2006 wurde von der Europäischen Zentralbank sowie den nationalen Notenbanken das Household Finance and Consumption Network (HFCN) gegründet. Im Rahmen des HFCN werden Daten zu Einkommen, Vermögen, Verschuldung und Ausgaben der privaten Haushalte erhoben. (HFCS-Erhebung).
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Nun liegt die aktuelle Vermögenserhebung – Sach-, Geldvermögen und Verschuldung um das „Nettovermögen“ errechnen zu können – auch für Österreich vor. Erhoben wurde nicht Vermögen pro Person, sondern Vermögen je Haushalt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in „Geldpolitik und Wirtschaft“, dem Quartalsheft (Nummer 3/12) der OeNB zur Geld- und Wirtschaftspolitik.

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Verteilung des Nettovermögens
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Das Nettovermögen umfasst Bruttovermögen abzüglich der Verschuldung eines Haushalts. Im Gegensatz zum Bruttovermögen kann das Nettovermögen auch negativ ausfallen – wenn Haushalte eine höhere Verschuldung als Vermögen ausweisen.

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Wie verteilen sich nun die Nettovermögen?
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  • rund 7 % der Haushalte weisen ein „negatives“ Nettovermögen aus. Ihr Vermögen deckt also die Verschuldung nicht ab
  • mit 40 % die größte Gruppe der Haushalte weist ein Nettovermögen zwischen 0 und 50.000 Euro aus, wobei 10 % der Haushalte über ein Nettovermögen verfügen das unter 1.000 Euro liegt.
  • die folgenden ca. 30 % der Haushalte verfügen über ein Nettovermögen zwischen 50.000 und 250.000 Euro
  • Das heißt: ca. 70 % der Haushalte mit Nettovermögen besitzen weniger als 250.000 Euro, erweitert durch die Zahl der verschuldeten Haushalte erweitert sich der Anteil auf über 75 %.
  • Etwa ein Viertel der Haushalte verfügt über ein Nettovermögen von über 311.000 Euro.
  • 11 % der Haushalte verfügen über ein Nettovermögen von mehr als 500.000 Euro.
  • Ein Zehntel der Haushalte besitzt mehr als 543.000 Euro.

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Verteilung Nettovermögen, Grafik: OeNB 2012

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Zwei wesentliche Größen um die Verteilung der Nettovermögen zu bestimmen ist der Median sowie der Mittel- bzw. Durchschnittswert.

  • Der Medianwert der Nettovermögen liegt bei 76.000 Euro – exakt 50 % der Haushalte verfügen mehr, 50 % weniger Vermögen.
  • Der Durchschnitt liegt dagegen um ein Vielfaches über dem Median – nämlich bei rund 265.000 Euro! Je weiter entfernt der Durchschnittswert vom Median liegt, desto stärker ist die Ungleichverteilung, sprich die Vermögenskonzentration oben. Durchschnittlich besitzen die Haushalte ein Nettovermögen von 265.000 Euro. Tatsächlich – siehe oben – verfügen 75 % aller Haushalte weniger als 250.000 Euro. Der „Durchschnittswert“ von 265.000 Euro fällt ins 8. Dezil – also in den Bereich der  reichsten 20 %!

Die AutorInnen Fessler/Mooslechner/Schürz:

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„Dies illustriert wiederum die ausgeprägte Rechtsschiefe der Verteilung des Nettovermögens. Es gibt sehr viele Haushalte mit einem geringen Nettovermögen und sehr wenige Haushalte mit sehr hohem Nettovermögen.“

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Aus dem durchschnittlichen Vermögen und der Anzahl der Haushalte – in Österreich 3,77 Mio. – errechnet sich das Gesamtnettovermögen: dieses liegt in Österreich bei ziemlich exakt 1 Billion Euro – wobei dies eine „Untergrenze“ darstellt.*
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Sachvermögen, Finanzvermögen, Verschuldung
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Das Nettovermögen (wie auch das Bruttovermögen) setzt sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen: aus dem Sachvermögen (Immobilien, Schmuck, Autos, Bilder, Unternehmenseigentum …) und Finanzvermögen (Ersparnisse, Aktien,  Lebensversicherungen, Anleihen, …). Von diesem Bruttovermögen werden – wie bereits erwähnt – Schulden (z.B. der Hauskredit) abgezogen, um zum Nettovermögen zu gelangen.

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Verteilung Sachvermögen
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85 % der Haushalte verfügen über ein Sachvermögen. Die größte Gruppe – nämlich rund 34 % der Haushalte – verfügen dabei über ein Sachvermögen von 0 bis 50.000 Euro. In diesen Haushalten ist das Auto meist die größte Sachvermögenskomponente! Wie verteilt sich nun das Sachvermögen. Einige Zahlen:
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  • Insgesamt 40 % der Haushalte, die über ein Sachvermögen verfügen, besitzen weniger als 47.000 Euro.
  • Der Median bei Sachvermögen (50 % verfügen mehr, 50 % verfügen weniger) liegt bei rund 108.000 Euro.
  • Der Durchschnittswert bei Sachvermögen liegt bei rund 278.000 Euro und wird nur von den ca. 22 % der wohlhabendsten Haushalte erreicht. D.h.: drei Viertel aller Sachvermögensbesitzer halten weniger Sachvermögen als den „Durchschnitt“!
  • Die Sachvermögen der reichsten 10 % liegen über 534.000 Euro.
  • Die größte Sachvermögenskomponente stellt der Hauptwohnsitz dar. Allerdings besitzen überhaupt nur 47,7 % der Haushalte ihren Hauptwohnsitz (Medianwert: Euro 200.000, Durchschnittswert: 258.072 Euro)  – mehr als die Hälfte der Haushalte verfügt über diese „größte Sachvermögenskomponente“ überhaupt nicht.
  • „Weiteres Immobilienvermögen“ halten schon nur noch 13,4 % der Haushalte. Der Mittelwert (50 % dieser Haushalte halten mehr, 50 % weniger) beläuft sich auf 94.028 Euro, der Durchschnittswert auf 227.929.
  • Zum Sachvermögen zählen auch Beteiligungen an Unternehmen, in denen mindestens ein Haushaltsmitglied aktiv tätig ist (Medianwert: 180.603, Durchschnittswert: 731.425 Euro!). Bei Unternehmensbeteiligungen reduziert sich der „Partizipationsgrad“ – also der Anteil jener Haushalte, der derartiges Sachvermögen hält – auf nur noch 9,4 % aller Haushalte.

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Verteilung Sachvermoegen, Grafik: OeNB 2012

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Verteilung Finanzvermögen
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Im Gegensatz zum Sachvermögen halten beinahe alle Haushalte – nämlich 97 % – Finanzvermögen. Dabei besitzen
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  • drei Viertel aller Finanzvermögen besitzender Haushalte weniger als 50.000 Euro,
  • nur 10 % der Haushalte mehr als 105.000 Euro,
  • nur rund 1,3 % mehr als 500.000 Euro Finanzvermögen.
  • Der Medianwert bei den Finanzvermögen liegt bei 14.000 Euro.
  • Der Durchschnitts- oder Mittelwert bei 48.000 Euro.

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Verteilung Geldvermoegen, Grafik: OeNB 2012

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Interessant die „Partizipation“ an den unterschiedlichsten Formen an Finanzvermögen:
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  • Girokonten halten etwa 99 % der Haushalte (darunter auch etliche mit einem Wert von Null oder negativen Wert, weshalb diese Zahl über jenem der Finanzvermögensbesitzer liegen kann)
  • Sparkonten immer noch 87,1 %
  • Bausparverträge werden von 54,7, Lebensversicherungen von 38 % der Haushalte gehalten
  • immerhin 10,3 % der Haushalte haben Geldforderungen gegenüber anderen Haushalten – eine Summe die übrigens jenem des Aktienbesitzes in Österreich entspricht
  • Diese, also Aktien, halten übrigens überhaupt nur 5,3 % der Haushalte
  • Auch Anleihen sind nicht eine weit verbreitete Sparform sondern eher auf Eliten konzentriert – nämlich auf 3,5 % der Haushalte. Interessant, wie sich der Anleihenbesitz konzentriert: während der Median bei 13.832 Euro liegt, liegt der Durchschnitt bei Euro 102.860 !

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Dabei muss bei der Interpretation dieser Ergebnisse beachtet werden, „… dass es insbesondere bei den Finanzvermögen zu einer starken Untererfassung besonders im oberen Bereich der Verteilung kommt“. *
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Verschuldung
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36 % der österreichischen Haushalte sind verschuldet.

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  • 20 % der verschuldeten Haushalte – das sind 7 % aller Haushalte – halten Schulden von mehr als 67.000 Euro.
  • Weniger als 10 % aller Haushalte sind mit mehr als 50.000 Euro verschuldet
  • Die Hälfte aller verschuldeten Haushalte sind mit weniger als 14.000 Euro verschuldet.
  • Rund 17 % der Haushalte haben mit dem Hauptwohnsitz besicherte Schulden. Der Median liegt dabei bei rund 37.000 Euro, der Mittelwert von 73.000 Euro „spiegelt den aktuellen Stand bei der Rückzahlung de Finanzierung der Immobilie wieder.“

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Die Bedeutung von Erbschaften für den Vermögensaufbau

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„Menschen erwerben Vermögen auf zwei Arten: sie sparen es aus ihrem Einkommen oder sie bekommen es von anderen Personen … Erbschaften und Schenkungen spielen beim Vermögensaufbau eine wichtige Rolle und die akkumulierten Vermögen bilden ihrerseits die Grundlage für Zuwendungen und Vererbungen.“ So die Autoren der Studie.

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Wer erbt überhaupt? Und: wie viel?

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  • zum Zeitpunkt der Erhebung gaben 35 % der Haushalte an, eine Erbschaft oder Schenkung erhalten zu haben.
  • Rund 15 % – also rund 43 % der Erbenhaushalte – haben ihren Hauptwohnsitz geerbt, der „mit Abstand wichtigsten Kategorie“ bezogen auf das gesamte Erbvolumen.
  • Der Durchschnittswert eines ererbten Hauptwohnsitzes liegt bei rund 280.000 Euro, der Median bei 163.000 Euro.
    Werden alle Erbschaften betrachtet (inkl. Jene Erben-Haushalte, die keinen Hauptwohnsitz erben) sinkt der Mittelwert auf 242.000 Euro, der Medianwert auf 100.000 Euro.
  • Die Bedeutung von Erbschaften für den Vermögensaufbau bzw. die Vermögensverteilung belegen folgende Zahlen: Während von den reichsten 20 % der Haushalte bereits 65 % geerbt haben, liegt der Anteil der „Erben“ bei den ärmsten 20 % der Haushalte bei lediglich 10 %.
  • Jene 10 % der Haushalte im „ärmsten“ Haushaltszwanzigstel erben Vermögen mit einem Medianwert von Euro 14.000. Die Erbschaften der 65 % Haushalte im „reichsten“ Zwanzigstel erben im Median ein Vermögen von 237.000 Euro!
  • Relativ zum eigenen Vermögen gesehen, sind die relativ „niedrigen“ Erbschaften für vermögensärmere Haushalte dennoch weit bedeutender! So macht bei den „ärmsten“ Erbenhaushalten die „Medianerbschaft“ 317,2 % des eigenen Vermögens aus, bei den „reichsten“ Erbhaushalten dagegen 35,7 %

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Zusammenfassung

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  • Während nahezu alle Haushalte – nämlich 97 % – Geldvermögen halten, hält weniger als die Hälfte der Haushalte Eigentum am Hauptwohnsitz (ca. 48 %). Nur 36 % der Haushalte sind verschuldet.
  • Die Nettovermögen in Österreich sind höchst ungleich verteilt: Ein Zehntel hält weniger als 1.000 Euro. Am anderen Ende der Skala halten 10 % mehr als 542.000 Euro.
  • Vermögen steigt tendenziell mit Alter, Einkommen und Bildung.
  • Erben ist eine der wichtigsten Vermögensquellen, in 35 % der Haushalte sind bereits Erbschaften angefallen. Mit dem Nettovermögen steigen Erbhäufigkeit und -volumen stark an, „reiche“ Haushalte erben also eher und mehr als „arme“ Haushalte, wenn auch Erbschaften für arme Haushalte in Bezug zu ihrem gehaltenen Vermögen bedeutender sind.
  • Trotz hoher Datenqualität und sorgsamer Datengewinnung und -auswertung unterschätzt die HFCS-Erhebung die Vermögensungleichheit in Österreich.

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Hinsichtlich der Verteilung von Vermögen, Rolle von Erbschaften beim Vermögensaufbau, der Komponenten von Vermögen und möglicher (wirtschafts-)politischer Schlussfolgerungen daraus bietet die Studie einen wertvollen Beitrag zu einer (möglichen) Versachlichung der Diskussion.

Insbesondere sollte es, angesichts aller vorliegender Daten, wohl zunehmend schwerer fallen  – außer aus einem rein ideologisch motivierten Blickwinkel –  vermögensbezogene Steuern – von Erb-, Schenkungs- Grund- bis hin zu einer allgemeinen Vermögenssteuer – als „Belastungswelle für die Mittelschicht“ zu denunzieren …

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* Die Höhe des Gesamtvermögens ist darum unterschätzt, weil die kleine Gruppe der Reichsten nur unzureichend erfasst bzw. unterrepräsentiert ist. Dies liegt u.a. daran, dass diese Gruppe schwer „greifbar“ ist, weil z.B. keine Einkommensdaten bereitgestellt werden und diese Gruppe entsprechend repräsentativ befragen bzw. erfassen zu können. Zusätzlich verweigern besonders vermögende Haushalte sowohl Antworten als auch genaue Angaben. Das Ausmaß der Unterschätzung zeigt sich, wenn z.b. auf den Valuga Report aus dem Jahr 2011 herangezogen wird. Demnach besitzen in Österreich rund 0,88 % der Bevölkerung – rund 73.900 Personen – ein Geldvermögen von über einer Million Euro. Laut einem Bericht von McKinsey 2010 verfügten alleine die EuromillionärInnen in Österreich über ein Geldvermögen von zusammen 150 Mrd. Euro.

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Link zur Studie: Household Finance and Consumption Survey des Eurosystems 2010 Erste Ergebnisse für Österreich, in Geldpolitik & Wirtschaft, Q 3/12

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Kommentare deaktiviert für OeNB Vermögenserhebung 2012: aktuelle Zahlen, Daten, Fakten am 3. Oktober 2012

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