsentationen des Workshops zur Solidarischen Ökonomie in Graz, 2./3. Juli, gibt es zum Download hier.

Der Workshop wurde von der Arbeiterkammer Steiermark und dem Institut für Internationales Management der Universität Graz finanziell großzügig unterstützt.

Inhaltsangabe des Workshops (Titel der Präsentationen leicht modifiziert/gekürzt):

Ana Dubeux (Departamento de Educação – UFRPE): Incubation, concrete examples of Solidarity Economy in Brazil

Jonas Bertucci (Universität Nantes, Paris): Mapping of Solidarity Economy in Brazil in view of the RIPESS-process

Kristina Bayer, Barbara Schweitzer (Verein zur Förderung der Solidarischen Ökonomie): Mapping and incubating Solidarity Economy in a Middle European context

Markus Auinger (Mattersburger Kreis): Solidarity Economy – emancipatory social change or self- help? The relation between state and civil society

Reinhard Paulesich, Angelika Peckary (WU Wien): A rating system for sustainable enterprises. A way towards solidarity economy networks?

Andreas Exner (Grüne/UG Kärnten): Solidarity Economy – pathway towards a commons-based mode of production

Armin Pircher-Verdofer (Universität Innsbruck): Solidarity Economy and democracy. Results from empirical studies

Anna Schreuer (IFZ Graz): Energy cooperatives and local co-ownership in the area of renewable energy technologies

Florian Ledermann (TU Wien): On the possibilities of mapping and visualizing Solidarity Economy projects

Bei Interesse am Thema bitte um Kontaktnahme zu andreas.exner*ÄT*chello.at




Klimawandel und soziale Gerechtigkeit – Workshop von Andreas Exner beim grünalternativen Sommercamp in Salzburg, 3.8.09

Beim diesjährigen grünalternativen Sommercamp in Salzburg vom 1.-5.8. mit dem Titel „Wer bin ich, was bist Du? Identitäten – Einbildungen – Ausgrenzungen“ werde ich einen Workshop zum Thema „Klimawandel und soziale Gerechtigkeit“ machen.

Untertitel:

„Peak Oil und Kimawandel – Die Grenzen des fossilistischen Systems“

Abstract:

Der Kapitalismus entfaltete seine Logik des Wachstums und der
Konkurrenz auf Grundlage fossiler Stoffe. Inzwischen nähert sich die
Nutzung der fossilen Ressourcen einer zweifachen Grenze. Der Input wird durch die absehbare Verknappung von Erdöl, Erdgas und Kohle eingeschränkt, während der Output in Form von Treibhausgasen zu einer bedrohlichen Klimaveränderung führt. Dies wird die ökonomischen und sozialen Krisentendenzen der kapitalistischen Produktionsweise vorderhand verschärfen. Vor diesem Hintergrund gilt es, den Kapitalismus durch eine auf Gemeingütern basierende Solidarische Ökonomie zu überwinden. Der Workshop gibt dazu einen Diskussionsanstoß.“

Das genaue Programm des Sommercamps findet ihr hier.

Anmeldung bis 22. Juli erbeten.




The Future of the Commons – Kick-Off Statements of the Crottorf Retreat

Wie berichtet fand kürzlich ein bemerkenswertes Retreat im Wasserschloss Crottorf, Deutschland, statt. Thema: „The Future of the Commons“. Das Treffen brachte eine breite Palette an Freie Software-Aktivisten, Feministinnen, NGO-Aktive, MarxistInnen, Ökologen usw. zusammen und in eine außergewöhnlich spannende und produktive Debatte.

Audio files der spontanen Kick-Off Inputs – die Debatte erfolgte selbstorganisiert ohne vorgegebenes Programm über drei Tage hinweg -, gibt es nun hier zum Nachhören.

Die Inputs sind auf Englisch. Ich sprach über den Zusammenhang zwischen Gemeingütern und der Solidarischen Ökonomie (file Nr. 8).

In Bälde werden 5-Minuten-Video-Statements der TeilnehmerInnen des Retreats auf Englisch verfügbar sein. Die deutschsprachigen TeilnehmerInnen haben zusätzlich Video-Botschaften auf Deutsch aufgenommen. Info folgt.

Here you find 13 audio files recorded at the Crottorf retreat about the commons in June 2009. The files contain kick-off statements followed by discussions (organisational parts are cut-out):
1: David Bollier: What are we talking about? Massimo de Angelis: Struggles and Cooptation.
2: Collecting and sorting of topics of the retreat.
3: Peter Linebaugh: Rewriting history of commoning.
4: Continuing the history discussion, debate about gift economy.
5: Michel Bauwens: Peer production. Silvia Federici: Daily produced commons. Urban gardens.
6: Discussion of Michel’s and Silvia’s talks.
7: Pat Mooney: Threats to the commons. Geo engineering.
8: Discussion of Pat’s talk. Christian Siefkes: Peer economy. Andreas Exner: Solidarity economy.
9: Stefan Meretz: Societal change in five steps. Andoni Alonso: Commons ontology.
10: George Caffentzis: Commons within force fields.
11: Wolfgang Sachs: Climate Change.
12: Miguel Vieira: WSF thematic forums.
13: Final round saying thank you and good bye to Crottorf




Krise der Produktivität, Grenzen des Wachstums

Ökologen thematisieren die Grenzen des Wachstums ebenso wie viele Linke. Doch während die einen bloß stofflich-energetische Grenzen sehen, wollen die anderen nur Grenzen des Werts und Mehrwerts erkennen. Tatsächlich sind beide Positionen integriert zu betrachten, um die Perspektiven des Kapitalismus und einer Alternative richtig einzuschätzen…

Artikel von Andreas Exner in den aktuellen Streifzügen (46, 2009).

Weiterlesen hier.




Autonome Antifa Koroska/Kärnten – Jetzt auch auf Facebook!

Totgeschwiegen von den Medien, von den herrschenden Institutionen ignoriert, gibt es in Kärnten eine ganze Reihe von Leuten, die Wege in die Zukunft weisen – abseits der Polit-Sackgassen aller Couleur.

Eine besonders spannende Gruppe ist in diesem Zusammenhang die Autonome Antifa Koroska/Kärnten, die nicht nur „praktisch“ aktiv ist, sondern auch die Praxis der Theorie vertieft. Beides ist notwendig, um Auswege aus dem Kapitalismus und seiner Staatsgewalt mitsamt den repressiven Ideologien dieses Systems – Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Imperialismus – zu finden.

Eine grüne und unabhängige Gewerkschaft braucht solche Initiativen wie die Luft zum Atmen. Jetzt findet man den Kontakt zur Autonomen Antifa Koroska/Kärnten auch in Facebook.

In diesem Sinn: Check it out! …quickly.




Auf gemeinsamem Boden. Eine Commoning-Erfahrung.

Ich sitze im Zug nach Klagenfurt, betrachte die Weingärten, die am Fenster vorüberziehen, links der Rhein, rechts kleine Orte und zerstreute Häuser. Muster menschlicher Kultur, die sich in die Landschaft eingeschrieben haben, als lebendige Synthese der natürlichen und der menschlichen Welt.

Ich bin auf dem Rückweg vom bemerkenswertesten Treffen, das ich in den letzten Jahren erleben durfte, in einem Wasserschloss in Crottorf bei Siegen, zusammen mit 21 Leuten aus den unterschiedlichsten intellektuellen und politischen Zusammenhängen: Historiker, NetzwerkerInnen, Projektmanager, MarxistInnen, Software-Leute, Feministinnen, politische ÖkologInnen und soziale AktivistInnen:

Andoni Alonso (Technologie-Philosoph), Michel Bauwens (P2P Foundation), Iain Boal (Retort), David Bollier (On the Commons-Blog), Nicola Bullard (Focus on the Global South), George Caffentzis (Midnight Notes Collective), Massimo de Angelis (The Commoner), Andreas Exner (der das hier schreibt), Silvia Frederici (International Feminist Collective), Hermann Hatzfeldt (der Schlossbesitzer, der uns großzügig den Ort für das Treffen zur Verfügung stellte, und eine Exkursion in die naturnah bewirtschafteten Wälder der Umgebung führte), Silke Helfrich (Publizistin), Prashant Iyengar (Alternative Law Forum), Peter Linebaugh (der Commons-Historiker par excellence), Stefan Meretz (Keimform-Blog), Pat Roy Mooney (ETC group, früher RAFI), Franz Nahrada (GIVE), Richard Pithouse (Rhodes University, politischer Aktivist), Christian Siefkes (Peer economy, Keimform-Blog), Wolfgang Sachs (Wuppertal Institute), Miguel Vieira (Epidemia).

Ausführliche biographische Informationen gibt es hier.

Unser Thema war “The Future of the Commons”, die Zukunft der Gemeingüter. Dabei drehten sich unsere Debatten um die Frage, wie die Gemeingüter eine Welt bilden können, in dem Wohl-Sein für alle möglich ist.

Wenn ich über das Treffen nachdenke, so erinnere ich mich an die Zeit als ich von Wien, wo ich 15 Jahre lange gelebt und studiert hatte, nach Klagenfurt gezogen bin, in den Süden Österreichs. Damals hatte ich immer wieder den enormen Reichtum von Natur wie Kultur erlebt. Ich war arbeitslos für ein halbes Jahr, fühlte mich jedoch sehr erfüllt. Im Verlauf der vielen Spaziergänge mit meiner Freundin durch die schönen Landschaften in Kärnten wurde ich der Vielfalt der Natur wirklich gewahr – als jemand, der in Vegetationsökologie ausgebildet worden ist, habe ich dafür das nötige intellektuelle Sensorium, aber in diesen Momenten begann ich die Vielfalt auch emotionell so richtig zu schätzen, als eine ästhetische Erfahrung. Um Reichtum zu erfahren ist Sensitivität erfordert ebenso wie die Fähigkeit zur Differenzierung.

Unser Treffen belebte in mir den Sinn für diesen Reichtum, indem wir die Gemeingüter, die Commons als einen neuen Ansatz der gesellschaftlichen Transformationen erkundeten – indem wir einander konfrontierten, widersprechende Positionen in eine Synthese brachten und Ideen und Emotionen miteinander verwoben. Im Verlauf dieses Prozesses entstand so etwas wie eine geteilte Sicht der Wirklichkeit, im Reden, aber auch im Singen, Spazierengehen, Lachen.

Silke Helfrich, David Bollier, Massimo de Angelis und Stefan Meretz lernten einander letztes Jahr beim Elevate Festival in Graz kennen. Sie gaben Inputs zum Thema “Commons” und entschieden nach dem Festival, ein Treffen mit Freundinnen und Freunden zu organisieren, um die Diskussion voranzubringen.

Schon diese vier Leute allein bilden einen wahren Blumenstrauß an Aktivitäten und Ideen. Silke Helfrich hat zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung, dem „Think Tank“ der deutschen Grünpartei einen sehr interessanten Sammelband zur Commons-Debatte mit dem Titel “Wem gehört die Welt” herausgegeben, den man in der Vollversion im Netz downloaden kann. David Bollierhat mehrere Bücher zu Commons publiziert und verfolgt eine breite Palette an Aktivitäten in diesem Bereich, wie man schon sein Commons-blog illustriert. Massimo de Angelis hat 2000 das online-journal “The Commoner” zusammen mit ein paar anderen “verrückten Marxisten”, wie er mir lachend erzählt, mitbegründet. (Die aktuelle Ausgabe ist eine besondere Empfehlung.) Stefan Meretz ist ein Software-Programmierer und Theoretiker, der regelmäßig im Keimform-blog schreibt und das Konzept der Keimformen als Ausgangspunkte für eine post-kapitalistische Gesellschaft exploriert.

Unsere Diskussionen während dieser vier Tage, die wir “im Schloss gefangen” waren, wie es jemand ausdrückte, entfalteten sich ohne fixes Programm. Sie waren selbst ein Beispiel welche Freiheit das Commoning ermöglicht, wenn die Bedingungen stimmen. Nach einem gemeinsamen Brainstorming zu den Fragen, die uns im Zusammenhang mit den Commons interessieren – von der Kriminalisierung von Commonern über die politische Ökonomie der Commons bis hin zum Grundeinkommen – arrangierten Stefan und Silke die Schlagwörter unter ein paar Überschriften. Die folgenden Tage widmeten wir der Debatte dieser Themen, mit zumeist kurzen, ziemlich spontanen Inputs, die oft entgegengesetzte Blickwinkel auf einen spezifischen Aspekt der Commons darstellten.

Aufregend waren viele Momente, wenn die Gruppe die politische Ökonomie der Commons debattierte, ihren strategischen Wert in der entstehenden “Bewegung der Bewegungen”, die sich darum bemüht, das Alte gehen zu lassen, damit das Neue Raum bekommt. Es ist schwer, die Vielfalt an Argumenten und Weltsichten zusammenzufassen, die unsere Debatten sichtbar machten. Dennoch gibt es eine einfache Formel, die jemand in der Schlussrunde mit uns teilte, die für mich den Herz des Prozesses am besten ausdrückt: “Die Gemeingüter sind der Sozialismus des 21. Jahrhunderts”.

Ich möchte an dieser Stelle kein Protokoll unserer Diskussionen geben. Zum Einen deshalb, weil Massimo de Angelis Video-Interviews mit uns gemacht hat, die Stefan Meretz noch durch Interviews auf Deutsch ergänzte, die besser als eine Niederschrift illustrieren, welche Vielfalt und welche “hybridisierende” Qualität unsere Bemühung hatte. Jemand hat dafür den Vergleich des “Pflanzenzüchtens” gemacht, und ich denke, das ist als eine ironische Beschreibung treffend. Zweitens hat Stefan die gesamte Debatte aufgezeichnet, und es dürfte eine Auswahl von Gesprächen online verfügbar gemacht werden.

Fürs erste belasse ich es mal dabei und hoffe, dass ihr dieselbe Freude in der Erkundung der Commons erlebt wie wir in Crottorf, als einer neuen Weise unsere Welt zu sehen, zu empfinden und zu denken.

Zum Weiterlesen: p2p foundation