Sie haben wieder Hochkonjuktur: die gloriosen und selbstlosen Verteidiger des „Mittelstandes“.

Die Mitte, die sie meinen
Wann immer die Rede von Steuerreformen ist rücken sie aus, um die Interessen der „Mittelschicht“ zu verteidigen. So mancher Kampf für die „Mitte“ entpuppt sich bei näherer Betrachtung allerdings als etwas gänzlich anderes – nämlich als Kampf für die ganz oben.

Hans Rauscher ist Journalist. Hans Rauscher in Kolumnist. Hans Rauscher ist das, was frau/mann klassischerweise als „bürgerlichen Journalisten“ bezeichnet. Hans Rauscher schreibt unter anderem im „Standard“. Hans Rauscher ist in gesellschaftspolitischen Fragen ausgesprochen liberal, ist Antifaschist, was ihm in Österreich hoch anzurechnen ist.

Hans Rauscher ist allerdings auch in wirtschaftspolitischen Fragen ausgesprochen liberal. Und er gefällt sich dabei in einer Rolle ganz besonders gut: nämlich in jener des Verteidigers der Interessen der „Mittelschicht“. Vor allem, wenn es darum geht, diese gegen jegliche Art vor Vermögens-, Vermögenszuwachs- oder sonstiger Steuer zu bewahren. Weiters fordert er eine deutliche Einkommenssteuerentlastung für den Mittelstand.

Die „Mitte“, die „Mittelschicht“ der „Mittelstand“ stehen freilich nicht nur bei Rauscher hoch im Kurs. Nur: ist tatsächlich alles „Mitte“ was als „Mitte“ bezeichnet wird? Oder ist nicht so manche Interessenslage, die einer ominösen „Mitte“ zugeschrieben wird nicht in Wirklichkeit ganz wo anders, nämlich ziemlich weit „oben“ verortet?

Was ist überhaupt die Mittelschicht?
Tja, da fängt das Dilemma nämlich schon mal an. Bei der Definition dessen, was denn überhaupt die Mittelschicht ist. Dunkel ist da etwa noch ein Fernsehauftritt von Günter Stummvoll in Erinnerujng, seines Zeichens ÖVP-Abgeordneter, Wirtschaftskämmerer und Finanzsprecher, der die Mittelschicht bei einem Einkommen von bis zu 70.000 Euro/Jahr ansiedelte (der sprach in diesem Zusammenhang übrigens auch immer besonders gerne von „Leistungsträgern“).

Nun, nach der integrierten Lohn- und Einkommenssteuerstatistik lagen im Jahr 2005 allerdings gerade einmal 2,5% aller EinkommensbezieherInnen über dieser Grenze. Eine eigenwillige Definition von Mittelschicht …

Auszug aus einem längeren Artikel für die Alternative.
Hier ist der ganze Artikel herunterladbar (pdf).

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1 Kommentare am 18. Dezember 2008

One Response to “Die "Mittelstands"(be)wahrer”

  1. […] Hier gehts auf unseren Verteilungsblog und auf einen Artikel, den ich in der Causa “Mittelstands”(be)wahrer” für die nächste “Alternative”, der Zeitung der Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB geschrieben habe. Mit jeder Menge Zahlen, Daten und Fakten … […]