Am 3. August hielt ich einen Workshop zum Thema „Peak Oil und Klimawandel. beim Sommercamp der Grün-Alternativen Jugend Steiermark/Oberösterreich/Vorarlberg, Schweiz und Deutschland.
Der Aufhänger des Sommercamps mit dem Titel „Wer bin ich, was bist Du?“ war eigentlich das Thema Identität. Am Abend des ersten Tages sprachen Brigitta Berger, Beatrice Achaleke und Mark Terkessidis. Ich kam etwas später an und verfolgte nur mehr die im Anschluss an ihre Inputs geführte Podiumsdebatte.
Auf die Frage, warum sich immer weniger migrantische Jugendliche in Parteien engagieren, antwortete Mark Terkessidis schmunzelnd und zugleich trocken: Nun ja, Jugendliche interessieren sich häufig nicht mehr für Parteien, weil… nun ja, man muss eine ganze Weile Speichellecken und so, damit man in einer Partei was machen kann, es ist ja so, sagen wir das ehrlich… und das wollen viele nicht.
(Mark Terkessidis hat übrigens zusammen mit Tom Holert das absolut augenöffnende Buch „Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert“ geschrieben: eine Top-Empfehlung.)
Mein Workshop war recht gut besucht. Den Leuten gefiel’s scheinbar nicht schlecht. Allerdings hatten sich offensichtlich einige oder sogar die Mehrheit weniger über den Klimawandel und Peak Oil, dafür mehr über Kapitalismuskritik und Alternativen gewünscht. Das war mir leider nicht klar gewesen, weshalb der Workshop die Alternativen viel zu wenig behandeln konnte.
Die Jugendlichen waren interessiert, kritisch. Allerdings zeigte sich auch eine große „Ungleichzeitigkeit“ im Denken. So entstand auf meine Feststellung, dass die Konsequenz aus dem Klimawandel und der Unfähigkeit des kapitalistischen Wachstumssystems, gegenzusteuern, nur die Stilllegung großer Teile der Autobranche und eine Abschaffung von Kapital und Lohnarbeit folgen kann, eine Debatte um die angebliche Notwendigkeit, weiterhin Autos zu produzieren.
Als Argumente wurden angeführt: man müsse ja die Fahrsicherheit von Autos zum Beispiel in Afrika verbessern (als Stichwort wurde der Airbag genannt); man müsse die Technologie der Autos verbessern. An einer anderen Stelle warf jemand ein, ob man denn nicht in der Antarktis leben könne…
Wie der grüne Klagenfurter Gemeinderat Julian Schmid richtig einwarf, ging diese Debatte an der Größe der Herausforderung sehr deutlich vorbei. Schade nur, dass schon junge Menschen sich geistig manchmal derart einkesseln… ich kann nur hoffen, dass wir gemeinsam Mut fassen, uns den wirklichen Aufgaben zu stellen ohne Rücksicht darauf, was als „normal“ oder „realistisch“ gilt. Denn realistisch ist nur mehr, den Kapitalismus abzuschaffen.
Die Powerpointfolien zum Artikel gibt es hier.
Zur Nachlese der Workshop-Abstract:
“Peak Oil und Kimawandel – Die Grenzen des fossilistischen Systems”
Abstract:
Der Kapitalismus entfaltete seine Logik des Wachstums und der
Konkurrenz auf Grundlage fossiler Stoffe. Inzwischen nähert sich die
Nutzung der fossilen Ressourcen einer zweifachen Grenze. Der Input wird durch die absehbare Verknappung von Erdöl, Erdgas und Kohle eingeschränkt, während der Output in Form von Treibhausgasen zu einer bedrohlichen Klimaveränderung führt. Dies wird die ökonomischen und sozialen Krisentendenzen der kapitalistischen Produktionsweise vorderhand verschärfen. Vor diesem Hintergrund gilt es, den Kapitalismus durch eine auf Gemeingütern basierende Solidarische Ökonomie zu überwinden. Der Workshop gibt dazu einen Diskussionsanstoß.”


[…] Deutschland, Schweiz) zum Thema als Download. Ein kleiner Eindruck von der Stimmung dort gibt der Weblog-Eintrag hier. « Gesamtrisiko Kapitalismus? – Umweltbundesamt / Radio Ö1 im Risikodialog […]