Unlängst in einer Trafik in Klagenfurt. Trafiken sind für wahlwerbende Gewerkschaftsleute tückisch. Viele sind von ihren Besitzern besessen. Manche aber enthalten Lohnabhängige.
Weil die Leute vielfach ebenso gierig sind, wie sie es gerne in Politiker oder Banker projizieren, hat man nun ein Problem. Man läuft als wahlwerbende Gruppe – Partei sind wir Grüne/UG keine, und mit den Grünen hab ich nichts zu tun außer dass ich ihnen eine antikapitalistische Politik (insoweit es so etwas überhaupt geben kann) ans Herz legen würde, die sie nicht verfolgen – ja mit einem Körberl so genannter Wahlgeschenke durch die Gegend.
Inhalte sind im allgemeinen nichts, wofür das gesunde Volksempfinden sich begeistert. Nicht ganz zu Unrecht, muss man sagen. Hat man im Kapitalismus doch grundsätzlich ziemlich wenig mitzureden. Und auch eine AK-Wahl besteht bis dato vor allem im Kreuzerlmachen. Inhalt ist deshalb unsexy zum Quadrat. Weil wozu.
Bei Kugelschreibern, Häferln, Post its und derlei Zeugs leuchtet des Wählers Auge jedoch zumeist auf. Das kennt man aus dem Geschäft, und eine wahlwerbende Gruppe wird auch so wahrgenommen (und verhält sich in 99% der Fälle leider auch genau so): als jemand, der etwas zu verkaufen hat.
Also her damit. Mit dem Geschenk.
Hier aber liegt für den wahlkämpfenden Gewerkschaftstypen ein fundamentales Problem begraben, das er gezwungen ist, so oft auszugraben wie er eine Trafik betritt: ist sie oder ist sie nicht? Die Frau nämlich (oder der Mann), die (oder der) da hinter dem Ladentisch steht. Besitzend oder nicht? Lohnabhängig oder doch – wie das so schön heißt – selbstständig und ergo kein Werbungsziel?
Warum haben wir da ein Problem? Ganz einfach: ob besitzend oder nicht, getreu der allgemeinen Verkäuflichkeit schielt so manches Auge in unseren
mitpostitsundsoweiterbefülltengewerkschaftswahlkampfkorb.
Und erklärt sich flugs für wahlberechtigt. So schlimm geht’s zu. Glaubt mir, Leute.
Einen Vorteil hat das aber. Man kommt in’s Gespräch.
Unlängst also in einer Trafik.
Sie: No, oba bessa wiads net für uns. [blinzelt uns freundlich zu]
[nett sind die Leut, nicht wahr?]
Sie: Und die Auslända, die kriagn jo eh soviel von uns. Und tuan tans owa nix. [Sinngemäß]
[oje]
Ich: Das stimmt nicht. Jeder Migrant, der erwerbstätig ist, zahlt viel mehr in das Sozialversicherungssystem ein, als er herausbekommt.
[Diskussion zwecklos]
Wir verlassen die Trafik, um ein Grüne/UG-Häferl leichter und eine ausländerfeindliche Bemerkung reicher.
Das Schöne als wahlwerbende Gruppe ist, dass man mit den Leuten ins Gespräch kommt. Draußen lacht uns ein Leichnam namens H. ins Gesicht. Die Frau Trafikantin hat sein Konterfei ins Schaufenster gestellt.

