Entwicklung der Einkommen unselbständig Beschäftigter in Wien (in Klammer: Österreich)

Geringere Lohnzuwächse in Wien

Im Zeitraum von 1999 bis 2007 stiegen die Einkommen der unselbständig Beschäftigten in Wien – ausgehend von einem höheren Niveau – mit 13,4 % geringer als in Österreich (17 %). Ähnlich bei den Pensionen: diese stiegen in Wien von 1999 bis 2007 um 15,6 %, in Österreich insgesamt um 16,9 %).

Realeinkommensverlust

Im gleichen Zeitraum kam es auch zu einem Rückgang der Realeinkommen – in Wien signifikant stärker als in Österreich insgesamt:

  • In Wien fiel das durchschnittliche Unselbständigen-Realeinkommen von 1999 € 17.435 (€ 15.847) um 3,4 % auf 2007 € 16.851 (€ 15.846).
  • Etwas geringer fiel der Rückgang der Pensionen aus: diese sanken von durchschnittlich € 15.193 (€ 13.116) im Jahr 1999 um 1,5 % auf € 14.977 (€ 13.068) im Jahr 2009.

Einkommensunterschiede Männer/Frauen

Auch wenn im Vergleich zu Gesamtösterreich die Einkommenunterschiede zwischen Männern und Frauen in Wien am geringsten sind haben sich diese in den letzten Jahren kaum verringert. Bei Männern wie Frauen ist ein nomineller (= nicht inflationsbereinigt) Lohnanstieg bei gleichzeitigem Reallohnverlust (= inflationsbereinigt) feststellbar. So verdienten Männer im Jahr 2007 durchschnittlich real 19.177 Euro (nominell: 22.498 Euro), Frauen durchschnittlich real nur 14.343 Euro (nominell: 16.826 Euro). Männer verdienen damit immer noch rund ein Drittel mehr als Frauen – auch in Wien.

Einkommensschwächstes Viertel in Wien bleibt hinter Österreichschnitt

Während das durchschnittliche Nettojahreseinkommen der WienerInnen rund 1.000 Euro über dem österreichischen Durchschnitt liegt, fällt Wien beim schwächsten Einkommensviertel hinter dem Österreichschnitt zurück. Auffällig dabei: In Wien verdienen die Frauen auch in diesem Einkommenssegment immer noch mehr im Österreichschnitt, als die Männer.

  • So lag 2004 das durchschnittliche, jährliche Nettoeinkommen des einkommensschwächsten Viertels in Wien mit 8.249 Euro (Männer: 9.235, Frauen: 7.378) hinter jenem in Österreich, mit 8.588 Euro (Männer: 12.764 Euro, Frauen: 6.064).
  • 2007 betrug das durchschnittliche Nettojahreseinkommens der einkommensschwächsten 25 % in Wien 8.515 Euro (Männer: 9.533, Frauen: 7.580), in Österreich 9.272 Euro (Männer: 13.918, Frauen: 6.532).

Einkommensverteilung in Wien (Österreich), Jahresäquivalenzeinkommen

Das Äquivalenzeinkommen errechnet sich aus dem verfügbaren Haushaltseinkommen dividiert durch die Summe der Personen (unterschiedlich gewichtet, s.u.!) im Haushalt.

  • Den einkommensschwächsten 10 % der Bevölkerung stand 2008 in Wien ein Jahresäquivalenzeinkommen von weniger als 9.835 Euro zur Verfügung (10.653 Euro)
  • Das einkommensschwächste Bevölkerungsviertel verfügte über ein Jahresäquivalenzeinkommen von maximal Euro 13.317 (Euro 14.238).
  • Der Median des jährlichen Äquivalenzeinkommens (50 % liegen darunter, 50 % liegen darüber) lag bei Euro 18.683 (Euro 19.011).
  • 25 % der Wiener Bevölkerung erzielten ein Äquivalenzeinkommen von über 26.333 Euro/Jahr (25.222 Euro).
  • Ganze 10 % der WienerInnen erzielten ein Jahresäquivalenzeinkommen von über 35.151 Euro/Jahr (33.270 Euro).

Das oberste Dezil – also die reichsten 10 % der Bevölkerung – erzielen damit ein 3,5-mal höheres Einkommen als das unterste, einkommensschwächste Zehntel.

Armutsgefährdung/Armut in Wien (in Klammer: Österreich)

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 % des Medians des Äquivalenzeinkommens zur Verfügung hat. In Österreich lag das Äquivalenzeinkommen 2008 laut EU-SILC (eine Form der Erhebung, Befragung zu Einkommen, Armut und Lebensbedingungen, in Österreich durchgeführt von der Statistik Austria) bei 19.011 Euro/Jahr, die Armutsgefährdungsschwelle entsprechend für einen Ein-Personen-Haushalt bei Euro 951/Monat. Für jede weitere im Haushalt lebende Person wird dieser Betrag um Euro 475/Monat, für jedes Kind um Euro 285/Monat erhöht (unterschiedliche Gewichtung). So ergibt sich für ein Ehepaar ohne Kinder eine Armutsgefährdungsschwelle von Euro 1.426/Monat, für ein Paar mit zwei Kindern von 1.996 Euro/Monat.

In Wien waren 2008 17 % der Bevölkerung, d.s. 260.000 Personen (12 %, d.s. Rund 1 Mio. Menschen) armutsgefährdet.

Sozialhilfe in Wien

Durchschnittliche SozialhilfebezieherInnen pro Monat

Im Jahr 2000 bezogen in Wien pro Monat durchschnittlich 27.800 Personen Sozialhilfe, im Jahr 2008 waren es 63.100 Personen. Das entspricht einem Anstieg von ca. 127 %.

Entwicklung SozialhilfebezieherInnen pro Jahr

Die Zahl der SozialhilfebezieherInnen ist in Wien von 41.700 im Jahr 2000 auf über 93.000 Personen im Jahr 2008 gestiegen. Damit hat sich die Zahl der SozialhilfebezieherInnen in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt.

Den höchsten Anstieg verzeichneten …

  • … RichtsatzergänzungsbezieherInnen (+ 199 %)
  • … Vollsozialhilfe- (+ 49 %)
  • … Dauerleistungs- (+ 46 %)
  • … und MiethilfenbezieherInnen (+ 19 %)

Im Jahr 2008 bezogen rund 12.600 Personen d.s. 13 % (2000: 20 %) aller SozialhilfebezieherInnen ausschließlich Sozialhilfe (VollsozialhilfebezieherInnen).

Die Anzahl der BezieherInnen von Mietbeihilfe (für PensionistInnen mit geringer Pension, in der Regel Pension mit Ausgleichszulage) ist von 2000 (6.724 Personen) auf 2008 (7.972) absolut gestiegen, ihr Anteil an der Gesamtzahl der SozialhilfebezieherInnen allerdings zurückgegangen.

Der Anzahl von Betroffenen, die Dauerleistungen aus der Sozialhilfe beziehen, (Leistung für arbeitsunfähige Personen bzw. Personen im Pensionsalter ohne Anspruch auf Invaliditäts- oder Alterspension) ist von 3.688 Menschen (2000) auf 5.393 (2008) ebenfalls absolut gestiegen, ihr Anteil allerdings relativ gesunken.

Der Anteil der RichtsatzergänzungsbezieherInnen (EhepartnerIn/LebensgefährtIn verfügt über ein eigenes Einkommen, Sozialhilfe „ergänzt“ Einkommen bis zur maximalen Richtsatzhöhe) ist hingegen von 50 % (2000) auf 67 % (2008) der SozialhilfebezieherInnen angestiegen (von 20.965 Menschen auf 62.760).

SozialhilfebezieherInnen in % der Wiener Bevölkerung

Rund 6 % der Wiener Bevölkerung (93.000 Menschen) bezogen 2008 mindestens einmal Sozialhilfe (2000: 2,7 %).

Hinsichtlich der regionalen Verteilung von SozialhilfebezieherInnen in Wien wiesen Meidling (8,0 %, ca. 7.000 Menschen), Simmering (7,4 %, ca. 6.500 Menschen), Favoriten (6,9 %, ca. 12.000 Menschen) und Brigittenau (6,9 %, knapp unter 6.000 Menschen) die höchste Sozialhilfedichte auf. Traditionell am unteren Ende rangieren Bezirke wie der 1. (1,5 %, rund 300 Menschen), der 8. (2,2 %, rund 500 Menschen), der 7. (2,7 %, knapp unter 1.000 Menschen). sowie der 4. und 18. Bezirk (je 3,3 %, rund 1.000 bzw. knapp über 1.500 Menschen).

Unterschiede gibt es hinsichtlich der Verteilung der Leistungen: Der Anteil der RichtsatzergänzungsbezieherInnen ist – bezogen auf die SozialhilfebezieherInnen des jeweiligen Bezirks – etwa in Simmering und Meidling mit 70 % am höchsten. VollsozialhilfebehzieherInnen – wiederum bezogen auf die BezieherInnen des jeweiligen Bezirks – leben in den „reichen“ Bezirken Alsergrund, Innere Stadt und Währing. Einen hohen Anteil an Dauerleistungen und Mietbeihilfen weisen die Bezirke Neubau und Josefstadt auf, sowie die Wieden und die Innere Stadt.

Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften in der Sozialhilfe in Wien

Die Bedarfsgemeinschaften (Lebensgemeinschaften, Ehen, Familien, meist entspricht eine Bedarfsgemeinschaft einem „Haushalt“) in der Sozialhilfe sind von rund 29.100 im Jahr 2000 auf 57.200 (2009) angestiegen (+ 97 %). Im Schnitt wurden im Jahr 2000 1,43 Personen/Bedarfsgemeinschaft unterstützt, im Jahr 2009 1,64 Personen/Bedarfsgemeinschaft. Zurückzuführen ist dies auf den höheren Anteil und die gestiegene Anzahl von Familien mit Kindern in der Sozialhilfe (zum Vergleich: durchschnittliche Haushaltsgröße in Wien: 1,99 Personen, Anzahl der Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft liegt also darunter).

Der Anteil der unterstützten Bedarfsgemeinschaften an den Wiener Haushalten liegt bei 6,9 %. Demnach hat 2008 jeder 15. Haushalt in Wien mindestens einmal Sozialhilfe bezogen.

Immer mehr Paare mit Kindern unter SozialhilfebezieherInnen …

Der prozentuelle Anteil der Paare mit Kindern unter den Bedarfsgemeinschaften ist von 7 % (1.935 Paare mit Kindern) im Jahr 2000 auf 11 % (6.494 Paare mit Kindern) im Jahr 2009 sowohl relativ wie absolut deutlich gestiegen. In 22 % der Bedarfsgemeinschaften werden Kinder mitunterstützt.

Während 2008 (Daten für 2004 in Klammer) nur 1,1 % (1,0 %) aller Wiener Paare ohne Kinder Sozialhilfe bezogen, erhielten im gleichen Jahr …

  • … 2,5 % (2,5 %) aller Paare mit einem Kind,
  • … 23,8 % (3,5 %) aller Paare mit zwei Kindern,
  • … aber 13,1 % (12,0 %) aller Paare mit drei oder mehr Kindern

Sozialhilfe

… sowie AlleinerzieherInnen

Die Anzahl der Bedarfsgemeinschaft „AlleinerzieherInnen“ die Sozialhilfe beziehen ist von 3.255 (2000) auf 5.938 (2008) gestiegen. Trotz umfangreicher monetärer Familienförderungen sind neben Mehrkindfamilien vor allem AlleinerzieherInnen sehr stark von Armut und Sozialhilfebedürftigkeit betroffen. Entsprechend liegt die Sozialhilfedichte in der Gruppe der AlleinerzieherInnen weit über dem Schnitt. Während durchschnittlich 6,9 % der Wiener Haushalte 2008 Sozialhilfe bezogen, lag der Anteil der AlleinerzieherInnen bei 18,0 % (2004: 12,3 %). Dabei bezogen 2008 (2004) …

  • … 14,9 % (10,6 %) aller AlleinerzieherInnen mit einem Kind
  • … 19,1 % (13,5 %) der AlleinerzieherInnen mit zwei Kindern
  • … aber 48,7 % (24,3 %) der AlleinerzieherInnen mit drei und mehr Kindern

Sozialhilfe.

SozialhilfebezieherInnen nach Geschlecht 2008 (2000)

2008 bezogen 44.101 (19.147) Männer und 49.446 (22.607) Frauen Sozialhilfe. Seit 2000 hat sich der Frauenanteil unter den SozialhilfempfängerInnen nur geringfügig (von 54 auf 53 %, Anteil volljährige Frauen: 54,7 %) verändert.

SozialhilfebezieherInnen nach Altersgruppen 2008 (2000)

Die Anzahl der Unter-18-Jährigen SozialhilfebezieherInnen stieg dramatisch um + 175 % von 9.480 (2000) auf 26.149 (2008), jene der 18 – 24 jährigen SozialhilfebezieherInnen um + 163 % von 4.054 (2000) auf 10.667 (2008). Mehr als verdoppelt hat sich im selben Zeitraum die Anzahl der SozialhilfebezieherInnen zwischen 25 und 69 Jahren (von 20.635 auf 46.394), während der Zuwachs in der Personengruppe ab 60 Jahren am geringsten ausfällt (von 7.585 auf 10.337 oder + 36 %).

SozialhilfebezieherInnen nach Bildungsgrad 2008

Von den SozialhilfebezieherInnen zwischen 25 und 64 Jahren in Wien hatten 2008 als höchsten Bildungsabschluss:

  • … 67,9 % Pflichtschulabschluss (Wiener Bevölkerung insgesamt: 18,8 %)
  • … 20,9 % einen Lehrabschluss (28,9 %)
  • … 2,9 % einen Fachschulabschluss (9,7 %)
  • … 5,1 % Matura (21,1 %)
  • … 3,2 % einen Hochschulabschluss (21,5 %)

Dabei waren

  • … 19,4 % der Männer und 16,8 % der Frauen mit Pflichtschulabschluss
  • … 3,4 % der Männer und 3,8 % der Frauen mit Lehrabschluss
  • … 2,0 % der Männer und 1,2 % der Frauen mit Fachschulabschluss
  • … 1,3 % der Männer und 1,1 % der Frauen mit Matura
  • … und 0,8 % der Männer und 0,7 % der Frauen mit Hoschschulabschluss

auf Sozialhilfe angewiesen.

Sozialhilfebezug nach StaatsbürgerInnenschaft 2008

Österreichische StaatsbürgerInnen stellen mit 72 – 73 % den Hauptteil der SozialhilfebezieherInnen. Der Anteil der Drittstaatsangehörigen – also jener nicht-österreichischen StaatsbürgerInnen, die keine EU-BürgerInnen sind – beträgt zwischen 16 und 18 %.

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Kommentare deaktiviert für Wiener Sozialbericht 2010 (II): Einkommensverteilung, Armut, Sozialhilfe – einige Zahlen, Daten, Fakten am 25. Januar 2011

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