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Grüne/UG unterstützt: Antifa-Großdemo am 8.Mai in Klagenfurt

Das Interregionale Forum der Europäischen Linken im Alpen-Adria-Raum, Mitgliedsparteien der Europäischen Linken, die Kärntner „Arbeitsgemeinschaft 8. Mai“ sowie Organisationen, Gruppen und Personen, die sich der Plattform „8. Mai 2010“ anschließen, werden am 8. Mai 2010 in Klagenfurt/Celovec anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus eine breite antifaschistische Demonstration mit Teilnehmenden aus Österreich, Italien und Slowenien, sowie Gästen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern veranstalten. Die Demonstration wird mit der Enthüllung eines „Sieben-Tage-Denkmals der Zehntausend“ abgeschlossen werden, als Erinnerung an die rund 10.000 Menschen – Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen, sowjetische Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, Euthanasie-, Gestapo-Opfer, SlowenInnen, Juden und Jüdinnen, Zeugen Jehovas, Roma und Sinti, Deserteure, Homosexuelle, politisch Verfolgte und andere –, die in Kärnten durch den Nationalsozialismus ihr Leben verloren haben. Am Tag zuvor, d. h. am 7. Mai, findet eine ganztätige Beratung zum Thema „Politik des Erinnerns – Politik für heute“ statt, bei dem nationale und internationale Aspekte der Erinnerungspolitik vor dem Hintergrund der tiefgreifenden sozialen Krise diskutiert und entsprechende weitere – Partei- und Staatsgrenzen überschreitende – Aktionsmöglichkeiten besprochen werden.

Vieles motiviert uns, diese Manifestation zu planen…

…weitere Infos hier.




Der Standard: "Kommunismus als einzige Lösung"

„Der Emissionshandel werde die Klimakatastrophe nicht abwenden können, sagten Wissenschaftler bei einer Wirtschaftsgeografie-Tagung in Salzburg – ein ‚radikaler Bruch‘ mit der freien Marktwirtschaft sei nötig“

Dem ist nichts hinzuzufügen (außer dass Kommunismus das ist, was er meint: kein Staat, kein Markt, keine Lohnarbeit, sondern ein Gemeinwesen basierend auf Gemeingütern).

Nachzulesen hier.




Die Presse: "Grundeinkommen macht nicht faul"

22.03.2010 | 18:38 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

In einem namibischen Dorf gibt es seit zwei Jahren ein bedingungsloses
Grundeinkommen. Projektsprecher Herbert Jauch erklärt im Interview mit der „Presse“, warum jetzt mehr Leute arbeiten.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/548050/index.do

Anmerkung A.E.: in unserem Sammelband „Grundeinkommen. Soziale Sicherheit ohne Arbeit“ wurde 2007 ein Text von Claudia und Dirk Haarmann veröffentlicht, die detailliert die Machbarkeit und Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens in Namibia darstellen (auch ein Text von COSATU-Funktionär Neil Coleman, Südafrika, findet sich darin). Wenn semiperiphere und periphere Staaten ein Grundeinkommen offensichtlich einführen könnten, dann kann das in Österreich keine Frage der Machbarkeit sein. In Südafrika empfahl dies sogar eine von der Regierung eingesetzte Kommission (die Regierung zog daraufhin ihre Sympathien für das Grundeinkommen zurück). Dass Gewerkschaften zu den aktivsten Befürworterinnen eines bedingungslosen Grundeinkommens in Namibia und Südafrika gehören, wirft ein beschämendes Licht auf die hiesigen so genannten (!) Interessensvertretungen der Erwerbstätigen.




Bernd Röttger: “Konversion von Branchen. ‘Alternative Produktion’ als Krisenpolitik: Strategieprobleme wirtschaftlichen Pfadwechsels”. PPP im Rahmen des Projekts “Powerdown”

Bernd Röttger hielt einen Vortrag zu „Konversion“ beim Dialogforum „Peak Oil und Wirtschaft“ in St.Georgen am Längsee, 8./9.März 2010, das im Rahmen des Klima- und Energiefonds-Projekts „Powerdown“ abgehalten worden ist.

Hier gibt es seine Präsentation auf Slide Share.

Nachdem ich bei „Powerdown“ als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bereich Peak Oil & Wirtschaft engagiert bin, war es mir ein Anliegen, eine alternative gewerkschaftliche Sicht auf die ökologische und ökonomische Krise einzubringen. Dafür war Bernd Röttger, der in der gewerkschaftsnahen Forschung tätig ist, der geeignete Vortragende. Er ist einer der ganz wenigen, die sich systematisch mit Konversion auseinandersetzen. Von der Rosa Luxemburg-Stiftung dazu eingeladen, hat Bernd Röttger eine sehr interessante Analyse der historischen Erfahrungen von Konversion – also des selbstbestimmten Umbaus von Betrieben durch die Belegschaften – erarbeitet.

Sie ist ebenso nüchtern-ernüchternd wie interessant. Keine der Konversionserfahrungen war ein Erfolg. Zugleich zeigen sie damit einige wichtige Erkenntnisse für den anstehenden ökologischen Umbau, der ein Erfolg werden muss, soll die Krise nicht im Desaster enden (was ja leider alles andere als ausgeschlossen ist). Kurz aus meiner Sicht zusammengefasst sind dies die Punkte:

1) eine unabhängige soziale Bewegung ist essenziell um in den Betrieben Selbstorganisation anzuregen und inhaltlich voranzutreiben

2) die institutionalisierten Gewerkschaften dürfen Selbstorganisation nicht okkupieren oder durch „Parallelunternehmen“ unterminieren, sondern müssen sie unterstützen und gewähren lassen

3) das Problem der Etablierung von s0lidarischen (nicht-kapitalistischen) Produktionsketten und -netzen konvertierender Betriebe ist zentral; wenn Genossenschaften oder „Konversionsbetriebe“ lediglich weiter wie bisher für den Markt produzieren ist keine Perspektive damit verbunden

4) ohne „Klassenkampf“ (Konfrontation mit dem Management) ist Konversion nicht denkbar.

Die IG Metall, die „Linke“, die Rosa Luxemburg Stiftung sowie mehrere zivilgesellschaftliche Gruppen in Deutschland sind sehr stark dran an dem Thema, es sind mindestens zwei größere Veranstaltungen dazu noch in diesem Jahr geplant. Mögen auch die österreichischen Gewerkschaften aus ihrem Winterschlaf erwachen.




AUGE/UG-Beitrag: "Antikapitalismus mit 2 Beinen. Solidarische Ökonomie und Grundeinkommen"

Text aus der Zeitschrift der AUGE/UG, die Alternative, S.24 – Download hier.

Das Recht auf Leben ist bedingungslos, also auch das Recht auf „Lebensmittel“: Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Menschenrecht. Es stärkt gewerkschaftliche Kämpfe und sichert individuelle Freiheit. Wie aus dem Grundeinkommen auch eine tragfähige gesellschaftliche Perspektive wird, dazu im Folgenden.

von Andreas Exner

Das Kapital ist seit 2008 in einer fundamentalen Krise. Die Auswirkungen von Konjunkturpaketen, staatlichen Bankgarantien und erneuten Anlegerillusionen „arbeitslosen Reichtums“ an den Börsen werden rasch verblassen. Die Inflation des „fiktiven Kapitals“ der Börsen ist nicht gestoppt. Sie hat sich nur auf den Staat verschoben. Und damit direkt auf die Lohnabhängigen. Staatsbankrott ist nur eine der Gefahren, die nun an die Stelle der „Kernschmelze“ des Finanzsystems getreten sind.

Sozialpolitik in der Krise

Die Krise hat eine Vorgeschichte, die bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Das Wachstumsmodell der Nachkriegszeit, das heute viele nostalgisch als Zeit der „Vollbeschäftigung“ verklären und glauben, man könne es mit ausreichend „politischem Willen“ wiederherstellen, scheiterte damals an einer Reihe von Faktoren: Steigende Kapitalkosten, der Widerstand der Arbeiter_innen und sinkende Produktivitätszuwächse führten zu einem Fall der Profit- und Wachstumsraten des Kapitals.

Dieses ging deshalb ab dem Ende der 1970er Jahre zu einer Gegenoffensive über: dem Neoliberalismus. Die Profitraten erholten sich durch eine Verdichtung der Arbeit, Sozialabbau, stagnierende Reallöhne und eine Verbilligung der Rohstoff- und Energiepreise. Dazu kam ein neues, instabiles „Wachstumsmodell“ des Vermögensbesitzes: die Reichen konnten sich mühelos noch reicher rechnen – auf den liberalisierten Finanzmärkten.

Dieses System musste früher oder später kollabieren. Wenn die Ansprüche auf Mehrwert, die an den Finanzmärkten in Form von Wertpapieren gehandelt werden, das Gesamtvolumen des Mehrwerts übersteigen, wird das System prekär. Kommen Anleger zum Schluss, dass sie ihre Ansprüche nicht mehr in Geld flüssig machen können, verkaufen sie aus Angst vor Verlusten und in der Hoffnung, ihre Gewinnerwartungen in Bares umsetzen zu können. Machen das viele Anleger zugleich, setzt eine Panik ein. Alle wollen verkaufen, die Kurse der Wertpapiere fallen. Die überzähligen Ansprüche auf Mehrwert werden vernichtet. Eine umfassende Krise setzt ein: Unternehmen bankrottieren, Kredite werden verknappt.

Schließlich beißen Massen von Lohnabhängigen ins Gras. Die einzige Möglichkeit für das Kapital, seine Profitrate wiederherzustellen besteht dann darin, die Löhne noch stärker nach unten zu drücken, Sozialleistungen weiter abzubauen und überschüssige Kapazitäten zu vernichten. Vollbeschäftigung durch Staatsverschuldung zu finanzieren war schon in den letzten dreißig Jahren nicht erfolgreich. Nun ist das vollends illusionär.

Bezahlte und unbezahlte Arbeit

Mehrwert fällt nicht vom Himmel. Nur unter der Herrschaft des Kapitals nimmt der Überschuss an Produkten, den Menschen erzeugen, die Form von abstraktem Wert, von Geldgewinn, von Mehrwert an. Zur fortwährenden Produktion dieses Überschusses müssen Menschen gezwungen werden: sie müssen mehr arbeiten als sie arbeiten müssten um ihren Lebensunterhalt zu produzieren. Mehrwert wird nur durch Arbeit geschaffen – unbezahlte Arbeit, wohlgemerkt. Wären die Löhne gleich dem Gesamtwert der Produkte, wäre also alle Arbeit bezahlt, die unter dem Regiment des Kapitals getan wird (d.h. exklusive Hausarbeit etc.), so gäbe es keinen Gewinn.

Das Kapital ist kein Ding und nicht bloß Geld, sondern die Zwangsbeziehung zwischen zwei Klassen von Menschen: Lohnabhängigen und den Besitzern von Produktionsmitteln. Das Kapital ist somit nichts anderes als die andere Seite der Lohnarbeit – Menschen, die keine Produktionsmitteln besitzen, müssen ihre Fähigkeiten auf einem Arbeitsmarkt verkaufen. Die Besitzer von Produktionsmitteln kaufen diese Ware, um aus ihrer Nutzung Gewinn zu ziehen.

Das Kapital beruht freilich nicht nur auf der Lohnarbeit und ihrer Ausbeutung. Diese selbst basiert auf vielen Formen von Arbeit, die allesamt unbezahlt sind und unsichtbar gemacht werden: Hausarbeit, Arbeit von Schüler_innen und Studierenden, Ehrenamt – ja, alle Leistungen, die freiwillig und in Eigenmotivation erbracht werden. Und dazu gehört auch ein großer Teil der Lohnarbeit. Deshalb ist „Dienst nach Vorschrift“ ja eine Kampfmaßnahme.

Darüber hinaus beruhen das Kapital und sein Ausbeutungssystem auf der unbezahlten Leistung der vergangenen Generationen: dem gesamten akkumulierten Wissen, den gesellschaftlichen Fähigkeiten und Strukturen, die unbezahlt geschaffen wurden und täglich neu erzeugt und weiterentwickelt werden. Viele dieser Leistungen sind grundsätzlich nicht bezahlbar, selbst wenn man das wollte, weil überhaupt nicht einem Individuum zuzurechen oder gar zu quantifizieren. Mit zunehmenden Maschineneinsatz wird das akkumulierte Wissen die „eigentliche Produktivkraft“ – es ist unmöglich, die maschinell verstärkte kooperative Kraft der Lohnabhängigen in irgendeinen Geldwert oder „Lohn“ zu pressen.

Die Erpressungsmacht des Kapitals

Historisch ist eindeutig: Menschen machen sich dann zu „Lohnsklaven“, wenn sie keine andere Lebensmöglichkeit mehr haben. Diesen Zustand schaffte blutige Enteignung. Überall dort, wo Menschen mehr lohnarbeiten sollen als sie selbst dies wollen oder überhaupt erst auf einen Arbeitsmarkt gezwungen werden, muss man ihnen zuerst einmal wegnehmen, was ihnen ein Leben ohne oder mit wenig Lohnarbeit möglich macht: kostenlose staatliche Leistungen, ausreichende Arbeitslosenunterstützung, Subsistenzmöglichkeiten, Gemeineigentum, öffentliche Güter. Dies bewerkstelligt die Staatsgewalt.

Nicht umsonst sprach Marx von der „industriellen Reservearmee“ als Voraussetzung für kapitalistische Produktion: Menschen, die keine andere Möglichkeit als Lohnarbeit haben, um sich einigermaßen am Leben zu halten, aber nicht beschäftigt sind und deshalb Druck auf alle ausüben, sich dem Kapital (zu miesen Bedingungen) zu verkaufen. Überall dort, wo der Zwang zur Lohnarbeit gelockert wird und Lohnarbeitslosigkeit ihren Stachel verliert, verliert das Kapital deshalb auch seine absolute Durchsetzungsmacht.

Aus Sicht einer emanzipatorisch orientierten Gewerkschaft, die Freiheit erweitern will anstatt ein „anderes Management“ zu spielen, muss es daher zuerst darum gehen, Lohnarbeit zurückzudrängen. Lohnabhängige sind Kapitalabhängige, Antikapitalismus ist Kampf gegen die Lohnarbeit und der Aufbau einer Alternative.

Vollbeschäftigung? Nein Danke!

Die aktuelle Krise reicht über die Vernichtung der überzogenen Ansprüche auf Mehrwert weit hinaus. Hinzu treten eine Klima- und Energiekrise in beispielloser Dimension. Auch aus diesem Grund ist eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung ein Halluzinationsprogramm. Dies kann auch Arbeitszeitverkürzung – so wichtig sie als solche ist – nicht leisten. Verkürzte Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ist keine Option; mit Lohnausgleich verschärft sie jedoch den Druck auf das Kapital und untergräbt sich als Beschäftigungsstrategie folglich selbst.

Dazu kommt, dass viele Branchen aus ökologischen Gründen drastisch einzuschränken oder stillzulegen sind: die Autoindustrie, ihre Zulieferer, weite Teile des Marketings, der Infrastrukturbranchen (Straßenbau etc.), große Teile der chemischen Industrie, alle damit befassten Finanzinstitutionen und so fort.

Wer angesichts dieser Herausforderung nach dem Staat ruft, wiederholt nur die realsozialistische Illusion. Der Staat ist kein neutrales Instrument, um Produktion vernünftig zu planen, sondern er hängt von Kapitalverwertung ab, weil er daraus seine Steuermittel gewinnt. Er ist strukturell kapitalabhängig. In einer Gesellschaft, in der Menschen bewusst über ihre Produktion bestimmen, gibt es zwar Institutionen, die dies regeln, jedoch keinen abgespaltenen Herrschaftsapparat namens Staat.

Grundeinkommen und Solidarische Ökonomie

Eine Strategie, die den Kampf gegen die Lohnarbeit mit unmittelbaren Verbesserungen und dem Aufbau einer Solidarischen Ökonomie zusammenführt, ist daher das Gebot der Stunde. Dabei ist zu beachten, dass nur ein Teil der existierenden Betriebe in Selbstverwaltung zu überführen sind. Wie gesagt: Ein Großteil ist schlicht stillzulegen. Das ist ein wichtiger Grund, weshalb Sozialleistungen von Lohnarbeit entkoppelt werden müssen. Andernfalls ist eine Lockerung der Fixierung auf den Erhalt der bestehenden Arbeitsplätze unmöglich.

Dabei ist klar, dass vorderhand weiterhin eine Geldwirtschaft existiert. Zwar muss die Priorität sein, Infrastrukturen wie Ressourcen kostenlos zugänglich zu machen und Verkaufsbeziehungen soweit wie möglich zurückzudrängen. Dennoch braucht es ein „Übergangsprogramm“, um den Aufbau einer Solidarischen Ökonomie zu vollziehen. Hier setzt das Grundeinkommen an.

Als eine bedingungslose, individuelle Geldzahlung über der Armutsgefährdungsschwelle, die das Menschenrecht auf Leben realisiert, ist es zugleich die einzige bedarfsorientierte Geldleistung. Sie wird allen ausbezahlt und jenen wieder weggesteuert, die über ausreichende Einkommen verfügen. Dies geschieht progressiv, unterbindet also nicht den „Anreiz“, einer Lohnarbeit nachzugehen, wie herkömmliche Sozialhilfe und Arbeitslosengeld.

Ein Grundeinkommen ist keine Subvention für den Niedriglohnsektor. Ganz im Gegenteil stärkt es gewerkschaftliche Arbeitskämpfe, sodass Arbeit zu miesen Bedingungen abgelehnt werden kann. Der solidarisierende Kampf gegen die Lohnarbeit und Schritte zur praktischen Entkoppelung von Auskommen und Einkommen können die Defensive der Gewerkschaften, die sich vor dem Hintergrund der hohen strukturellen Arbeitslosigkeit seit den 1980er Jahren immer weiter verschärft, überwinden.

Die fundamentale Krise des Kapitals macht jede Strategie, die entweder auf einen „neuen Aufschwung“ hofft wie der „Green New Deal“ oder aber das Unding eines „nicht-wachsenden Kapitalismus“ anzielt, unbrauchbar. Vonnöten ist vielmehr ein „Übergangsprogramm“, das dem Umbau von Produktion und Verteilung zu einer Gesellschaft der Gemeingüter Orientierung gibt. Die Würde von Erwerbslosen, die sich in Geiselhaft von Gewerkschaften befinden, die sie als Argument für „Vollbeschäftigung“ benutzen, würde im Kampf um ein Grundeinkommen endlich respektiert. Staatsbürokratie, die sich erfrecht, „finanzierungswürdige“ Aktivitäten zu definieren und dem aus der Sicht des Kapitals „unwürdigen“ (weil nicht verwertbaren) Lebenswandel eine „aktivierende Arbeitsmarktpolitik“ als neoliberales Umerziehungsprogramm entgegenstellt, wäre mit einem Grundeinkommen praktisch aufzubrechen.

Das Grundeinkommen ist jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss. Es ist in mittlerer Sicht zu einem Grundauskommen zu transformieren. Als eine Geldleistung ist es zu überwinden. In einer Gesellschaft, in der blinde Marktbeziehungen durch bewusste Kooperation ersetzt werden, muss die Bedeutung von Verkaufsbeziehungen zurückgehen. Der Arbeits- und Warenmarkt verschwindet zugleich mit dem Kapital und der Geldwirtschaft.

Die Überwindung des Patriarchats

Eine Solidarische Ökonomie muss die patriarchale Spaltung zwischen „wichtiger“ und „unwichtiger“ Arbeit praktisch überwinden. Vorstellungen, man könne das Patriarchat und seine geschlechtliche Arbeitsteilung durch eine „Aufteilung von Hausarbeit“ angreifen oder eine Gleichbezahlung von Frauen und Männern, sind dem Problem so wenig angemessen als wollte man die Kapitalherrschaft durch ein wenig „Mitbestimmung“ überwinden.

Das Patriarchat besteht ja gerade darin, dass bestimmte Eigenschaften, Tätigkeiten und „Sphären“ strukturell als unwichtig definiert und diskriminiert werden, weil sie der Verkaufsbeziehung und der Marktkonkurrenz nicht entsprechen. Die angeblich „weiblichen“ Tätigkeiten und Verhaltensweisen werden zwar strukturell den „Frauen“ zugeschrieben. Das heißt aber nicht, dass das Patriarchat nicht auch die „Männer“ prägt und unterdrückt. (Wie ja auch die Kapitalisten keinesfalls als Richtlinie eines „guten Lebens“ dienen können. Befreiung ist nicht teilbar.) Eine wirkliche Kritik des Patriarchats heißt nicht, das „Weibliche“ und das „Männliche“ bestehen zu lassen und ein wenig „Umverteilung“ zu spielen. Sie muss die Zwangsdefinition von „weiblich“ und „männlich“ in Frage stellen.

Die Idee der „Aufteilung der Hausarbeit“ greift aber noch aus einem anderen Grund viel zu kurz. Die Trennung der Gesellschaft in „Betriebe“ einerseits und „Haushalte“ andererseits ist ja gerade innerer Kern und Resultat des Patriarchats. Solange Produktion für einen Markt und von Mehrwert (Profit) das Ziel sind, muss eine Sphäre ausgekoppelt werden, in der die Arbeitskraft für das Kapital wiederhergestellt wird, Kinder gezeugt und erzogen werden etc.: durch die „Liebe der Frau“ oder, neuerdings, Migrantinnen aus dem Süden. Markt und Kapital können für sich nicht bestehen. Sie brauchen ein „Anderes“, das notwendigerweise eine untergeordnete Rolle spielt, obwohl und weil es die Basis für Markt und Kapital ist.

Um diesen Tiefenkern des Patriarchats abzuschmelzen, müssen die Zentralität des Marktes und der Lohnarbeit praktisch überwunden werden. Das geschieht weder durch eine „Umverteilung von Arbeit“ – Geschirrabwaschen, Ausdruck von Weichheit, unverzweckte Betätigung und Lust etc. werden immer „unwichtig“ und diskriminiert bleiben, egal ob dies nun biologischen Frauen oder Männern sozial eingeschrieben wird. Noch geschieht es automatisch in einer Solidarischen Ökonomie, wenn sie die kapitalistische Form des „Betriebs“ – egal ob selbstverwaltet oder nicht – weiter von der „Haushaltssphäre“ (dem Geschirrabwaschen, dem Unverzweckten, der Lust etc.) abspaltet.

Das Grundeinkommen bricht parziell den Marktzwang und die Definitionsmacht des Kapitals und damit der Lohnarbeit darüber, was „wichtig“ und was „unwichtig“ ist, auf. Und es baut der realsozialistischen Falle vor, per Parteidekret oder politischem Gremium entscheiden zu wollen, was denn nun „gesellschaftlich nützlich“ und was „Privatvergnügen“ sei.

Der Weg entsteht beim Gehen

Das Grundeinkommen, und in weiterer Folge ein Grundauskommen erlauben es also, sich parziell vom Patriarchat und dem Marktzwang zu entkoppeln. Je weiter die Entkoppelung fortschreitet, desto mehr untergräbt diese Entwicklung aber klarerweise auch die Basis der Geldleistung „Grundeinkommen“: das Kapital selbst. Dies war die Strategie der radikalen italienischen Arbeiter_innenbewegung, die in den 1970er Jahren mit der Forderung eines „politischen Lohns“ (Grundeinkommens) das Kapital in die Enge treiben wollte (und an der staatlichen Repression und den angepassten Gewerkschaften scheiterte).

Solange überhaupt Kapital akkumuliert und ein Markt besteht, ist auch eine Finanzbasis für das Grundeinkommen gegeben. Es muss zudem nicht auf einen Schlag eingeführt werden, sondern sollte bei der Abschaffung aller Kontrollen des Arbeitslosengeldes beginnen. Dies ist ein realpolitisch umsetzbares Ziel. Wenn es scheitert, dann an Machtbedürfnis, Kapitalkonformität und Staatshörigkeit politischer Funktionäre oder an der internalisierten Unterwerfung der Lohnabhängigen. Diese, das zeigen Umfragen, sind oft mehrheitlich für ein Grundeinkommen, meinen aber zugleich, „die Anderen“ würden es „missbrauchen“. Einmal davon abgesehen, dass hier unklar ist, wie ein Grundeinkommen „missbraucht“ werden sollte, ist eine solche Haltung leicht als Projektion des eigenen, uneingestandenen Hasses auf Lohnarbeit und Herrschaft auf die „Arbeitsscheuen“ und „Asozialen“ zu entziffern: das Grundmuster rechter Ideologie.

Wer meint, ein Grundeinkommen würde planvolle gesellschaftliche Produktion verunmöglichen, sagt genau das: Herrschaft ist naturnotwendig und kann nicht überwunden werden. Das ist rechte Ideologie, keine linke Position. Tatsächlich steckt auch ein verqueres Bild des Menschen und von Tätigkeit dahinter. So als würde kein Geschirr abgewaschen, würden keine Kinder aufgezogen, würde kein Ehrenamt ausgeübt, würde nicht unbezahlte Kreativität und Motivation selbst in der Lohnarbeit die treibende Kraft darstellen, nur weil all das nicht bezahlt und von anderen Menschen erzwungen ist. Tatsächlich reagieren Menschen auf Notwendigkeiten, die sie erkennen, indem sie Probleme eigenständig und kooperativ lösen. Sie werden tätig, weil das ihr Menschsein ausmacht (und sie anders keine biologische Evolution hätten vollziehen können) – eine Alltagsrealität, selbst im Kapitalismus. Die Ideologie der Kapitalherrschaft freilich ist eine andere.

Das Grundeinkommen ist jetzt – im Unterschied zu den Kämpfen der 1970er Jahre – mit einer erweiterten Perspektive und zugleich mit dem Aufbau einer Solidarischen Ökonomie der Selbstverwaltung und der zwischenbetrieblichen Kooperation wiederaufzunehmen.

Die Solidarische Ökonomie alleine hat nicht unbedingt eine befreiende Wirkung. Unter Marktbedingungen verschärft sie zumeist den Arbeitszwang zur Selbstausbeutung. Eine „vollständige“ Solidarische Ökonomie ohne bedingungslose soziale Sicherheit kann leicht in Repression durch Gruppendruck und eine Fixierung in einzelne Projekte, Betriebe, Zusammenhänge münden. Es muss etwas hinzutreten, das wirkliche Freiheit schafft, Kreativität ermöglicht, und den Wechsel zwischen Zusammenhängen problemlos erlaubt.

Es sollte klar geworden sein, dass das Grundeinkommen kein fertiges Programm der Zukunft, sondern eine unmittelbare Notwendigkeit darstellt. Es geht nicht um das Wolkenkuckucksheim von „Finanzierungsmodellen“. Das gute Leben und das Ende des Kapitals sind nicht „finanzierbar“. Vielmehr geht es um gesellschaftliche Kämpfe, die Lohn- und Kapitalabhängigkeit parziell zurückdrängen und Freiräume für eine Solidarische Ökonomie aufmachen. Vollbeschäftigung ist Gefängnisjargon. Und von gestern.

Dabei ist keineswegs gesagt, dass Menschen, die einander ein Grundeinkommen zur Verfügung stellen und gegen Staat und Kapital erkämpfen, sich so verhalten werden, wie das Gewerkschaftseliten, Linksintellektuelle oder „moralische Instanzen“ gerne hätten. Befreiung ist – das sollte man aus der Geschichte gelernt haben – nicht zu verordnen. Wir können nur die Bedingungen ihrer Möglichkeit begünstigen. Das aber wäre schon ziemlich viel.

Lesetip: Exner/Rätz/Zenker (Hg.): „Grundeinkommen. Soziale Sicherheit ohne Arbeit“, Deuticke, 2007

Andreas Exner ist parteifreier AK-Rat der AUGE/UG in Kärnten (die Liste trägt dort den Namen Grüne/UG). Das Grundeinkommen war eine unserer Forderungen im Kärntner AK-Wahlkampf.




Grüne und Grundeinkommen: Erfahrung einer Debatte

Es ist schon Abend, als ich mein Zimmer im Gasthof  „Steirerland“ verlasse um nach unten zu gehen und zu sehen, ob mein Gastgeber schon eingetroffen ist. Vom Gang aus höre ich drei Leute reden, Thema: Grundeinkommen. Rupert Rauch von der Grünen Wirtschaft sitzt mit Wirt und einem Gast zusammen. Er vertritt das Grundeinkommen. Der Wirt meint zu mir gewandt, leicht skeptisch: „Na, Herr Magister, wia is des jetzt mit den Grundeinkommen, sogns ma des in drei Sätze, so afoch wie meglich“ – Ich: „Das ist eine bedingungslose Geldleistung, die alle von uns erhalten und die für ein bescheidenes gutes Leben ausreicht“. Der Wirt schaut etwas verduzt. So einfach hat er sich das womöglich doch nicht vorgestellt.

Auch der Gast ist skeptisch: „So gaunz überzeugt mi deis net“. Rupert Rauch verteidigt die Idee: Arbeit würde wieder leistbar. Ich ergänze: „Das Grundeinkommen ist nicht zuletzt auch eine soziale Sicherheit für Unternehmer.“ Dieses Argument regt die Gewerbetreibenden zum Nachdenken an. Jedenfalls drängt es niemanden mehr, weiterzudebattieren und wir müssen auch schon los zum Ort der Veranstaltung. Die Grüne Wirtschaft hat mich nämlich zu einer Debatte um das Grundeinkommen in Mureck eingeladen.

Wir fahren ans andere Ende des Orts, zu einem geräumigen Wirtshaus. Im Vorraum sitzen jene, die partout nicht vom Rauchen lassen wollen. Man begrüßt einander. „Und wo kommen sie her?“ – frage ich den Mann gegenüber. „Ich bin der Bürgermeister“, sagt er lachend. Josef Galler ist ein freundlicher Mensch. Es kann wohl nur den guten sozialen Beziehungen im Ort geschuldet sein, dass der ÖVP-Bürgermeister sich auf ein Gespräch zum Grundeinkommen, das die Grüne Wirtschaft – wohlgemerkt drei Tage vor der Gemeinderatswahl in der Steiermark – veranstaltet, einlässt. Er sei ja als Privatperson hier, nicht als Bürgermeister, meint er. Und bleibt im Publikum – sowohl interessiert als auch informiert, wie sich zeigt.

Rupert Rauch wollte zwei Kurzfilme der Schweizer Initiative Grundeinkommen zeigen. Da die Technik nicht ihren Beitrag dazu leisten will, stelle ich das Grundeinkommen in einem Referat kurz vor: eine bedingungslose, individuell an alle dauerhaft in einem politischen Gemeinwesen (z.B. Österreich) wohnhaften Menschen ausbezahlte Geldleistung, in existenz- und teilhabesichernder Höhe. Laut Netzwerk Grundeinkommen Österreich also ca. 900 Euro pro Person und Monat, 12 Mal im Jahr.

Das Grundeinkommen will ein „in Freiheit tätig sein“ ermöglichen.

Was dafür spricht: Einiges.

Zuerst einmal das Recht auf Leben, das bedingungslos gilt und – will es nicht bloße Phrase sein – ein bedingungsloses Recht auf Lebensmittel impliziert.

Weiters die Veränderung der Arbeitsverhältnisse. Von Vollbeschäftigung träumt schon fast niemand mehr, und auch die verbleibende Erwerbsarbeit hat sich grundlegend gewandelt: sie wird immer prekärer, verschiedene Arbeitsformen durchdringen einander, Projektarbeit, Teilzeitarbeit, Phasen der Erwerbslosigkeit, ab und an ein Vollzeitjob, der vielleicht nach 3 Jahren wieder ausläuft etc.

Drittens die immer weitergehende Verflechtung von „Beruf“, „Weiterbildung“ und „Freizeit“, die derzeit vielfach als Stress erfahren wird. Sie könnte aber als Quelle selbstbestimmter Selbstentfaltung genutzt werden, wenn ein Grundenkommen dafür den Freiraum schafft.

Viertens die Tatsache, dass bezahlte Arbeit nur die Spitze einer ganzen „Arbeitspyramide“ unbezahlter Tätigkeiten darstellt: Schülerinnen und Schüler, Studierende leisten Arbeit für die Gesellschaft, die nicht abgegolten wird (auch nicht durch spätere Jobs), Erziehungsarbeit, Arbeiten im Haushalt, Ehrenamt und freiwilliges Engagement zählen ebenso dazu wie die Momente selbstmotivierten Engagements in der Erwerbsarbeit – „Dienst nach Vorschrift“ ist bekanntlich eine Drohung. All diese Tätigkeiten und Arbeitsmomente sind für die Gesellschaft überlebenswichtig, werden aber nicht nur ignoriert, sondern auch in keiner Weise honoriert – selbst im Bereich der Erwerbsarbeit nicht.

Fünftens spricht für ein Grundeinkommen die Tatsache, dass die Produktivität einer modernen Wirtschaft längst nicht mehr von „individueller Leistung“ abhängt, sondern von der maschinell verstärkten Kooperation, sozialen Netzwerken und der Leistung vergangener Generationen und – nicht zu vergessen – den unbezahlten „Leistungen“ der Natur. Niemand kann mit Fug und Recht diese Produktionsgrundlagen ganz einfach privatisieren – wenn das Unternehmen tun, so müssen sie dies der Gesellschaft abgelten: mit einem Grundeinkommen.

Sechstens müssen wir Auswege aus dem Wachstumszwang und -drang der kapitalistischen Wirtschaft finden. Dies wird nur gelingen, wenn wir soziale Sicherheit und Teilhabe von Produktivitätssteigerungen und „Output“ entkoppeln: das realisiert ein Grundeinkommen.

Dies sind sechs Gründe warum ein Grundeinkommen nötig ist. Möglich ist es, weil die Produktivität der Wirtschaft dafür völlig ausreicht. Man muss nicht einmal den (verfänglichen) Spruch von „Es ist genug Geld für alle da“ bemühen, um (inhaltlich zutreffender) zu erkennen, dass eine sichere soziale Basis für alle mitnichten an der Produktivität der Arbeit scheitert.

Der Umstand, dass gerade in peripheren und semipheripheren Staaten (Namibia, Südafrika, Brasilien, Mongolei) das Grundeinkommen ernsthaft diskutiert (und in Namibia als kommunales Experiment realisiert) wird, sollte ausreichen um zu zeigen, wie absurd der kritische Standpunkt der Gewerkschaften (und des Kapitals) in den reichen Ländern dieser Erde ist.

Die Diskussion in Mureck drehte sich nachfolgend um verschiedene Themen. Dem Argument, dass nach Einführung eines Grundeinkommens ja niemand mehr die unattraktiven Arbeiten verrichten würde, wurde gekontert, dass diese dann eben besser entlohnt werden müssten – was übrigens die derzeitige absurde Hierarchie der Arbeiten, wonach die unattraktiven weit geringer entlohnt werden als die attraktiven, richtig stellen würde. Dem Argument, ein Grundeinkommen müsste durch eine Umverteilung von oben nach unten finanziert werden, was aber den „Standort Österreich“ negativ beträfe, hielt ich entgegen, diese Argumentation sei schlicht katastrophal (wie nicht zuletzt die Klimapolitik uns zeigt). Man müsse erste Schritte nach vorne setzen und dann sehen, was dies wirklich an Veränderungen auslöst.

Würde sich nach Einführung eines Grundeinkommens gesellschaftlich nichts ändern, so wäre das Grundeinkommen schlicht sinnlos. Es soll ja gerade Selbstbestimmung ermöglichen und was die Menschen dann tun, weiß niemand im voraus: ob Leute sich gewerkschaftlich organisieren und ihre gestiegene Verhandlungsmacht für höhere Löhne nutzen ist ebensowenig vorherbestimmt wie die andere Möglichkeit: dass Billiglöhne vermehrt in Kauf genommen werden. Ebenso im Bereich der Haushalts- und Erziehungsarbeit: ob Frauen mit ihrer gesellschaftlichen Rolle dann versöhnt würden und erst recht daheim bleiben oder ob sie – wie die historischen Grundeinkommensexperimente in den USA anhand gestiegender Scheidungsraten zeigten – Heim, Haus und Herd erst Recht Adieu sagen, hängt von den Frauen ab und ihren Kämpfen.

Wer Selbstbestimmung ernst nimmt, wird akzeptieren müssen, dass die Leute damit das machen werden, was sie machen wollen. Und nicht unbedingt das, was uns – als Funktionär_innen, Intellektuellen etc. – am Besten in den Kram passt.

Freiheit ist eben nicht zu erzwingen. Nur ihre Voraussetzungen können wir verbessern, und das Grundeinkommen ist ein guter Schritt dorthin.

Auf Nachfrage von Rupert Rauch stellte ich die Unterschiede zu herkömmlichen Sozialleistungen und vor allem zur geplanten Mindestsicherung heraus, wie sie auch die Grünen vertreten. Diese ist eine unzureichende Reparaturmaßnahme am herkömmlichen Sozialsystem, der es nicht um Teilhabe geht, sondern um eine notdürftige Ausbesserung von Schwächen des sozialen Netzes – und nicht einmal das gelingt ihr in der derzeitigen Fassung. Kleinunternehmer_innen werden ebenso wenig inkludiert wie die unbezahlte Arbeit in ihrer mannigfachen Ausprägung honoriert wird. Keinesfalls geht es der Mindestsicherung um einen gesellschaftlichen Richtungswechsel hin zu einem ökologisch und sozial verträglichen System – ganz anders als dem Grundeinkommen, das eine „Richtungsforderung“ hin zu einer neuen Art von Gesellschaft darstellt. Davon abgesehen ist die Mindestsicherung mit Willkür und bürokratischer Herrschaft verbunden – das Grundeinkommen dagegen wirkt, gerade weil es bedingungslos ist, bedarfsorientiert (alle die es brauchen erhalten es ausnahmslos, jene, die über ausreichend Erwerbseinkommen verfügen, finanzieren es über das Steuersystem).

So ging ein spannender Diskussionsabend in angeregtem Gespräch zuende. Bleibt zu hoffen, dass das Grundeinkommen nicht nur in Vorwahlkampfzeiten von auf kommunaler Ebene aktiven Grüngruppierungen aufgegriffen wird, sondern als ein Dauerthema auch auf Länder- und Bundesebene Fuß fasst.




Buch NEU: “Uni Brennt. Grundsätzliches – Kritisches – Atmosphärisches”

Hrsg. von Stefan Heissenberger, Viola Mark, Susanne Schramm, Peter Sniesko, Rahel Sophia Süß

Verlag Turia + Kant
318 S., 16 x 24 cm, Paperback, EUR 24,-
ISBN 978-3-85132-604-8

“Uni brennt” war im Herbst 2009 der Ruf der Studierenden, aber auch vieler Lehrender, an der Universität Wien. Von hier ausgehend entwickelten sich weitere Protestbewegungen in Österreich, Deutschland und vereinzelt anderen Ländern. Gemeinsam ist ihnen die Kritik an der Bologna-Architektur und der neoliberalen Verwirtschaftlichung der Universität.

Dieser Band, entstanden aus Initiative von protestierenden Studierenden, macht sich auf die Suche nach den Ursachen, stellt grundsätzliche Fragen zum Bildungsbegriff und zur Bildungspolitik, versammelt kritische Positionen und Forderungen und gibt atmosphärische Stimmungsbilder aus den (ehemals) besetzten Hörsälen wieder. Die unterschiedlichen Textsorten – Wissenschaftliches, Essays, Kommentare, Satiren, Impressionistisches, Reden, Interviews etc. – sollen es den Leser_innen ermöglichen, sich dem Thema von verschiedenen Seiten zu nähern. Diesem Gedanken liegt auch die Autor_innenauswahl zugrunde. So kommen neben Studierenden selbst auch Lehrende (u.a. Jana Herwig, Paul Kellermann, Konrad Paul Liessmann, Herta Nöbauer, Pier Paolo Pasqualoni, Erich Ribolits, Thomas Schmidinger, Karin Schönpflug), Intellektuelle und Künstler_innen (Christian Felber, Gustav, Matthias Hartmann, Robert Menasse, Robert Misik, Bahman Nirumand, Doron Rabinovici, Marlene Streeruwitz, Armin Thurnher) zu Wort. Mit dem Schwerpunkt auf Wien soll das Zentrum der Proteste näher beleuchtet werden. Darüber hinaus sind Beiträge aus Graz, Klagenfurt, Salzburg, Innsbruck und Berlin enthalten.

Das Buch soll einen bunten und kritischen Diskussionsbeitrag zur Bildungsdebatte liefern, Ideen nicht verloren gehen lassen, eine kritische Öffentlichkeit informieren und ab und zu auch inspirieren. D.h. auch, dass unterschiedliche, z.T. sich widersprechende Positionen in diesem Buch versammelt sind. Es darf und muss über Bildung diskutiert und gestritten werden. Gemeinsam ist dem Großteil der Texte ein vorsichtiges bis starkes Bejahen der Proteste, das Raum lässt, sich mit den Geschehnissen selbst kritisch auseinanderzusetzen.

Der Band enthält auch einen Text zur “Kritischen und Solidarischen Universität – KriSU




Migration – Kampf um’s Überleben? – 19./20.März, Uni Klagenfurt

Eine Fortsetzung des Reflexionsprozesses „Welche Zukunft machen wir?“

Freitag, 19. bis Samstag, 20. März 2010
an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, z-109

Getragen vom Engagement einer großen Zahl von Organisationen und Einzelpersonen findet zur Zeit auf Initiative des „Bündnis für Eine Welt“ ein Reflexionsprozess zum Thema Migration statt. In diesem Rahmen gibt es eine Reihe größerer und kleinerer Vorträge und Diskussionen und erfolgt eine Reihe von Veröffentlichungen (siehe www.kaernoel.at/oeie).

Höhepunkt dieses Prozesses ist die zweitägige Debatte „Migration – Kampf um’s Überleben?“ vom 19. bis 20. März an der Universität Klagenfurt. Mit dieser Tagung sollen Ursachen und Zusammenhänge des Phänomens Migration weltweit und in Österreich aufgezeigt sowie Ängste/Stereotypen bewusst angesprochen und hinterfragt werden.

Programm:

Freitag, 19. März

14:00 Eröffnung und Grußworte

14:15 Impulsreferate

Bernhard Perchinig
„Gefühlte Einwanderung. Warum wir neue Begriffe für die Diskussion über Migration brauchen“

Martin Schenk
„Armländer sind Rausländer. Aussschließung macht arm, Armut macht fremd, Fremdheit macht Angst.“

Wolfgang Fritz Haug
„Migration im transnationalen High-Tech-Kapitalismus. Orientierungsversuche“

16:00 Kaffeepause

16:30 Plenumsdiskussion mit Statements der Organisationen/ Institutionen

18:30 Büffet

19:30 Dr. Caranthanus` Octobermanipulation

Theaterstück von Felix Strasser und Julija Izmajlova.

Dr. Caranthanus, Mitglied der Akademie der Geheimwissenschaften, wird vor den Augen des Publikums ohne Spiegelungen und doppelten Boden die sibirische Wilde Olga in die echte Deutsch-Kärntnerin Eva verwandeln.

Samstag, 20. März

09:00 „Vertiefende Gesprächsrunden“:

Aufenthalt in Österreich – Voraussetzungen: Geld, Geduld und Glück
Burgi Decker und Rosi

Migration, Religion und Kultur
mit Barbara Rauchwarter

Migration und Gegenöffentlichkeit
mit Angelika Hödl

Migration, Ökologie und Entwicklung
mit Gerhard Payr und Christian Salmhofer

Migration, Arbeit und Armut
mit Martin Birkner, einer Vertreterin von Maiz (angefragt) und Wolfgang Fritz Haug

12:30 Resümee – Zusammenfassung, Verabschiedung durch die Veranstalter/innen

Die Referenten

Bernhard Perchinig: Politikwissenschafter, Migrationsexperte. Mitbegründer des Wiener Integrationsfonds (1992). Aktuell tätig am Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte.

Martin Schenk ist einer der zentralen Akteure in der Österreichischen Armutskonferenz und Sozialexperte der Diakonie.

Wolfgang Fritz Haug: Prof. für Philosophie an der Freien Universität Berlin von 1979-2001, Herausgeber der Zeitschrift „Das Argument“, wiss. Leiter des Instituts für kritische Theorie.

Tagungsgebühr (beinhaltet Verpflegung): € 20,– bzw. Eintritt frei für Erwerbslose, Migrant/innen, Zivil- und Präsenzdiener, Student/innen und Jugendliche.

Anmeldung – zwecks Erleichterung der Vorbereitungsarbeiten dringend erbeten – bis 15. März an: Bündnis für Eine Welt, Nikolaigasse 27/1, 9500 Villach. Tel. 0664 / 73740101 (Walther Schütz); E-Mail: buendnis.oeie@aon.at

Veranstaltet von: Bündnis für Eine Welt, Aktionskomitee für mehr Menschlichkeit und Toleranz in Kärnten | amnesty international – Gruppe Villach | ATTAC-Kärnten | BSA Bund Sozialdemokratischer Akademiker/innen Klagenfurt und Villach | Earthship Austria | ecocontact | Europäisches Bürger/innenform – EBF | Evangelische Akademie | Evangelische Frauenarbeit in Kärnten | Evangelische Hochschulgemeinde Klagenfurt | Evangelische Superintendentur A.B. Kärnten | Freies Radio AGORA | Grüne und Unabhängige Gewerkschafter/innen Kärnten | Katholische Aktion | Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung | Katholischer Hochschulgemeinde Klagenfurt | Kärntner Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung | Klimabündnis Kärnten | Kulturinitiative kärnöl | PIVA – Projektgruppe Integration von Ausländer/innen | Plattform Migration Villach | ÖH – Österreichische Hochschüler/innenschaft Klagenfurt | SOL (Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil) | Verein Erinnern | Verein VOBIS | Volkshilfe Kärnten | Welthaus Klagenfurt/Hisa Sveta | Arbeitskreis „Wirtschaft im Dienst des Lebens“ | Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Mit Unterstützung des Entwicklungspolitischen Beirates des Landes Kärnten, des Universitäts.Club Klagenfurt, der Stadt Klagenfurt – Referat für Frauen, Familie, Umweltschutz, Wissenschaft und Forschung. Gefördert aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und des Lebensministeriums.




Arbeitszeitverkürzung: Resultat der AUGE/UG-Tagung in Kärnten

Von 26.-28. Februar fand am Hafnersee in Kärnten die Tagung der Alternativen und Grünen bzw. Unabhängigen Gewerkschafter_innen (AUGE/UG) statt. Die AUGE/UG ist in Kärnten mit der Fraktion Grüne/UG in der AK vertreten (die Landeslisten haben teilweise abweichende Namen). Die UG ist in Kärnten durch die KIV (Gemeindebedienstete) sowie die ÖLI-UG (Lehrer_innen) vertreten. Rund 60 Aktivist_innen aus ganz Österreich nahmen daran teil. Aus Kärnten waren 2 Grüne/UG-Aktivist_innen vertreten.

Am Freitag stand die Entscheidung über den Jahresschwerpunkt der AUGE/UG in der AK an: Klima, Arbeitszeitverkürzung oder Umverteilung waren die Optionen. Nach längerer Diskussion stimmte die Mehrheit der AUGE/UG-Aktivist_innen für das Thema Arbeitszeitverkürzung.

Am Samstag gab es 3 Vorträge mit anschließenden Diskussionen:

1) von Käthe Knittler, Co-Autorin der großen Umverteilungsstudie des WIFO über die Umverteilungseffekte des österreichischen Staates
2) von Robert Jellasitz aus dem Arbeitsministerium über Arbeitszeiten im EU-Vergleich und über Erfahrungen mit Arbeitszeitverkürzung
3) von Markus Koza (UG) über die Krise und klimafreundliche Umverteilungsmaßnahmen („Green Jobs“) – in Anlehnung an die AUGE/UG-Broschüre zum Klimawandel.

Am Abend diskutierten wir die Forderung nach einer deutlichen Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich in kleinen Arbeitsgruppen. Argumente für die Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich (mehr Freizeit, Umverteilung von Produktivitätsfortschritten) wurden gesammelt, Gegenargumente entkräftet und somit der diesjährige AUGE/UG-Schwerpunkt inhaltlich vorbereitet.

Am Sonntag trafen sich die einzelnen „UG-Säulen“ (die Einzelgewerkschaften der AUGE/UG) getrennt. Für die AUGE/UG – die nicht nur das „Dach“ aller unabhängigen Gewerkschaften und AK-Fraktionen in Österreich darstellt, sondern zugleich auch die UG-Fraktion in der GPA ist, war die Beschickung des höchsten Gremiums der GPA (des Bundesforums) sowie des GPA-Bundesvorstands und die Erarbeitung entsprechender Anträge bzw. Positionen der wichtigste Punkt in Hinblick auf die Arbeit der nächsten Monate in der GPA.