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Was für eine Frage. Am Tag der Arbeitslosen sollten wir sie stellen.

Wenn man unter Arbeit jede Art von zielgerichteter Bemühung versteht, dann arbeitet man als normaler Mensch, um ein gutes Leben zu haben. Im Kapitalismus dagegen arbeitet man um zu arbeiten. Diese Bemühung hat kein anderes Ziel als sich selbst.

Arbeit ist genau genommen aber nicht „jede Art von zielgerichteter Bemühung“. Denn dann wäre Wandern, Schwimmen, ein Gespräch mit Freunden führen, Ideen spinnen oder vielleicht sogar in der Sonne liegen Arbeit. Wenn (fast) alles Arbeit ist, macht „Arbeit“ als Name für bestimmte Tätigkeiten keinen Sinn.

Die Verwirrung klärt sich, wenn wir bedenken: als Arbeit gilt im Kapitalismus in erster Linie die Tätigkeit für Geld. Arbeit = Lohnarbeit.

Der Unternehmer kauft unsere Arbeitskraft, um Profit zu machen, das heißt arbeitsloses Einkommen zu erwirtschaften. Den Profit verprasst der Unternehmer allerdings nicht, sondern investiert ihn zum größten Teil wieder in das Unternehmen (oder den Finanzmarkt).

Weder Arbeit noch Profit machen so gesehen Sinn.

Arbeit, Profit und Warenkonsum bilden eine riesige Tretmühle. Es wird gearbeitet, damit gearbeitet werden kann. Es wird konsumiert, damit weiter konsumiert werden kann, es wird Profit gemacht, damit noch mehr Profit produziert werden kann.

Macht Arbeit Sinn? Ganz klar: nein.

Arbeit ist eine selbstzweckhafte Betätigung unter dem Kommando des Managements. Das Management achtet darauf, dass Profit produziert wird. Das gelingt nur, wenn Menschen länger unbezahlt arbeiten als sie für Deckung ihrer eigenen Bedürfnisse arbeiten würden. Das Management ist Stellvertreter der Marktkräfte im Betrieb. Es sichert die Konkurrenzfähigkeit. Zu diesem Zweck setzt es die Belegschaft unter Stress, kontrolliert sie und bestraft oder lockt mit Zuckerbrot. Und trifft über die Köpfe der Belegschaft hinweg alle wesentlichen Entscheidungen, die das Unternehmen betreffen.

Arbeit ist aber nur die halbe Wahrheit des Kapitalismus. Arbeitslosigkeit ist der andere Teil. Wenn Unternehmer weniger Profite machen, kaufen sie auch weniger Arbeitskräfte ein. Es rentiert sich dann nicht für sie.

Genauso wie die Arbeit ist Arbeitslosigkeit ein sinnloses Hamsterrad. Darauf achtet das AMS, in dem leider nicht nur Gewerkschaft und AK, sondern auch Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und das Wirtschaftsministerium sitzen. Dort wird darüber bestimmt, wie sehr Arbeitslose unter Druck gesetzt werden.

Sind Arbeitslose stark unter Druck, kann man auch die Löhne der Arbeiterinnen und Arbeiter bzw. Angestellten drücken. Das ist der hauptsächliche „Sinn“ von Arbeitsmarktpolitik.

Auch Arbeitslosigkeit macht also keinen Sinn.

Sinn entsteht erst dann, wenn wir gemeinschaftlich und gleichberechtigt selbst darüber bestimmen können, was wir tun oder nicht tun, auf welche Art, wann, zu welchem Zweck und für wen.

Das geht nur dann, wenn wir den Kapitalismus überwinden. Erstens in kleinen solidarökonomischen Projekten. Im zweiten Schritt in Betrieben, die die Belegschaft übernimmt und genossenschaftlich führt. Im dritten Schritt in übergreifenden Verbänden, die das brutale Chaos des Marktes durch bewusste Kooperation ersetzen.

Kein Kommentar am 30. April 2009

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