Die Zinskritik macht die Runde: reaktionär und falsch. Fast könnte man meinen, die Kärntner Grünen sind ein Spiegelbild der politischen Situation dieses Landes. Fast?
Landesvorstand Grüne pro rechter Ideologie?
Der erweiterte Landesvorstand hat laut Grüner Aussendung allen Ernstes den Antrag zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Zur Abschaffung des Zinses“ erhalten. Die Grünen in Kärnten bewerben das „1. Treffen der Arbeitsgruppe“.
Was die Nazis (glücklicherweise) nicht erreichten, will Grünkärnten leisten?
Wer glaubt, diess Frage sei Polemik, irrt. Die Idee von der Abschaffung des Zinses ist so rechts wie irgendwas. Sie war Kernbestand der „ökonomischen Ideologie“ der Nazis. Zur Entschuldigung der Kärntner Grünen kann man lediglich ökonomische Unwissenheit und politische Unbedarftheit anführen. Ob das genügt?
Was (nicht nur) in Wiener Grünkreisen Kopfschütteln auslöst, trifft in Kärnten scheinbar auf reges Interesse: die Zinskritik. So heißt es in der Grünen Aussendung: „Nachdem die Bankkrise uns etwas klar gemacht hat, das immer der Bürger der Letzthaftende ist, erscheint es mir ein Gebot der Stunde, jenen Mechanismus Zins zu untersuchen, der die Banken Mächtig und Reich macht. Drei Aufgabengebiete erscheinen mir geeignet um den Zinsmechanismus zu durchleuchten: Nationalbank EZB, Banksicherstellung (Eigenkapital – Kredite zwischen Banken), Sparguthaben, Schulden – österreichweit (Inflationssteuerung). Ziel ist es, die Mechanismen so zu durchleuchten um ein Volksbegehren österreichweit einleiten zu können.“
Zinskritik
Die „Zinskritik“ geht auf den Kaufmann Silvio Gesell zurück, der eine vermeintlich „natürliche Wirtschaftsordnung“ auf Basis seiner „Freiwirtschaftslehre“ begründen wollte. Gesell meinte, der Zins würde das „Überleben der Fittesten“ gefährden und „leistungsloses Einkommen“ darstellen. Außerdem sei er die Ursache für Krisen. Gesell war ein Sozialdarwinist und Antisemit. Wie auch die Nazis verkürzte er Kapitalismuskritik auf den Zins und identifizierte diesen mit „den Juden“. Nur weil Gesell den Nazis ausgesprochen ähnlich war, wurden die „Freiwirte“ von den Nazis – als politische Konkurrenz – verfolgt. Tatsächlich lieferte Gesell dem Nazi-Chefideologen Gottfried Feder die ökonomische Inspiration, gegen die „Schuldknechtschaft“ und den „Zins“ zu argumentieren. Dass die Nazis den Zins ebensowenig abgeschafft haben wie die Kärntner Grünen das per Volksbegehren realisieren werden, steht auf einem anderen Blatt.
Dieses Blatt ist die ökonomische Realität des Kapitalismus: des Systems aus Lohnarbeit, Markt und Staat. In diesem System hat alles einen Preis. Auch das Geld, dessen Potenz, mehr Geld zu lukrieren, im Zins bezahlt wird. Wer Geld will und Zins nicht, hat vom Kapitalismus nichts verstanden.
Die heutigen Freiwirte sind politisch zumeist marktliberal orientiert, mit Verbindungen zum Keynesianismus, manche sind offen rechtsextrem. Unabhängig von ihrer ausgesprochenen politischen Orientierung ist die „Lehre“ von der „Abschaffung des Zinses“ jedoch offen für den Antisemitismus – zwar sind nicht alle Zinskritiker_innen antisemitisch, aber alle Antisemit_innen sind Zinskritiker_innen. Der Antisemitismus als klassische Krisenideologie des Kapitalismus (die Grüne/UG machte einen Workshop zu diesem Thema, zusammen mit Norbert Trenkle) wird an Virulenz gewinnen. Der Diskurs der „Zinskritik“ bereitet ihm erneut den Boden (wie schon in der Zwischenkriegszeit zur Zeit der Großen Depression).
Der Zins ist schuld?
Heutige Freiwirt_innen, wie sie an den rechten Rändern der (Kärntner) Grünen zu finden sind, aber auch in Teilen der globalisierungskritischen Bewegung, argumentieren vor allem ökonomisch verquer. Sie meinen, dass die Übel des Kapitalismus auf den Zins zurückgehen: 1. Krisen, 2. Wachstumszwang, 3. Konkurrenz, 4. Reichtumsunterschiede. (Diese Position ist besonders kurios, wollte Gesell doch gerade das Wirtschaftswachstum fördern und auch die Konkurrenz. Gegen Reichtumsunterschiede hatte Gesell nichts, solange sie auf dem beruhten, was er unter „ehrlicher Leistung“ verstand.)
Diese Fehlannahmen sind leicht zu widerlegen.
1. Krisen sind dem Kapitalismus (dem System aus Lohnarbeit, Markt und Staat), inhärent. Alle produzieren durch die Konkurrenz gezwungen auf Teufel komm raus – es bauen sich Überkapazitäten auf, was früher oder später zur Krise führt. Derselbe Mechanismus wirkt auf den Finanzmärkten, wo wiederkehrende, durch die Konkurrenz erzwungene Spekulationswellen in finanziellen Blasen resultieren – die ebenfalls früher oder später platzen. Entweder man will ein System der Verwertung von Arbeitskraft oder nicht.
2. Wachstum wird durch die Konkurrenz erzwungen. Ein Unternehmen oder eine Volkswirtschaft, die nicht wächst oder langsamer als die Konkurrenz, geht unter. Wachstum ist aber auch ein Drang, den der Markt bzw. das Geld verursacht. 101 Euro sind immer besser als 100 Euro. Aus 100 Euro 100 Euro machen, ist schlicht sinnlos. In der Geldwirtschaft geht es logischerweise primär um das Geldmachen. Und Geld macht nicht satt, weshalb der „Hunger“ danach unersättlich ist. Entweder man will eine Geldwirtschaft anstelle direkter Kooperation oder nicht.
3. Die Konkurrenz gehört zum Markt wie das Amen zum Gebet. Entweder man will Markt oder man will ihn nicht. Auf dem Markt sprechen sich Menschen nicht darüber ab, was sie für wen wie produzieren wollen. Sie stehen daher in Konkurrenz zueinander.
4. Auch ohne Zins vergrößert sich die Reichtumsschere im Kapitalismus. Wer Profite macht (also Unternehmergewinn, Zins, Aktiendividende, Grundrente), akkumuliert sie – Profit wird ja zum allergrößten Teil nicht konsumiert, sondern wieder investiert. Wer keine Profite macht, sondern von Lohn oder Transferleistungen lebt, kann diese nicht akkumulieren. Diese Logik wirkt völlig unabhängig vom Zins und führt zu einer Vergrößerung der Reichtumsunterschiede. Wer reich ist, wird noch reicher.
Einige Links mit ausführlicheren Überlegungen zur „Zinskritik“ und wirklichen Alternativen zum Kapitalismus hier:
Die Debatte um die Zinskritik ist in grünorientierten und fortschrittlichen Kreisen in der Regel bekannt. Dass sich die Kärntner Grünen mit derart basalen Themen offenbar noch nie auseinandergesetzt haben spricht nicht gerade für ihre ökonomische und politische Kompetenz. Aber was nicht ist, sollte ja noch werden. Ein Diskussionsanstoß ist gemacht.
Vom Autor erscheint im Frühjahr ein Beitrag zur Kritik der „Zinskritik“ im Sammelband „Mythen der Krise“, herausgegeben vom renommierten und (teilweise) grün-nahen Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM).


[…] This post was mentioned on Twitter by Thomas K. and Ingo B., topsy_top20k. topsy_top20k said: Zins abschaffen? Kärntner Grüne ökonomisch alphabetisieren! http://tinyurl.com/ygwhdrx […]
Danke vielmals für diesen Beitrag! Habe mich selber lange genug mit den kärntner Grünen und ihrer Ideologiefeindlichkeit rumgeärgert. Die haben mit Reinhold Gasper übrigens auch noch einen Gemeinderat (klagenfurt), welcher mitte der 90er am Ulrichsberg als Ehrengast begrüsst worden ist und im laufen Anträge für die Sanierung von deutschnationalen Denkmälern stellt. Das alles sieht mensch bei den k-grünen aber „ned so eng“, wie ichs mal nett formuliert bekam. Auweia!
danke vielmals für die rückmeldung! reinhold gasper kenn ich nicht persönlich, ich weiß lediglich aus mitteilungen, dass die gründung der kärntner grünen – wie überall – einen linken und einen ziemlich konservativ-rechten flügel vereinte. wie kommt es bitte, dass ein grüner gemeinderat als ehrengast auf dem ulrichsberg aufkreuzte? das ist ja extrem schräg. gibt es dazu texte, quellen? und wie bitte kommt er dazu, nationalistische scheiße finanzieren zu wollen – falls das stimmt? (in kärnten springen einem die rechten „heldendenkmäler“ ja überhaupt nur so ins auge, dass einem graust.) also daran wäre ich schon interessiert, das ist ein wichtiges thema! ich sehe auch nicht ein, warum man sich mit dem erbärmlichen politischen zustand dieses landes abfinden sollte. die grünen sind m.e. auch entwicklungsfähig, aber man muss da einiges tun. lg, andreas
Gasper war damals noch VGÖler, was ja einiges erklärt. Jedenfalls gibts ein Video von der Begrüssung, ich werde mal danach suchen und es dir zukommen lassen.
Ansonsten ist Gasper laut Eigenaussage auch Mitglied bei der kärntner Landsmannschaft, welche ein Sammebecken deutschnationaler aller Coleur ist und schonmal Jubelberichte übers Ulrichsbergtreffen schreibt. Bezeichnend ist, dass Gasper in seinem relativierenden, auf einer plumpen Totalismustheorie basierenden Weltbild, auch gerne für die Postille der KLM schreibt, noch dazu über (schauscha), die „gräuel der PartisanInnen“.: http://www.landsmannschaft.at/modules.php?name=News&file=article&sid=22
Hier übrigens noch ein uber-Jubelbericht der KLM.: http://www.landsmannschaft.at/modules.php?name=News&file=article&sid=220
Wie kommt Gasper dazu, solche Denkmäler zu unterstützen? Nun, das müsstest du ihn schon selber fragen 😉 Arg is halt, dass ihn die klafu-Gemeinderatsfraktion dabei unterstützt. Was genau Gasper (der schonmal gern seinen Kärntneranzug spazierenführt) jetzt alles im Gemeinderat beantragt hat kann ich dir nicht genau sagen, hab die Infos mal vor ein paar Jahren aus dem klagenfurter Gemeindeblattl, mittlerweile aber schon verschmissen, sorry. Jedenfalls hat er irgendein Denkmal-Ressort inne.
JEdenfalls isser sich nicht zu schade, eine Gedenktafel für den Dichter der kärntner Landeshymne zu beantragen und die Nazi-Dichterin Agnes Millonig als „von den Nazis verschmäht“ zu bezeichnen. Die im folgenden Artikel erwähnte Denkmal-AUfstellung für Millonig durch Haider löste übrigens Proteste der SJ Steiermark aus. ANstatt sich diesen anzuschliesses relativiert Gasper ihre Rolle. Über den Sinn und Zweck von nationalistischen Ritualen wie dem Absingen einer Landeshymne wird natürlich schon garnicht diskutiert.: http://klagenfurt.gruene.at/antraege/artikel/lesen/21564/
Noch ein bissi was.: Gasper gründete ja vor ein paar Jahren eine „alternatve“ Komission, welche für die Umbenennung klagenfurter Nazi-Straßennamen eintreten sollte. Unlustigerweise macht sich Gasper auch schonmal für eine Gedenktafel des Nazis Eberhard Mranzmayer stark.: http://klagenfurt.gruene.at/antraege/artikel/lesen/18253/ , zu kranzmayer im wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Kranzmayer
GAsper pro militaristisches Denkmal dr „freiwilligen Schützen“, welche ja später als „Gebirgsjäger“ in die Wehrmacht aufgenommen wurden. Beim Denkmal legen KAB, ÖKB und co übrigens jedes Jahr kränze ab.: http://klagenfurt.gruene.at/antraege/artikel/lesen/18274/
Ein denkmal für die „deutschfreundlichen Slowenen“.: http://klagenfurt.gruene.at/antraege/artikel/lesen/18367/
Noch ein abwehrkämpfer-denkmal.: http://klagenfurt.gruene.at/antraege/artikel/lesen/18407/
Und das is nur das Zeug, welches im Netz zu finden is….
zu GR Gasper:
wenn das mitte der neunziger war, war er nicht bei den Gruenen, sondern beim VGO.
Was die Zinsgschichte angeht, was ist bitte schlimm an einer Arbeitsgruppe? ausser das der Titel sehr in einer Richtung fuehrt,
ich mocht da schon ANDREAS EXNER einladen mitzumachen und seine fundierten Agrumente den Mens.chen vorzubringen, weil einfach nur lustige BLOGEINTRAEGE schreibe. WER die GRUENEN und die NAZIS in einen Topf wirft hat wohl nicht alle Tassen im Schrank, um bei Topfe und Pfannen zu bleiben. Ausser dein Blog will POLEMISCH und nicht inhaltlich sein, dann isses ok, aber dann frag ich mich wie man einerseits polemisch und andererseits streng wissenschaftlich sein will :-)….
Gasper war als VGÖ-Mitglied am Ulrichsberg, was es je nicht besser macht. Schliesslich löst sich seine Unterstützung für Teile der extremen Rechten durch einen Übertritt in eine andere Partei nicht einfach in Luft auf. Es geht doch nicht um die Parteizugehörigkeit, sondern um die Inhalte. Und Gedenktafeln für deutschnationale, militaristische Vereine und Nazi-Dichter unterstützte er in den letzten paar Jahren als grüner Gemeinderat. Die genauen Quellen dazu hab ich schon gepostet, müssen nur noch vom Andreas freigeschalten werden .
Zwex polemik vs. wissenschaftlich: Dass Zinskritik zumindest sehr weit Rechtsoffen, mindestens aber schlicht kurzsichtig ist heisst nicht, dass die Grünen Nazis wären. Es heisst jedoch, dass sich die kärntner Grünen mit einer linken, antikapitalistischen Kritik einfach nicht vertraut gemacht haben und es aufgrund dessen (und der politischen Gegebenheiten in Koroska) halt naheliegt, dass rechte Ideologien auch in der grünen Partei einzug halten. Selbstreflexion wäre angebracht, nicht nur ein beleidigtes „wir sind doch eh ned rechts“. Input dafür hat der Andreas eh genug geliefert, selber bissl was raussichen is natürlich auch ned verquer, anstatt immer zu sagen „na dann zeig doch mal, wie’s richtig geht!“.
hi
die quellen von grftjx schalt ich frei sobald ich wieder daheim bin und zugang zum passwort hab ;-).
danke dafür schon im voraus.
mangelnde sensibilität gegenüber strukturell antisemitischen diskursen wie der zinskritik (die davon abgesehen auch ökonomisch unsinnig ist und jedenfalls nicht emanzipatorisch) ist gerade in kärnten von besonderer tragweite. das ist ja wohl selbstverständlich.
ich erkläre dies – den zusammenhang der zinskritik mit dem ns (ich schreibe nicht dass die grünen nazis sind – bitte lesen) – nun nicht noch einmal, da in den links, die im blog angegeben sind ausführlich argumentiert. bei attac haben wir eine extra broschüre zu dem thema gemacht: „die blinden flecken der globalisierungskritik“. im ersten moment sagen viele, „aber wir sind doch nicht rechts“ – wenn man aber nüchtern analysiert, kommt man (hoffentlich zum eigenen produktiven erschrecken) drauf, dass zwischen „links“ und „rechts“ oft kein unterschied besteht.
man kann anderer meinung sein, aber argumente schlicht zu wiederholen ist wohl nicht sinnvoll.
das muss, wenn die erkenntnis mal soweit reicht – wozu, wie bei jeder erkenntnis, eine gewisse nüchternheit und des-identifikation mit der eigenen sozialen rolle erfordert ist – zu konsequenzen führen.
das zweite thema ist das der personen selbst, wo sie sich explizit politisch verorten (unabhängig von den strukturell rechten diskursen, die sie zum teil pflegen). wenn man leute mit verbindungen zur expliziten rechten in die grünen einbindet, dann ist das ungeheurlich.
kritik, polemik etc.: ehrlich gesagt war meine kritik nicht polemisch. wenn sie so rüberkommt, dann wohl deshalb, weil es sich bei zinskritik tatsächlich nicht um ein „thema wie jedes andere“ handelt.
wissenschaftlichkeit: tja, da müsste man wohl darüber reden, was man darunter versteht. ich halts da jedenfalls mit marx.
Lieber Andreas,
grundsätzlich versuche ich mich politisch aus jeglicher Diskussion herauszuhalten, da meine Aufgabe in der Organisation der Landespartei liegt. Doch diesmal ist es auch mir zuviel.
Höchstwahrscheinlich hast Du mit vielen Deiner Argumente recht, doch seit wann ist es verboten in ein basisdemokratisches Mittel wie eine Arbeitsgruppe einzurichten um so einen breiteren Diskurs inerhalb der Partei zu führen. Nach dem neuen Statut der Grünen Kärnten steht es jedem Mitglied frei Arbeitsgruppen zu bilden, der Landesvorstand bestätigt diese. Der Grund der Bestätigung ist jener, die Mitglieder und Sympathisanten einladen zu können um so breit wie möglich diskutieren zu können. Das Bestätigen einer AG ist jedoch kein inhaltliches Statemant was inhaltlich Grüne Linie ist oder nicht. Das soll genau jenen Prozess in Schwung bringen, den Du ja jetzt mit unterstützt – eine differenzierte Diskussion und somit auch mehr Klarheit und Kompetenz in den Inhalten auf breiter Basis. Es würde mich sehr freuen wenn Du Dein Wissen wie auch Deine Kompetenz in dieser Arbeitsgruppe einbringen würdest. Dies wäre dann wirklich ein basisdemokratischer Prozess und eine Auseinandersetzung die hoffentlich uns allen was bringt.
Kathrin
Liebe Kathrin
Was mir auffällt ist der seltsame Umgang mit Kritik bei einigen (nicht allen) Kärntner Grünen. Da ist die Rede davon, man müsse erst Teil des „Kollektivs“ sein, um Kritik üben zu dürfen. Da war auch die Rede davon, man müsse sich „der Gruppe unterwerfen“ (O-Ton von einem namentlich hier nicht zu nennenden Grünfunktionär). Diese „Unterwerfung“ (O-Ton) und diese Unterordnung unter das „Kollektiv Partei“ müsse im „Mitwirken“ bestehen – „konstruktiv“ natürlich (wie das ja immer in der Art formuliert wird, wenn es um die Abwehr von Kritik geht) etc. p.p.
Das ist genau die geistige Provinzialität, die „Kärnten“ charakterisiert und wozu auch die Grünen m.E. Gegewehr organisieren sollten. Der „Nestbeschmutzer“-Diskurs einiger der in der Partei aktiven (nicht aller) ist wirklich von gestern, im schlimmsten Sinn.
Ich schrieb niemals von „Verbot“ – das wäre ja reichlich skurril.
Ich bin ja nicht einmal dafür, dass AGs von irgenwelchen Vorständen „genehmigt“ werden sollten – das machten wir damals bei Attac, wo ich länger aktiv war, auch nicht; und das geschieht auch bei den Uniprotesten in Wien, wo ich involviert bin, nicht – oder dass es überhaupt „Vorstände“ geben soll und muss.
Ich nehme lediglich die „Einrichtung“ der AG – auch von „Einrichtung“ schrieb ich nicht, weil es in der Grünen Aussendung lediglich hieß, ein Antrag zur Einrichtung sei gestellt worden – als das, was sie ist: ein politisches Zeichen.
Ich vertrete nicht die Auffassung, dass man „eine Linie“ vertreten sollte oder irgendwelche „Vorstände“ Arbeitsgruppen genehmigen sollten oder müssen. Ich halte diesen Zugang für ein Problem (der in der Partei als sozialer Organisationsform steckt und auch in den Gewerkschaften, die sich an der Parteiform ein Vorbild nehmen oder Teil einer Partei sind). Es stellt sich schlicht die Frage, wie man eine Gruppierung einschätzen soll, die besagte AG offiziell ankündigt (was nicht hätte geschehen müssen) und damit politisch ein Zeichen setzt. Eine solche Einschätzung habe ich gegeben.
Wäre es in der AG um „Alternativen zum Kapitalismus“ oder „Alternativen zu Lohnarbeit, Markt und Staat“ (das wäre präziser) gegangen, wo sich die Breite der sozialen Bewegungen, die zu diesem Thema arbeiten und verschiedene Ansätze (auch in Kärnten) entwickelt haben, wiederfindet – und wozu die Grüne/UG ja Beiträge geliefert hatm ebenso wie die GBW – wäre die Sache anders.
So aber ist eine spezifische, und sicher keine „zufällig“ so zustande gekommene Botschaft formuliert. Egon Rubin hab ich schon mal bei einer Veranstaltung kurz darauf hingewiesen, dass ich Zinskritik für problematisch halte. Ich finde, es ist eine Holschuld, sich auch Wissen zur Kritik der Zinskritik anzueignen. Es blieb auch den Kritiker_innen der Zinskritik nicht erspart, sich mit selbiger zu befassen.
Was mir auffällt ist, dass man jahrelang inhaltliche Arbeit leisten kann (auch bei den Grünen, die ja bis dato auch für Nicht-Parteimitglieder offen waren), und dann fällt, als würde niemals über irgendetwas diskutiert worden sein, eine solche AG „vom Himmel“. Das erstaunt zumindest. Angesichts des Themas der AG besorgt es auch.
Was den „Schaden für die Grünen“ angeht, der angeblich einer Kritik entspringt, so gilt zum Ersten das oben zur Kritikfeindlichkeit mancher Grüner Gesagter; zum Zweiten aber, und das ist mein Ernst, beschädigt es vor allem das Image der Kärntner Grünen, das schon jetzt als eher „provinziell“ und „rückständig“ gilt. Ich führe das nicht weiter aus. Ich halte es jedenfalls nicht von Vorteil, dies für ein Positivum zu erachten. Aber, wie gesagt, das sagt ein Nicht-Parteimitglied – der die Grünen angesichts der Kärntner politischen Landschaft – zumindest für ein geringeres Übel hält (wohlgemerkt: ich halte auch die Arbeiterkammer primär für ein „geringeres Übel“, nicht für einen emanzipatorischen Fortschritt oder „Hort der Emanzipation“; Kritik impliziert Selbstkritik) und darüberhinaus einzelne Personen (!) als wichtige Promotor_innen einer „anderen Gesellschaft“, die nicht nur möglich, sondern inzwischen bitter nötig ist.
LG, Andreas
Bei all meinem Verständnis für diese Argumentation kann ich mich des Eindrucks einer linksfaschischtoiden Ideologie nicht erwehren.
Im ELV der Grünen war meine Stimme die einzige die gegen die AG war, trotzdem bin ich bereit hier mitzutun. Und nur so kann die Basis von uns Grünen erweitert werden
Also: keine LINKSFASCHISMUS sondern Diskussion.(Auge in Auge)
Linksfaschischmus ist mit den Zielen der Menschen um Karl Marx zum Beginn des 20JH nicht vereinbar. Ich weiß, dass war sehr basal.
Ich weiß nicht, was Du mit Linksfaschismus meinst. An sich ein kommunistischer Kampfbegriff aus der italienischen Debatte der Zwischenkriegszeit, soweit ich weiß – gegen die Sozialdemokrat_innen und andere, die mit den Rechten strategische Allianzen schlossen, gerichtet. Scheint also weniger auf mich als auf manche Grüne zuzutreffen.
Einen Kommentar noch dazu von mir in diesem Jahr.. 😉
Harald Fasser ist Historiker, studiert Geschichte an der Universität (sorry falls du schon fertig bist, so genau weiss ich das nicht), er kennt sich also in dem Bereich durchaus aus!
Ich sehe das so, wenn du ANDREAS, bei der Gruppe BZGL Zinsen nicht aktiv mitmachst (nicht 1 mal vorbeischaun und dann sagen, interessiert micht nicht) dann hast du f mich jede Glaubwürdigkeit verloren.
Mir kommt vor dir gehts nur ums kritisieren! Dir muss klar sein, wer die Grünen schwächt stärkt damit indirekt das BZÖ, FPK, ich glaub nicht das du sowas willst oder ?
Ich bin auch mit einigen nicht einverstanden, und ich übe meine Kritik wenn ich sie angebracht finde auch, intern, aber ich schreibe keine Blogeinträge und mach mich damit (pseudo) wichtig.
Und so einen Satz, ob mit Fragezeichen oder nicht:
„Was die Nazis (glücklicherweise) nicht erreichten, will Grünkärnten leisten?“ verbitte ich mir, und eine Entschuldigung oder zumindest Abänderung ist das mindeste!
Ausserdem fordere ich eine Änderung des BLOGNAMENS, du bist nicht die GRUENE/UG, du bist ein Teil davon, schreib ANDREAS Exner Blog (auch URL) oder was auch immer, wenn das die Presse liest ist sie verwirrt und druckt vielleicht deine persönliche Meinung noch als Gruene/UG Meinung ab!! Aussserdem bist du unabhängiger AK Rat, wieso steht das nirgends? Wenn man nicht weiss wer du bist könnte man glauben du wärst GRÜN. Konkretisier das, oder machst du das absichtlich? ES gibt auch kein OFFIZIELLES IMPRESSUM, sowas geht nicht, widerspricht glaub ich sogar geltendem Recht!
Trotzdessen, guten Rutsch, auf ein besseres Jahr 2010, mit mehr und besseren Ergebnissen f. die ArbeitnehmerInnen und Arbeitnehmer in Kaernten. Jeder echte und TATKRAEFTIGE Einsatz wuerde einige Leute sehr freuen, den Gruenen UG mehr bringen, und auch UNSERER Sache mehr dienen als hier Stunden mit blogschreiben und kommentiern JEMALS schaffen werden! Vielleicht nimmst du das ins naechste Jahr mit.
mfg
Ich weiß nicht, wozu Dein Beitrag dienen soll. Es steht allen frei, Blogs zu betreiben. Es ist offensichtlich, dass politisch zwischen uns Welten liegen. Eine Kooperationsbasis zwischen der Position, die Du vertrittst und habituell verkörperst (marktorientiert, systemkonform, opportunistisch), und einer an Überwindung von Herrschaft orientierten sehe ich nur in sehr kleinen Bereichen. Nachdem Du weder gewerkschaftlich interessiert bist, noch AK-wahlberechtigt (m.W.), wärs nett oder jedenfalls naheliegend, wenn Du Dich aus der Gewerkschaftsarbeit eher raushältst.
Mir gehts um die Sache, grüne sind nicht ins Rechte Lager einzuordnen.
Zitat:
„Was die Nazis (glücklicherweise) nicht erreichten, will Grünkärnten leisten?“
Wenn du meinst das is gscheid – das zu schreiben, bitte, schreib halt, die ECHTEN RECHTEN werden sich darüber freuen wenn einer von der GRÜNEN/UG sowas behauptet! denk mal drüber nach…
Aber ich weiss, das is dir ja komplett egal… und genau das is das Problem..
du ahnst gar nicht, wieviel ich nachdenke ;-)))… da würde dir ganz schwummrig. nein, im ernst: ich denke, zu dem thema ist alles gesagt. wer denken kann, wird verstehen, dass ich das schreibe, weil es mir alles andere als komplett egal ist, was die grünen in kärnten tun oder nicht tun. diese posting richtet sich an leser_innen. danke.
Anstatt das pro und contra von Zinsen zu diskutieren, verwendet doch einfach ein Zahlungsmittel, das ohne Zins auskommt.
Hier geht es lang:
http://rheingoldblog.wordpress.com
Erst kapieren dann schreiben!
http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/article/nur-zwei-buecher
Es wäre – nachdem die Position der Zinskritik bekannt ist – gut, auf die Argumente gegen die Zinskritik einzugehen, die da sind:
Der Zins ist nicht die Ursache von Krisen, von Reichtumsunterschieden, Konkurrenz und des Wachstumszwangs.
Die grundlegenden Argumente sind im Weblogbeitrag gegeben.
Ausführlicher in den angegebenen Links:
http://www.streifzuege.org/2009/sackgasse-regionalwaehrung
http://www.streifzuege.org/2007/mythos-geld-ein-diskussionsanstoss-in-5-akten
http://www.streifzuege.org/2005/bye-bye-zinskritik
Und im Beitrag für das kommende BEIGEWUM-Buch „Mythen der Krise“ (erscheint im Frühjahr)
http://zuwoal.jimdo.com