Die Krise frisst sich immer weiter. Nun beginnt auch der Mittelstand etwas davon zu spüren. Viele denken dabei vorrangig an sich selbst. Und da vor allem an Erspartes. Das ist verständlich. Doch sollte es den Verstand nicht lähmen.
Das Stadttheater Klagenfurt hat zum Thema Krise Günter Hannich eingeladen. Die „Woche“ hat ihn interviewt. Hannich gehört zur Sekte der so genannten Freiwirtschafter. Sie führen die Krise auf den Zins zurück. Hannich wird als Querdenker bezeichnet. Das wäre nicht weiter schlimm. Doch ist er in der Tat ein Falschdenker. Und das ist gefährlich.
Kredite dienen den Unternehmern dazu, ihren Profit zu mehren. Auf den Finanzmärkten wurde vielfach ganz ohne Eigenkapital spekuliert. Ein Teil des so gewonnenen Profits fließt logischerweise an die Gläubiger zurück. Der Zins ist nichts anderes als der Preis des Gelds.
Hannich glaubt, der Zins verteilt Geld von unten nach oben um. Das ist offenkundig falsch. Umverteilung ist der Marktwirtschaft schon durch die Konkurrenz schlicht eingebaut. Wer am Markt den Kürzeren zieht, verarmt. Wer reich ist, wird noch reicher.
Hannich glaubt weiters, der Zins sei schuld an der Krise. Auch das ist falsch. Krisen gehören zur Marktwirtschaft. Die Unternehmen investieren, durch die Konkurrenz gezwungen, nun mal auf Teufel-komm-raus. „Wir wissen, dass es zuviele Autos gibt am Markt. Aber es gibt zuwenig BMWs“, brachte das ein Manager einmal auf den Punkt.
Die Investitionen laufen den Löhnen immer wieder weit voraus. Früher oder später gehen die Profite zurück, die Produktion bricht ein, die Arbeitslosenzahlen nehmen zu. Auch Wellen der Spekulation führen immer wieder zu solchen Ungleichgewichten, die sich in der Krise dann entladen.
Hannich versteht von all dem nichts.
Dafür schlägt er eine gefährliche Kurpfuscher-Lösung vor: zinsfreies Geld. Nicht nur, dass wir ein solches beinahe haben – die Zinsen tendieren in der Krise gegen Null – ohne dass das etwas ändert. Sollte jemals wieder ein Aufschwung kommen, so würde man damit sogar eine Hyperinflation provozieren. Jeder bekäme ja soviel Geld wie er will.
Die Probleme der Marktwirtschaft – Wachstumszwang, Krisen und Verarmung – kann man damit keinesfalls beheben. Denn die wurzeln darin, dass wir gegeneinander arbeiten statt miteinander; für Geld und Profit statt für den konkreten Bedarf.
Die Lösung ist vielmehr eine Solidarische Ökonomie, Kooperation statt Konkurrenz. Hannich führt in die Sackgasse, nicht zu einer Alternative.
Andreas Exner ist Co-Autor von „Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern“, Ueberreuter, 2008, und unabhängiger Gewerkschafter der Grüne/UG


Die Intelektuellen sollen darüber diskutieren.
Hannich hat recht, die Spekulationsblasen haben den Zins als Grundlage.
Der Reichtum wird nach oben verteilt.
Im freien Markt gibt es keine solidarische Oekonomie, sondern die
müsste staatlich erzwungen werden .
Also müsste man die Freiwirtschaft durch Karl Marx ergänzen oder
umgekehrt.