1

Interview mit Andreas Exner zu Gewerkschaft und "Die Grenzen des Kapitalismus"

Die Redaktion des Schattenblick hat mit Andreas Exner am Rande des AUGE-Bundestreffens nach den Arbeiterkammerwahlen in Österreich ein ausführliches Interview geführt.

Die Themen: Gewerkschaften, Wirtschaftswachstum, Alternativen zum Kapitalismus und Sinn und Unsinn von Theorieproduktion.




Autonome Antifa Koroska/Kärnten: Repression wegtanzen, essen, trinken, schießen. Getroffen hat es einige – gemeint sind wir alle

Repression wegtanzen, essen, trinken, schießen…

Einladung der Autonomen Antifa Koroska/Kärnten.

Do. 27.08. Celovec/Klagenfurt!

Für die von Repression betroffenen U-berg AktivistInnen.
Getroffenen hat es einige, gemeint sind wir alle!!

Ab 13.00 Uhr: Antirepressions Schießbude am Lendhafen

18.00 Uhr: Anti-U-berg Infoveranstaltung im Klub Slowenischer StudentInnen

19.30 Uhr: Antirepressions Soliparty im Klub Slowenischer StudentInnen.
mit veganer Vokü, Getränken, Cocktails und vielen mehr….

23.30 Uhr: PartisanInnen Disko!!

Infosammlung zu der Repression: http://www.u-berg.at/2008/rh_08.htm

Informationen zur Autonomen Antifa Koroska/Kärnten hier.

Fight repression – Nikoli Več Ulrichsberg!




Suppe statt Profit: Mi., 16. Sept., KHG – Thema: Solidarische Ökonomie

Inzwischen hat sich unsere antikapitalistische Suppenküche etabliert. Derzeit ist aber grade Sommerloch, daher auch keine Suppe. Die nächste „Suppe statt Profit“ gibt’s am Mittwoch, 16. September, in der KHG, ab 18.00

Als Suppe wird vermutlich ein spätsommerlicher Linseneintopf gereicht werden.

Wo: Neptunweg 12, Katholische Hochschulgemeinde Klagenfurt

Kontakt: andreas.exner*ÄT*chello.at

Für die inhaltliche Kulinarik wird diesmal Andreas Exner sorgen, der über Solidarische Ökonomie sprechen wird. Vielleicht zeigen wir auch einen Film dazu.

Kommet zahlreich und vergnügt Euch!

ZU „SUPPE STATT PROFIT“:

Du bist in der Krise. Dein Problem heißt Marktwirtschaft!

Die Marktwirtschaft versagt. Immer mehr verlieren ihren Job. Die Armut wächst. Doch die Politik plant gegen uns den Angriff: Sozialabbau, Frauen an den Herd und Lohnverzicht.

Wir haben Angst. Wir können uns das Leben immer schwerer leisten. So kann’s nicht weitergehen!

Nur gemeinsam sind wir stark!

Was willst Du wirklich in Deinem Leben? Was brauchst Du zum Glück? Vielleicht mehr Entspannung, soziale Sicherheit und Anerkennung. Keinen Stress. Freude statt Angst.

Wir brauchen eine Solidarische Ökonomie. Hier und Jetzt!

Hol Dir Deine Gratis-Suppe, lass uns plaudern. Nahrhafte Gespräche, Ideen und Kontakte warten. Der Kapitalismus ist am Ende, das Leben fängt gerade an. Sei dabei!




Exner bei "Kärnten/Koroska 2020" – Di., 25. Aug., Raj, Klagenfurt/Celovec

Einladung – Vabilo – Kärnten – Koroska 2020

»Kärnten – Koroska 2020« ist der Titel einer zehnteiligen Diskussionsreihe, die ab Dienstag, dem 25. August 09 jeweils 14tägig im raj, Badgasse 7 in Klagenfurt/Celovec von 19.30 bis 21.00 Uhr bei freiem Eintritt abwechselnd in deutscher und slowenischer Sprache stattfinden wird.

Mit »Kärnten – Koroska 2020« wollen wir anstehende und uns umgebende Probleme und Fragestellungen thematisieren und wir wollen sie vor allem als europäische Fragen diskutieren. Vor allem die Frage der Sprachen, Kulturen und Minderheiten ist sowohl auf europäischer als auch lokaler Ebene in die Krise geraten. Anstelle von Antworten dominieren bei den meisten, die sich gegen gleichbleibende oder vielfach verschlechterte politische Bedingungen, gegen Obrigkeit und gegen das politische Umfeld formieren, ebenfalls gleichbleibende Handlungsmuster, die sich häufig in allzu bekannter und oft überholter Argumentation, Terminologie und Agitation erschöpfen.

Richten wir den Fokus vor allem auf
# die lokale und in weiterer Folge auf
# die nationalstaatliche Ebene
stellen wir fest, dass zukunftsweisende Denkansätze und offen geführte Diskussionsprozesse gegen die Erstarrung nützlich sein können, zumal zunehmend bedenkliche entdemokratisierende Tendenzen feststellbar sind. Zu oft wird strategischen Überlegungen, um tagespolitisch plakativ in Erscheinung zu treten, der Vorzug gegeben.

Mehrsprachigkeit leben, von der Tatsache ausgehen, dass das Land zwei- und mehrsprachig ist, und dies als etwas Selbstverständliches zu sich zu nehmen und anzuwenden, ist der Ausweg, um in der sogenannten Minderheitenfrage (um ein Beispiel zu nennen) der Blockade zu entkommen. Oder um es mit den Worten Amin Maalouf s, dem französisch – libanesischen Schriftsteller zu sagen: „Gelingt das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichem sprachlichen und religiösen Hinter grund innerhalb Europas nicht, so gelingt es nirgendwo.“

„Ist anders denken schwer?“ ist der Titel der Auftaktveranstaltung, moderiert von Michael Kerbler (Ö1).

Es diskutieren:

Dr. Irmgard Bohunovsky, Galeristin, Veranstalterin von Symposien

Primarius Dr. Herwig Scholz, Neurologe, Psychotherapeut und Leiter des Krankenhauses Waiern

Mag. Andreas Exner, Ökologe, Sachbuchautor und Arbeiterkammer-Rat der Grünen und Unabhängigen GewerkschafterInnen in Kärnten (AUGE Österreich)

Mag. Simone Schönett, freie Schriftstellerin, Aktivistin für die Rechte der Jenischen, aktiv in WORT-WERK

Wann: Dienstag, 25. August 09 ab 19.30 Uhr
Wo: raj, Badgasse 7, Klagenfurt/Celovec

Die Aufzeichnung der Diskussion wird auf radio AGORA 105,5
am Samstag, dem 29. August 09 ab 13.15 Uhr ausgestrahlt
Livestream: www.agora.at

Aviso:  Dienstag, 8. September 09 ab 19.30 Uhr
„Wie entstehen und funktionieren Vorurteile?“, moderiert von Horst Ogris

Für „karawankendurchbrechende Kulinarik“ © Raimund Spöck und inspirierende Getränke sorgt derselbe.




Aufschwung in den Abgrund – Peak Oil nun auch bei IEA angekommen

Die Debatte um Peak Oil, das globale Fördermaximum des Erdöls, ist nun endlich auch bei der Internationalen Energieagentur angekommen. Dies zeigt ein Artikel in der International Business Times vom 11. August.

Der Chefökonom der Energieagentur, Fatih Birol, bestätigt darin die Einschätzung, die wir in „Die Grenzen des Kapitalismus“ (Exner/Lauk/Kulterer, Ueberreuter 2008) gezogen haben: selbst wenn die gegenwärtige Wirtschaftskrise einem Aufschwung weichen sollte, würde die kapitalistische Ökonomie rasch von der nächsten Energieverknappung in die Tiefe gezogen. Wobei, das bleibt anzumerken, ein Aufschwung ohnehin unwahrscheinlich ist. Die Verknappung des Erdöls jedoch schreitet auch in der Krise unweigerlich voran. Die Krise verschärft sich daher in jedem Falle weiter.

Die Schlussfolgerungen, die Birol zieht: es drohe ein neues „finsteres Zeitalter“, weil erst die energieabhängigen Maschinen die Sklavenarbeit überflüssig gemacht hätten. Der Umstieg auf Kohle sei unausweichlich. Der Ausbau der Erneuerbaren ist zwar wünschenswert, aber zu teuer und zu zeitintensiv.

Die kapitalistische Borniertheit äußert sich in Birols Aussagen gleich mehrfach. Denn erstens hat der Kapitalismus, bürgerlich verkürzt auf das „Maschinenzeitalter“, Herrschaft keineswegs überwunden, sondern lediglich verändert, in vielen Bereichen sogar verschärft. Zweitens aber ist Kohle noch klimaschädlicher als Erdöl oder Erdgas; Techniken der Abscheidung von CO2 sind äußerst fragwürdig und angeblich erst um 2020 verfügbar; außerdem reichen sie nicht aus, um dem Klimawandel zu begegnen (siehe dazu z.B. hier). Davon ganz abgesehen befindet sich auch die Kohle am Rande des globalen Fördermaximums, Peak Coal. Der Ausbau der Erneuerbaren ist mit dem Kapitalismus in der Tat nicht vereinbar. Deshalb die Energiewende als illusionär abzulehnen ist freilich absurd.

So bestätigt der Chefökonom, wenngleich nicht in unserem Sinne, unsere eigene Einschätzung der Gefahren, die in der epochalen Energiekrise liegen: erstens, dass sich Herrschaft nach dem Ende der billigen fossilen Energieträger zu erneuern versuchen wird – eine Ökodiktatur im Kontext einer ökonomisch stationären (und insofern nicht-kapitalistischen), jedoch verelendeten und extrem repressiven Gesellschaft ist grundsätzlich denkbar; zweitens aber wird der Kapitalismus bis zu seinem – entweder emanzipatorischen oder repressiven – Ende alles daran setzen, seine (rückläufige) Wachstumsdynamik oder jedenfalls den Glauben daran vorerst aufrechtzuerhalten, indem er auf Atom, Kohle und auf Mega-Projekte á la Desertec setzt.

Wer noch glaubt, das System von Lohnarbeit, Markt, Staat und Kapital „reformieren“ zu können, sitzt nicht nur einer Illusion auf, sondern bewegt sich inzwischen schlicht auf menschheitsgefährdendem Terrain.




Klimawandel bereits über der "Chaos-Schwelle"? Potsdamer Institut: Ja zu Globalen Agro-Commons!

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt stellt das renommierte Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Bericht vom 18.6.2009 fest:

Wichtige Klimaindikatoren wie die globale Durchschnittstemperatur, der Meeresspiegelanstieg und Extremwetter-Ereignisse bewegen sich bereits außerhalb der Muster natürlicher Variabilität, innerhalb derer sich die moderne Gesellschaft und Wirtschaft entwickelt haben.

Dies ist durchaus diplomatisch formuliert. Wie das PIK in seiner Pressemitteilung festhält, zeigen neue Beobachtungsdaten, dass die Zunahme der Emissionen von Treibhausgasen und die Veränderung vieler Bestandteile des Klimasystems im oberen Bereich der Erwartungen liegen, die sich aus den Projektionen des IPCC ergeben.

Im Klartext: es kommt schlimmer als bis vor Kurzem noch erwartet.

Seit den 1990er Jahren propagierte die wissenschaftliche Gemeinschaft, die menschengemachte Erderwärmung auf 2 Grad Celsius im Vergleich zum vor-industriellen Niveau zu begrenzen. Sollte sich die globale Durchschnittstemperatur stärker erhöhen, so lautete der Tenor, wären unabsehbare Klimaveränderungen mit katastrophalen Wirkungen die Folge. Doch resümiert das PIK in seinem neuesten Bericht, dass sowohl das IPCC als auch andere jüngere Forschungen zeigen, dass sogar bei geringeren Temperaturanstiegen die Auswirkungen bedeutsam sind – „significant“ im Wortlaut (siehe Synthese-Bericht des PIK).

Einige Gesellschaften könnten sich an ein solches Ausmaß der Erwärmung freilich durch pro-aktive Strategien anpassen, meint das PIK. Jenseits der 2 Grad-Erwärmungsschwelle allerdings, „nimmt die Anpassungsfähigkeit von Gesellschaft und Ökosystemen rapide ab, mit einem wachsenden Risiko von sozialer Zerrüttung aufgrund von Effekten auf die Gesundheit, Wasserknappheit und Nahrungsmittelknappheit.“

Das PIK stellt weiter fest, dass neueste Beobachtungen zeigen, dass Gesellschaften und Ökosysteme hochgradig verwundbar sind selbst bei lediglich moderatem Klimawandel. Besonders gefährdet seien arme Länder und Gemeinschaften, Ökosystem-Dienstleistungen (also z.B. die Wasserversorgung) und die Biodiversität.

Das PIK ist unmissverständlich: „Ein Temperaturanstieg über 2 Grad Celsius wird für moderne Gesellschaften schwierig zu bewältigen sein, und er wird wahrscheinlich massive soziale und ökologische Verwerfungen für den Rest des Jahrhunderts und darüber hinaus nach sich ziehen.“

Das PIK analysiert weiter,

dass (1) katastrophale Klimawandeleffekte, wie sich nun zeige, bereits bei deutlich geringeren Levels des globalen Anstiegs der Durchschnittstemperatur auftreten [als bisher vermutet];

dass (2) eine 2 Grad-Celsius-Schwelle, von der man 2001 noch glaubte, sie könnte schwerwiegende Risiken vermeiden, nun als unzureichend angesehen wird, um schwerwiegende Risiken für viele einzigartige und bedrohte Ökosysteme abzuwenden und um einen großen Anstieg im Risiko zu verhindern, das mit extremen Wetterereignissen verbunden ist;

dass (3) das Risiko für großräumige Verwerfungen, so etwa das Überschreiten der  „Kipp-Punkte“ des globalen Klimasystems, das man bei einer 2 Grad-Erwärmung 2001 für sehr gering einschätzte, nunmehr als moderat eingestuft wird [bei Erreichen der 2 Grad-Schwelle].

(Anmerkung von mir: das Überschreiten dieser Kipp-Punkte bedeutet, das sich der Klimawandel auf nicht vorhersehbare Weise beschleunigt und noch größere negative Auswirkungen hat als in dem Fall, dass die Kipp-Punkte nicht überschritten werden. Zu den möglichen Auswirkungen zählen laut PIK u.a. ein Absterben des amazonischen Regenwaldes, ein Absterben des borealen Nadelwaldes, ein Abschmelzen des arktischen Eises.)

Das PIK hält fest: „In Summe beinhaltet ein Temperaturanstieg um 2 Grad Celsius gegenüber vor-industriellem Niveau, obwohl dieser der meist zitierte Schwellenwert um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden, bleibt, deutliche Risiken schädlicher Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt.“

(Nur noch einmal zur Klarstellung: Dies ist eine wörtliche Übersetzung aus dem Bericht.)

Man muss sich diese Folgen einer Erwärmung über 2 Grad Celsius vor Augen halten, um zu begreifen, was das PIK weiter konstatiert:

„…die CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre sind bereits auf einem Level, für das ein globaler Temperaturanstieg zwischen 2 und 2,4 Grad Celsius prognostiziert wird. Wenn die Gesellschaft die Treibhausgaskonzentrationen auf diesem Level stabilisieren will, dann müssten die globalen Emissionen, theoretisch, sofort um 60-80% reduziert werden, wobei das tatsächliche Ausmaß davon abhängt, wieviel die Ozeane und Landflächen aufnehmen. Angesichts des Umstands, dass eine solch dramatische sofortige Reduktion unmöglich ist, werden die Treibhausgaskonzentrationen im Verlauf der nächsten Jahrzehnte weiter steigen. Ein Überschreiten des Levels der atmosphärischen Treibhausgasemissionen, das eingehalten werden müsste, um die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu beschränken, ist daher unvermeidlich. Um das Ausmaß dieser Überschreitung zu limitieren, sollten die Emissionen in naher Zukunft ihren Gipfelpunkt erreichen.“

Man darf auf die Monstrosität des kapitalistisch fabrizierten Unheils, das darin benannt wird, noch einmal gesondert verweisen. Es scheint so, als wäre eine Katastrophe diesen Ausmaßes zu groß, um noch als eine solche wahrgenommen zu werden. Genauso wie die meisten Menschen – auch in der Grünpartei – die Augen davor verschließen, dass Klimaschutz nicht heißen kann, auf „Wachstum“ zu setzen (siehe zum Beispiel unser Buch „Die Grenzen des Kapitalismus“ für eine detaillierte Diskussion, auch der vermeintlichen Breiten-Alternative „Elektroauto“), schließen sie die Augen davor, dass ein paar miese „Arbeitsplätze“ bei Infineon oder sonstwo in der Autobranche nicht einmal in einem mikroskopischen Verhältnis zur Dimension der Probleme steht, die sie – die famosen „Arbeitsplätze“ – bereits verursacht haben.

Der einzig mögliche Realismus ist deshalb:

1) Autoindustrie stilllegen. Zumindest zu 90%.

2) Bedingungsloses Grundeinkommen einführen. Für Alle. Jetzt.

Wer dies für unrealistisch hält, wird mit einer Realität der Katastrophe leben müssen, die er und sie selbst mitzuverantworten hat. Und zwar nicht einmal, weil man eingetreten wäre für etwas Erstrebenswertes wie ein gutes Leben für Alle, oder für ein „Nach-mir-die-Sintflut“ in der Art von „lieber Genuss heute und dafür Leiden morgen“. Nein, sondern simpel und borniert für ein paar beschissene „Arbeitsplätze“, als wären wir in einem Gefängnis, das uns „beschäftigen“ muss.

Die lebensgefährliche Absurdität dieser Denke ist unüberbietbar. Kommende Generationen werden uns dafür verfluchen.

Noch aber ist der Ausgang dieser Auseinandersetzung, der die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte prägen wird, nicht entschieden. Es hängt davon ab, wie wir uns entscheiden.

Der zentrale Aspekt einer Alternative zur ständigen Verschärfung des globalen Klimawandels ist die Abschaffung des Kapitalismus. Dies kann nur durch den Ausbau von Gemeingütern, den Commons geschehen. Sie müssen die Basis einer neuen Produktions- und Verteilungsweise bilden, der Solidarischen Ökonomie.

Wiewohl das PIK keineswegs ein linksradikaler think tank ist, erkennt es die grundsätzliche Richtung der Herausforderung (Zitat aus der Pressemitteilung):

„Es zeigt sich, dass wir all unseren Erfindungsgeist für die klima-intelligente Weiterentwicklung existierender Strukturen brauchen, um den Klimawandel auf ein beherrschbares Maß zu begrenzen“, sagt Schellnhuber. Dennoch seien auch grundlegende gesellschaftliche Veränderungen notwendig.

So sei etwa das Muster der heutigen Landnutzung Ergebnis eines ziellosen historischen Prozesses. Globale Nachhaltigkeit wurde dabei nicht berücksichtigt, berichten Schellnhuber und Veronika Huber vom PIK in dem Report. Künftig werde die Landnutzung den Bedarf von rund neun Milliarden Menschen nach Nahrung und Pflanzenfasern, Energie, Infrastruktur und Naturschutz decken müssen – auf einer nicht erweiterbaren Fläche.

Analysen des PIK ergaben, dass zwölf Milliarden Menschen mit den Erträgen von Anbauflächen von weniger als einem Drittel des heutigen Gesamtausmaßes ernährt werden könnten, wenn an optimalen Standorten die best geeigneten Pflanzensorten angebaut würden und es keine Beschränkungen des Nahrungsmittelhandels durch Protektionismus gäbe. Möglich würde dies aber nur durch einen globalen Pakt, der die best geeigneten Flächen (siehe Abbildung) für die Landwirtschaft reserviert. Auf die gleiche Weise könnten tropische Regenwälder als Teil des globalen Allgemeinguts für den Naturschutz reserviert werden.

„Wenn die Menschheit aus der Geschichte lernen und die Bedrohungen [durch anthropogenen Klimawandel] begrenzen soll, ist es Zeit menschliche Aktivitäten stärker zu kontrollieren, die die grundsätzlichen Voraussetzungen für Leben auf der Erde verändern“, schreiben die Wissenschaftler im Abschlussbericht.

Man werfe einen Blick auf die Grafik, das PIK der Pressemitteilung beigibt: hier. Die Bildunterschrift lautet: Geeignete Regionen für die Nahrungsmittelproduktion nach heutigen landwirtschaftlichen Anbaumethoden. Die roten Ellipsen zeigen die optimalen Standorte an, die als ‚globale landwirtschaftliche Allgemeingüter‘ angesehen werden können.“

Die optimalen Standorte und die darauf verweisenden Ellipsen befinden sich in…

…Europa und Nordamerika.

Der Grundgedanke des PIK – abseits seiner Marktgläubigkeit, die in offenem Widerspruch zum Commons-Gedanken steht -, den ich für bemerkenswert halte und der unbedingt und sehr viel stärker diskutiert werden muss, ist, dass die landwirtschaftlichen Hauptproduktionsgebiete – und die liegen in Europa und Nordamerika – als globale Gemeingüter betrachtet und bewirtschaftet werden müssen.

Was heißt es, wenn diese Produktionsgebiete Gemeingüter sind?

Sehr simpel: sie sind nicht unser Privateigentum. Wir sind nicht deren Privateigentümer (selten -innen), sondern deren Sachwalterinnen und Sachwalter, Hüterinnen und Hüter. Wir sind dafür verantwortlich, nicht nur den Klimawandel, den in überwältigendem Ausmaß wir – im globalen Norden – verschulden, mit besten Kräften und durch Abschaffung des Kapitalismus zu begrenzen. Sondern wir sind auch dafür verantwortlich, die Ernährung jener zu sichern, die durch den Klimawandel unter Ertragseinbußen zu leiden haben. Dies wird vor allem Afrika, aber auch Lateinamerika und Asien betreffen. Aber auch die schon jetzt benachteiligten Gruppen im globalen Norden.

Der erste Schritt zu einem globalen Grundeinkommen ist, die landwirtschaftlichen Hauptproduktionsgebiete als das zu sehen, was sie sind: das gemeinsame Erbe der Menschheit, dessen Früchte wir auch weltweit verteilen müssen. Und zwar vorrangig an jene, die bereits jetzt hungern und an Hunger sterben, weil wir ihnen ihre Nahrungsgrundlage zerstören und ihr Recht auf das globale Gemeingut Ackerland vorenthalten.




Resümee: GAJ-Workshop zu Peak Oil & Klimawandel

Am 3. August hielt ich einen Workshop zum Thema „Peak Oil und Klimawandel. beim Sommercamp der Grün-Alternativen Jugend Steiermark/Oberösterreich/Vorarlberg, Schweiz und Deutschland.

Der Aufhänger des Sommercamps mit dem Titel „Wer bin ich, was bist Du?“ war eigentlich das Thema Identität. Am Abend des ersten Tages sprachen Brigitta Berger, Beatrice Achaleke und Mark Terkessidis. Ich kam etwas später an und verfolgte nur mehr die im Anschluss an ihre Inputs geführte Podiumsdebatte.

Auf die Frage, warum sich immer weniger migrantische Jugendliche in Parteien engagieren, antwortete Mark Terkessidis schmunzelnd und zugleich trocken: Nun ja, Jugendliche interessieren sich häufig nicht mehr für Parteien, weil… nun ja, man muss eine ganze Weile Speichellecken und so, damit man in einer Partei was machen kann, es ist ja so, sagen wir das ehrlich… und das wollen viele nicht.

(Mark Terkessidis hat übrigens zusammen mit Tom Holert das absolut augenöffnende Buch „Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert“ geschrieben: eine Top-Empfehlung.)

Mein Workshop war recht gut besucht. Den Leuten gefiel’s scheinbar nicht schlecht. Allerdings hatten sich offensichtlich einige oder sogar die Mehrheit weniger über den Klimawandel und Peak Oil, dafür mehr über Kapitalismuskritik und Alternativen gewünscht. Das war mir leider nicht klar gewesen, weshalb der Workshop die Alternativen viel zu wenig behandeln konnte.

Die Jugendlichen waren interessiert, kritisch. Allerdings zeigte sich auch eine große „Ungleichzeitigkeit“ im Denken. So entstand auf meine Feststellung, dass die Konsequenz aus dem Klimawandel und der Unfähigkeit des kapitalistischen Wachstumssystems, gegenzusteuern, nur die Stilllegung großer Teile der Autobranche und eine Abschaffung von Kapital und Lohnarbeit folgen kann, eine Debatte um die angebliche Notwendigkeit, weiterhin Autos zu produzieren.

Als Argumente wurden angeführt: man müsse ja die Fahrsicherheit von Autos zum Beispiel in Afrika verbessern (als Stichwort wurde der Airbag genannt); man müsse die Technologie der Autos verbessern. An einer anderen Stelle warf jemand ein, ob man denn nicht in der Antarktis leben könne…

Wie der grüne Klagenfurter Gemeinderat Julian Schmid richtig einwarf, ging diese Debatte an der Größe der Herausforderung sehr deutlich vorbei. Schade nur, dass schon junge Menschen sich geistig manchmal derart einkesseln… ich kann nur hoffen, dass wir gemeinsam Mut fassen, uns den wirklichen Aufgaben zu stellen ohne Rücksicht darauf, was als „normal“ oder „realistisch“ gilt. Denn realistisch ist nur mehr, den Kapitalismus abzuschaffen.

Die Powerpointfolien zum Artikel gibt es hier.

Zur Nachlese der Workshop-Abstract:

“Peak Oil und Kimawandel – Die Grenzen des fossilistischen Systems”

Abstract:

Der Kapitalismus entfaltete seine Logik des Wachstums und der
Konkurrenz auf Grundlage fossiler Stoffe. Inzwischen nähert sich die
Nutzung der fossilen Ressourcen einer zweifachen Grenze. Der Input wird durch die absehbare Verknappung von Erdöl, Erdgas und Kohle eingeschränkt, während der Output in Form von Treibhausgasen zu einer bedrohlichen Klimaveränderung führt. Dies wird die ökonomischen und sozialen Krisentendenzen der kapitalistischen Produktionsweise vorderhand verschärfen. Vor diesem Hintergrund gilt es, den Kapitalismus durch eine auf Gemeingütern basierende Solidarische Ökonomie zu überwinden. Der Workshop gibt dazu einen Diskussionsanstoß.”




Gesamtrisiko Kapitalismus? – Umweltbundesamt / Radio Ö1 im Risikodialog

Das österreichische Umweltbundesamt und Radio Ö1 organisieren einen „Risikodialog“ für ein „Science Event“ im Herbst im Wiener Radiokulturhaus. Andreas Exner von der Grüne/UG war zum ExpertInnen-Workshop eingeladen.

Lest hier den vollen Weblog-Eintrag inklusive Protokoll dazu.