Neues von der Nach-der-Krise-Front. Die Bank Austria freut sich über einen Nettogewinn von 341 Mio. Euro im ersten Quartal 2011, das sind um 41 % mehr als im ersten Quartal 2010. Ob sich diverse Menschen in Vorstandsetagen und im Aufsichtsrat freuen dürfen wissen wir noch nicht. Das wissen wir allerdings jedenfalls von der Erste-Bank. Die hat die Aufsichtsratsgagen gleich verdoppelt.

Von 350.000 auf 700.000 Euro/Jahr? Räumen wir sie ab!

Gut, die Optik ist nicht schön, aber spätestens seit Grasser wissen wir, das schlechte Optik nicht strafbar ist. Gut, die Aufsichtsratsgagen bei der Erste-Bank werden verdoppelt, von 350.000 auf 700.000 Euro (Dazu der Artikel im STANDARD). Die Empörung ist allenthalben gross – bei KleinanlegerInnen, bei der Allgemeinheit, in der Politik. Nur, warum sollten sie nicht, die Herren und Frauen ManagerInnen, die AufsichtsträtInnen in Banken und sonst noch wo? Sie sind die Elite, bzw. sie halten sich dafür. Eliten haben in diesem Land aus ihren Handlungen nichts zu befürchten. Sie haben sich ein Bankenpaket geschnürt, das Verluste auf die Allgemeinheit überwälzt und Gewinne halt privatisiert. Davon profitieren AktionärInnen, AufsichtsrätInnen und natürlich derVorstand und der Herr Vorstandsvorsitzende. Ein Elitenkonzept halt.

Sie wissen, dass moralischer Entrüstung kein entsprechendes politisches Handeln folgt. Sie, die Eliten, sagen sie sind wichtig, die Besten der Welt und haben darum das verdient, was sie verdienen. Und das vollkommen zurecht. Sie glauben das  auch tatsächlich und bestätigen sich das gegenseitig gerne und täglich und die Politik bestätigt das ihnen auch. Schaut sie kurz bös an, sagt „tutu“ und lässt sie gewähren, weitermachen wie immer. Also: warum sollten sie irgendwelchen moralischen Verurteilungen zugänglich sein? Dabei wär die Sache an sich gar nicht so schwierig, Steuern können Verhalten steuern. Steuern können unliebsame Effekte – etwas die Anhäufung von Vermögen und Einkommen – begrenzen. Steuern sind besser und jedenfalls wirkungsvoller als Moral. Also, jammern wir nicht – holen wir uns einfach die Kohle, die sie mehr verdienen! Räumen wir sie ab. Das geht ganz einfach. Beispiel:

  • Wir erhöhen den Spitzensteuersatz ab 140.000 Euro/Jahr auf 55 %. Das betrifft knapp über 30.000 Top-Verdiener. Sozial garantiert treffsicher.
  • Wir erhöhen den Spitzensteuersatz ab 280.000 Euro/Jahr auf 60 %. Das trifft jedenfalls deutlich unter 15.000 Personen. Noch treffsicherer.
  • Wir können das Spiel dann weiterspielen, z.B. ab 500.000 Euro/Jahr auf 70 % usw. Warum nicht? Das trifft Treichls und Co. Und es wäre eine rechte Freude.
  • Wir nehmen die Grenze, ab welcher der bisherige Spitzensteuersatz von 50 % gilt wieder von 60.000 Euro auf 50.000 Euro zurück. Das Raufschieben war nämlich ein unverhältnismäßig großzügiges Steuergeschenk von rund 120 Mio. Euro an die bestverdienenden 3 % – an rund 200.000 von 6,5 Mio. EinkommensbezieherInnen insgesamt. Auch das trifft nicht die Falschen, ganz ohne soziale Kolateralschäden
  • Wir nehmen den Selbständigen wieder das geschenkte 13. / 14. Einkommensäquivalent, weil sie das – dank viel großzügigerer Abschreibungsmöglichkeiten statt Unselbständiger – ohnehin schon immer gehabt haben.
  • Wir schränken die Steuerprivilegien beim 13. und 14. Monatsgehalt für Spitzenverdiener ein: was bitte ist daran sozial, wenn jemand der 140.000 Euro/Jahr verdient für das 13./14. Monatsgehalt den gleichen Steuersatz zahlt, wie jemand, die Teilzeit für 8.000 Euro/Jahr arbeitet? Darum: ab z.B. Euro 140.000/Jahr volle Progression beim 13./14. Monatsgehalt. Als garantiert sozial treffsicherer Anfang.
  • Wir verbieten Stock-options als Einkommensbestandteile für Manager: die setzen nämlich falsche Anreize in der Unternehmenspolitik und befördern ein – hin und wieder auch durchaus kriminelles –  Verhalten, das häufiger an der kurzfristigen Steigerung des Unternehmenswertes und damit verbunden Steigerung des Werts der stock-options und damit des eigenen Gehalts orientiert ist – eben hin und wieder auch über Bilanzfälschungen, das soll durchaus schon vorgekommen sein – als  an nachhaltigen Strategien orientiert ist

Was das brächte? Wir habens einmal durchrechnen lassen. Vorsichtige Schätzung: rund 600 Mio. Euro. Wahrscheinlich mehr. Wie gesagt: garantiert treffsicher. Jammern über hohe Managergehälter, moralische Entrüstung, moralische Appelle nutzen nix. Räumen wir sie ab. Das ist das einzige was nutzt. Und es gibt auch noch andere gute Argumente dafür.

NEF Studie: Riesenschaden durch Bankmanager

Tja, die feinen Herren im Nadelstreif, die selbsternannte Finanzelite die meint zu verdienen, was sie verdient richtet nämlich tatsächlich einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden an. Erinnert sich noch wer and die Studie  „A Bit Rich: Calculating the real value to society for different professions“, der britischen „new economics foundation“, einem Wirtschaftsforschungsinstitut? Die haben versucht zu errechnen, welchen Wohlstandsgewinn bzw. -verlust einzelne Berufsgruppen bringen. Also was sie der Gesellschaft bringen, bzw. kosten. Und: da haben Banker und Co aber gar nicht gut abgeschnitten, Jessas!

So berechnete die „nef“, dass etwa ein Londoner City Manager mit jedem verdienten Pfund einen Schaden von 7 Pfund anrichtet. Und das über die letzten zwanzig Jahre hinweg gerechnet! So jetzt rechnen wir einmal beim Herrn Treichl nach, also dem Erste-Bank-Chef, der im jahr 2010 zähnknirschen 2,7 Mio. Euro verdient hat. Wir sind total nett und sagen eine österreichischer Bankmanager ist nicht ganz so schlimm wie ein Londoner City-Banker, der voll im Investmentgeschäft ist. Also, reduzieren wir den Schaden ganz spekulativ auf „nur“ 3 Euro pro verdientem Euro: na, 8 Mio. Euro Schaden ist aber „a ka Schas“ wie der Volksmund so trefflich ausdrücken würde. Natürlich hoch spekulativ, das da ausgerechnet wird, oder? Oder nicht? Wenn nicht, ist es ja wohl nur gut und billig, dass er für den Schaden auch aufkommt und halt ordentlich abliefert. Und nicht nur er, sondern die ganze werte Gesellschaft in den Vorstandsetagen – nicht nur der Banken. Sie haben schlichtweg deutlich weniger verdient als sie verdienen.

Riesengewinne durch KinderbetreuerInnen und Putzkräfte

So,  jetzt kommen wir zum real existierenden ArbeitnehmerInnendasein, zu jenen, die sich nicht zur Elite unserer Gesellschaft zählen dürfen, die nicht „Seitenblicken“, die kein öffentliches Partizipationskapital erhalten, sondern ganz einfach einem Job nachgehen, der das Überleben oftmals mehr schlecht als recht sichert. Zu KinderbetreuuerInnen etwa: tja, die verdienen zwar wenig, aber leisten viel – für die Gesellschaft und ihren Wohlstand. Jeder verdiente Euro in der Kinderbetreuung steigert den gesellschafltichen Wohlstand um 7 bis 9,50 Pfund! Und erst Reinigungskräfte, also ganz einfache Putztrupps die in Krankenhäusern arbeiten, Menschen – meist Frauen und/oder MigrantInnen am unteren Ende der Einkommenspyramide: Die WissenschafterInnen von „nef“ errechnen für jedes verdiente Pfund einen Wohlstandsgewinn von sagenhaften 11 Pfund! Zwei Berufsgruppen, die also deutlich weniger verdienen als sie verdienen!

Umverteilen, was sonst?

Das angenehme bei der ganzen Sache: die öffentliche Hand – Länder, die Republik, Gemeinden – könnte da unmittelbar in die Lohngestaltung dieser wahren LeistungsträgerInnen und WohlstandsmaximiererInnen eingreifen, diese also deutlich erhöhen! KinderbetreuerInnen, Reinigungskräfte, aber auch PflegerInnen, SozialarbeiterInnen u.v.m. arbeiten in der Regel in Bereichen, die entweder in öffentlicher Hand sind, oder von der öffentlichen Hand fianziert werden (soziale Vereine, Behindertenbetreuung etc.). Seit Jahren allerdings – und jetzt in Krisenzeiten besonders, siehe Steiermark – wird im Sozialbereich allerdings gespart, während die öffentliche Hand sich gegenüber Managern und vermögenden und erbenden Nichtleistern ausgesprochen großzügig zeigt. Das muss sich ändern. Die Provokationen die von Bankerseite da wieder einmal gesetzt werden, bieten einmal mehr die wunderbare Gelegenheit über Umverteilung, Verteilungs- und Einkommensgerechtigkeit, den Wert von Arbeit etc. in Diskussion zu treten und endlich die richtigen Konsequenzen daraus einzufordern und zu ziehen.

Also nochmals: Schluss mit jammern – räumen wir sie ab!


Übrigens: Freuen wir uns alle gemeinsam mit den Hedgefonds-Managern! Die haben nämlich die „High-Water-Marks“ von 2007 überschritten. In einer APA-Meldungs heisst es: „Die weltweit größten Hedgefonds haben sich von den im Laufe der Finanzkrise erlittenen Verluste schon wieder gut erholt. Mit Zuflüssen von 15,7 Mrd. Dollar (11 Mrd. Euro) im März erreichten die verwalteten Vermögen ein Volumen von 1,8 Billionen Dollar.“ Ja, und das entspricht dem höchsten Stand seit Oktober 2008. Übrigens: am meisten cashten auf Rohstoffe – da gehören auch Lebensmittel dazu – spezialisierte Fonds ab. Nämlich rund 6 Mrd. Euro. Was die „High-Water-Mark“ ist? Ach ja, an der orientieren sich „die Performancegebühren der Hedgefonds-Manager. Erst wenn der historische Höchststand übertroffen und eine neue ‚Hochwasser-Marke‘ erreich wurde, entsteht ein neuer Provisionsanspruch.“ Die Zeit des Darbens ist also vorbei. Die Krise ist vorbei! Halleluja!

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Kommentare deaktiviert für Manager- und Aufsichtsratsgagen: Nicht jammern – abräumen! am 13. Mai 2011

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