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Die Studierendenproteste sind für den Moment abgeflaut. Die Aktivitäten gehen aber weiter. Für 11. und 12. März ist ein Gegengipfel zu den „Bologna-Feierlichkeiten“ in Wien geplant. Blockaden, Gegenveranstaltungen und Workshops werden organisiert. Die Grüne/UG ist in die bundesländerübergreifenden Aktivitäten involviert.

Jetzt ist die bildungskritische Broschüre „Jenseits von Humboldt“ unter Mitarbeit von Grüne/UG-AK-Rat A.Exner und U.Isop (die für die Grüne/UG im AK-Wahlkampf kandidierte) erschienen. Sie ist das erste Produkt der „Kritischen & Solidarischen Universität – KriSU“ und ihres Umfelds. Die AUGE/UG unterstützt die Herausgabe (durch die antikapitalistische Plattform „Massenuni“) finanziell.

INHALT

Broschüre, 90 Seiten A4, Leimbindung, Auflage 500-700 Stück

Plattform MASSENUNI (Hg.): „Jenseits von Humboldt. Von der Kritik der Universität zur globalen Solidarischen Ökonomie des Wissens Workshop, Dokumentation & theoretische Hintergründe – eine Textsammlung“

Spende: mindestens 4,- Euro

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort & Aufruftext zum Workshop.

KAPITEL 1: WORKSHOP-INPUTS „Von der Unikritik zur solidarischen Ökonomie der Bildung“

Markus Schallhas: Welche Uni? Zugang zum und Unabhängigkeit vom herrschenden System.

Markus Schallhas: Was ist „Verschulung“?

Petra Ziegler: Ökonomisierung der Bildung & Krise

Martin Birkner: Do you remember Wissensfabrik?, oder: Warum auch 2009 die Universität zerschlagen werden muss

Brigitte Kratzwald: Für eine solidarische Universität in einer solidarischen Gesellschaft

Franz Nahrada: Dogmatischer Pluralismus – zum Zustand der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

Petra Neuhold & Paul Scheibelhofer: Antirassistische Perspektiven auf den Bologna Prozess und die Uniproteste

KAPITEL 2: TEXTE DER UNIVERSITÄREN PROTESTBEWEGUNG 2009

Statement gesamtgesellschaftliche Einbettung und Forderungen

AG Emanzipative Uni: AG Emanzipative Uni

Stellungnahme der Lehrenden- und Forschendenversammlung an österreichischen Bildungseinrichtungenzum
Internationalen Bildungsaktionstag am 17.11.2009 + Forderungskatalog

Aufruf zur Kritischen und Solidarischen Universität

Robert Foltin: Bewegungen der Studierenden in Österreich

Andrea Benino: Die perfekte Welle … … reißt den G8 der Universitäten fort

Elsa Dorlin: Die Sorbonne gegen die Zentauren

KAPITEL 3: THEORETISCHE HINTERGRÜNDE: VON DER KRITIK DER BILDUNG ZUR
SOLIDARISCHEN ÖKONOMIE

Erich Ribolits: Bildung – Kampfbegriff oder Pathosformel?

George Caffentzis & Silvia Federici: Anmerkungen zur edu-factory und zum kognitiven Kapitalismus

André Gorz: Welches wissen? Welche Gesellschaft?

Utta Isop: Emanzipatorische betroffenenkontrollierte Forschung aus feministischer und geschlechterkritischer Perspektive

Eva Egermann / Frigga Haug (Interview): Kollektives Widerstandslernen organisieren!

Paul Singer: Universitäten und die „Solidarische Ökonomie“ – Was von Brasilien zu lernen ist

Philip Taucher: Freie Bildung in Widersprüchen denken

Ziele und Organisation der Kritischen Universität (Berlin 1967)

Hier auch zum Online-Download verfügbar: Link

2 Kommentare am 4. Januar 2010

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Die Grüne/UG hat ihre Website nun auf die Website der AUGE/UG, deren Landesorganisation wir in Kärnten sind, verlagert. Die URL zum Link der Kärntner Landeswebsite wird noch vereinfacht werden.

Die AUGE/UG tritt für eine Alternative zum Kapitalismus ein. Sie ist ökologisch ausgerichtet, arbeitet unabhängig von Parteien und zielt auf eine Demokratisierung der Gewerkschaften. Die AUGE/UG lehnt die sozialpartnerschaftliche Stellvertreter_innenpolitik ab. Sie setzt sich für eine umfassende Anti-Diskriminierung ein. Ihre Arbeitsweise ist offen und partizipativ im Rahmen dieser Grundsätze.

Aus dem Programm der AUGE/UG (Grüne/UG):

„Als Alternative, Grüne und Unabhängige GewerkschafterInnen haben wir die reale Verfasstheit der österreichischen Gewerkschaftsbewegung stets kritisiert. Und wir kritisieren sie weiterhin. Als Alternative, Grüne und Unabhängige GewerkschafterInnen haben wir uns allerdings stets als Teil der Österreichischen Gewerkschaftsbewegung verstanden und kämpfen für Reformen in den Gewerkschaften und eine Neuausrichtung gewerkschaftlicher Politik.

Unser Name ist dabei Programm:

Wir sind alternativ, weil wir nach wie vor der Meinung sind, dass es Alternativen zum kapitalistischen System braucht und eine solidarische, demokratische und ökologische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung jenseits von Ausbeutung von Mensch und Natur möglich ist. Und gerade die schwerwiegende Krise des kapitalistischen Systems bestätigt uns einmal mehr darin, dass die Suche und das Aufzeigen von Alternativen aktueller und notwendiger denn je ist. Wir sind in diesem Sinne eine gewerkschaftliche Gruppierung, für die der Kapitalismus nicht das Ende geschichtlicher Entwicklung darstellt bzw. darstellen kann.

Wir sind grün, weil für uns selbstverständlich ist, dass der Kampf um den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen auch in der Gewerkschafts- und ArbeitnehmerInnenpolitik eine wesentliche Rolle spielen muss. Entsprechend setzen wir uns auch in allen gewerkschaftlichen Gremien und in den Arbeiterkammern für eine umfassende Ökologisierung der Arbeitswelt und der Wirtschaft ein. Gleichzeitig steht für uns „grün“ bzw. „grün-alternativ“ auch für eine Idee, die Idee von sozialer Gerechtigkeit, von Umverteilung, Gleichstellung von Frauen und MigrantInnen usw.

Wir sind unabhängig, weil wir der festen Überzeugung sind, dass gewerkschaftliche Interessensvertretung
unabhängig von Parteien stattfinden muss, weil wir nur allzuoft erlebt haben, dass gewerkschaftliche Positionen parteipolitischen „Notwendigkeiten“ zum Opfer fallen. Gewerkschaftspolitik muss eigenständig und unabhängig erfolgen, ohne falsche Rücksichtnahme auf parteipolitische Interessen, um glaubhaft bleiben zu können.

Entsprechend gibt es bei uns auch klare Unvereinbarkeitsregelungen: wer ein gewichtiges öffentliches Amt (Regierungsmitglied, Abgeordneter zu einer gesetzgebenden Körperschaft usw.) für eine Partei ausübt, kann keine Funktionen für die AUGE/UG bekleiden.

Wir sind GewerkschafterInnen, weil die Gewerkschaft für uns selbstverständlich jene Organisation ist, in der sich ArbeitnehmerInnen zusammenschließen um ihre Interessen wirkungsvoll vertreten, organisieren und durchsetzen zu können. Ohne Gewerkschaftsbewegung, ohne „Kampforganisationen“ und soziale Kämpfe der ArbeitnehmerInnen wären sozial- und arbeitsrechtliche Errungenschaften nie durchgesetzt geworden. Wir sind daher selbstverständlich Teil der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, auch wenn die „real existierenden“ Gewerkschaften und die „realexistierende“ Gewerkschaftspolitik nur bedingt unseren Ansprüchen an eine Gewerkschaftsbewegung gerecht wird.

Wir kämpfen daher in den Gewerkschaften im Verband der „Unabhängigen GewerkschafterInnen“, dem gemeinsamen Dachverband alternativer, unabhängiger und kritischer Gewerkschafts- und Betriebsratsgruppierungen für offene, demokratische und kämpferische Gewerkschaften. Zentrale Anliegen sind uns dabei:

* Die umfassende Demokratisierung der Gewerkschaften. Das beinhaltet die Direktwahl von Gewerkschaftsfunktionen und Gewerkschaftsgremien durch die Gewerkschaftsmitglieder und regelmäßige und verbindliche Urabstimmungen bzw. Mitgliederbefragungen zu gewerkschaftsrelevanten Fragen unter den Gewerkschaftsmitgliedern ebenso, wie die Öffnung der Gewerkschaften gegenüber sozialen Bewegungen und NGOs. MigrantInnen, Arbeitslosen und prekär Beschäftigten müssen in den Gewerkschaften Plattformen zur
Selbstorganisation geboten werden.

* Eine Neuorientierung der Frauenpolitik und Frauenvertretung in den Gewerkschaften

* Eine Neuausrichtung gewerkschaftlicher Politik, die neben der Aktivierung und Politisierung der Gewerkschaftsmitglieder vor allem eine Verabschiedung aus der sozialpartnerschaftlichen Stellvertretungspolitik
bedeutet. Gewerkschaften müssen ihr Selbstverständnis gegenüber Staat und Parteien neu definieren, autonomer agieren und ‚Gegenmacht’ zu negativen gesellschaftlichen Entwicklungen entwickeln. Gewerkschaften sollen vor allem auch den Raum und die Möglichkeiten für Projekte und Initiativen gegen Rassismus, Sexismus und Ausbeutung in Gesellschaft und am Arbeitsplatz bieten.“

keine Kommentare am 2. Januar 2010

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Betriebsrat Horst Ragusch bemüht sich darum, die Anerkennung der work@flex-Gruppe der GPA in Kärnten zu erreichen.

Die Grüne/UG unterstützt dieses wichtige Anliegen und bittet um entsprechende Unterschriften im work@flex-Mitgliedsformular, das hier bereit steht. Als Unterstützer_innen/work@flex-Mitglieder gelten allerdings nur Gewerkschaftsmitglieder der GPA!

Das analoge Formular zur Mitgliedereintragung ist u.a. über andreas.exner ÄT chello.at erhältlich.

Die work@flex-Gruppe kümmert sich um atypisch Beschäftigte, sie ist, im Unterschied zu anderen Gewerkschaftsbereichen, partizipativ und als Netzwerk organisiert und vertritt einen emanzipatorischen gesellschaftspolitischen Anspruch. Eine Orientierung, für die auch die Grüne/UG eintritt.

Aus dem work@flex-Statement: „Hast du einen freien Dienstvertrag? Arbeitest du mit Werkverträgen? Hast du einen Gewerbeschein, aber keine eigenen Angestellten? Dann bist du bei work@flex genau richtig.“

keine Kommentare am 2. Januar 2010

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Nachdem die Debatte um die AG Zinskritik der Kärntner Grünen einige Fragen zum Verhältnis von „links“ und „rechts“ aufgeworfen hat, sei hier auf eine Broschüre verwiesen, die wir vor Jahren im Rahmen von Attac Österreich mit Beiträgen von Anton Pelinka, Norbert Trenkle, Doron Rabinovici u.a. produziert haben.

Im Unterschied zu manchen bei den Kärntner Grünen war sich Attac der Problematik der „Zinskritik“ und anderer Ideologeme der Globalisierungskritik sehr bewusst und hat rasch publizistische Gegenwehr organisiert.

Die Broschüre führt in die Funktionsweise, die Symbolik und die Kritik des Antisemitismus als einer klassischen Krisenideologie des Kapitalismus ein und diskutiert problematische, weil an den Antisemitismus anschlussfähige (und ökonomisch falsche) Arten von „Kapitalismuskritik“ bzw. Globalisierungskritik.

Freier Download hier.

Link zu dem im Vorfeld der Broschüre von Attac organisierten Kongress hier.

keine Kommentare am 2. Januar 2010

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Das Hypo-Debakel nutzen die Kärntner Grünen verständlicherweise, um sich selbst in Stellung zu bringen. Das BZÖ gehört weg aus der Landesregierung, das ist keine Frage. Ob die Grünen jedoch soviel menschenfreundlicher agieren würden, wären sie an der Regierung, sei dahingestellt.

Zweifel kommen, wenn man sich vor Augen führt, dass auch die Grünen – wie Neoliberale seit Jahr und Tag – vor allem den Schuldenabbau im Auge haben. Dass das ohne soziale Schäden vonstatten gehen kann, wird zwar behauptet. Nachvollziehbar ist dies aber nicht.

Ohne Verschuldung wäre der Kapitalismus – nicht nur in Kärnten – schon weit früher in die offene Krise geraten. Verschuldung und Krisen sind dem Kapitalismus, dem System aus Lohnarbeit, Markt, und Staat, eingebaut. Daran ist nicht „schlechtes Management“ schuld (ganz abgesehen davon, dass das Management die Funktion hat, Menschen auszubeuten – was sollte dann ein „gutes Management“ bitte sein?)

Dass sich Politiker_innen verschiedener Provinienz die eigenen Taschen füllen oder sinnlose „Prestigeprojekte“ finanzieren, ist bedauerlich und zu kritisieren. Die Wurzel des Übels aber liegt darin nicht.

Deshalb werden auch die Grünen, sollten sie an die Landesregierung kommen, und ihre inhaltliche Ausrichtung nicht in Richtung Systemalternativen ändern, kaum wesentlich anders agieren (können): nämlich mit einer Politik des Schuldenabbaus – was sie ja bereits jetzt offen proklamieren.

Ein ausgeglichener Haushalt heißt in Zeiten der Krise freilich brutalster Sozialabbau. Dass die Grünen dazu fähig sind, sollte spätestens seit Hartz IV auch den Naivsten klar geworden sein. Und das war nur ein „Vorspiel“ für das, was kommt, wenn eine Alternative zum Kapitalismus ausbleibt.

Solange die Grünen sich in Opposition befinden, ist diese Gefahr nicht sichtbar. Absehbar aber ist es schon lange. Warum in der Grünpartei kein Interesse an einem bedingungslosen Grundeinkommen besteht, das zumindest ein allererster, kleiner Schritt aus dem Lohnarbeitssystem wäre, erklärt sich durch den Opportunismus der Partei. Dass es kein sichtbares Interesse an einer Solidarischen Ökonomie gibt, zu der es (auch in Kärnten) Ansätze gibt, erklärt sich aus demselben Grund. Die vereinzelten Grünpolitiker_innen, die sich (auch in Kärnten) für solche Themen einsetzen, sind im Angesicht der „schweigenden Mehrheit“, der blind marktorientierten Fraktion in der Partei (noch) zu schwach, um wirklich Gehör zu finden oder sich durchzusetzen.

Eine Erklärung heißt freilich nicht, dass dies auch gut zu heißen ist.

Ganz im Gegenteil: Stimmenmaximierung ist für niemanden eine Entschuldigung. Schon gar nicht für die Grünen.

Die einzige Antwort auf die Verschuldungskatastrophe wäre ein Schuldenmoratorium, die ersparten Kosten müssen für den Ausbau einer kostenlosen sozialen Infrastruktur, die vor allem den arm gemachten Menschen zugute kommt, verwendet werden – sowie für eine Solidarische Ökonomie, die Schluss macht mit Lohnarbeit, Kommandostrukturen und einer verselbstständigten Politik im Dienst von Markt und Kapital.

6 Kommentare am 27. Dezember 2009

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Die Zinskritik macht die Runde: reaktionär und falsch. Fast könnte man meinen, die Kärntner Grünen sind ein Spiegelbild der politischen Situation dieses Landes. Fast?

Landesvorstand Grüne pro rechter Ideologie?

Der erweiterte Landesvorstand hat laut Grüner Aussendung allen Ernstes den Antrag zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Zur Abschaffung des Zinses“ erhalten. Die Grünen in Kärnten bewerben das „1. Treffen der Arbeitsgruppe“.

Was die Nazis (glücklicherweise) nicht erreichten, will Grünkärnten leisten?

Wer glaubt, diess Frage sei Polemik, irrt. Die Idee von der Abschaffung des Zinses ist so rechts wie irgendwas. Sie war Kernbestand der „ökonomischen Ideologie“ der Nazis. Zur Entschuldigung der Kärntner Grünen kann man lediglich ökonomische Unwissenheit und politische Unbedarftheit anführen. Ob das genügt?

Was (nicht nur) in Wiener Grünkreisen Kopfschütteln auslöst, trifft in Kärnten scheinbar auf reges Interesse: die Zinskritik. So heißt es in der Grünen Aussendung: „Nachdem die Bankkrise uns etwas klar gemacht hat, das immer der Bürger der Letzthaftende ist, erscheint es mir ein Gebot der Stunde, jenen Mechanismus Zins zu untersuchen, der die Banken Mächtig und Reich macht. Drei Aufgabengebiete erscheinen mir geeignet um den Zinsmechanismus zu durchleuchten: Nationalbank EZB, Banksicherstellung (Eigenkapital – Kredite zwischen Banken), Sparguthaben, Schulden – österreichweit (Inflationssteuerung). Ziel ist es, die Mechanismen so zu durchleuchten um ein Volksbegehren österreichweit einleiten zu können.“

Zinskritik

Die „Zinskritik“ geht auf den Kaufmann Silvio Gesell zurück, der eine vermeintlich „natürliche Wirtschaftsordnung“ auf Basis seiner „Freiwirtschaftslehre“ begründen wollte. Gesell meinte, der Zins würde das „Überleben der Fittesten“ gefährden und „leistungsloses Einkommen“ darstellen. Außerdem sei er die Ursache für Krisen. Gesell war ein Sozialdarwinist und Antisemit. Wie auch die Nazis verkürzte er Kapitalismuskritik auf den Zins und identifizierte diesen mit „den Juden“. Nur weil Gesell den Nazis ausgesprochen ähnlich war, wurden die „Freiwirte“ von den Nazis – als politische Konkurrenz – verfolgt. Tatsächlich lieferte Gesell dem Nazi-Chefideologen Gottfried Feder die ökonomische Inspiration, gegen die „Schuldknechtschaft“ und den „Zins“ zu argumentieren. Dass die Nazis den Zins ebensowenig abgeschafft haben wie die Kärntner Grünen das per Volksbegehren realisieren werden, steht auf einem anderen Blatt.

Dieses Blatt ist die ökonomische Realität des Kapitalismus: des Systems aus Lohnarbeit, Markt und Staat. In diesem System hat alles einen Preis. Auch das Geld, dessen Potenz, mehr Geld zu lukrieren, im Zins bezahlt wird. Wer Geld will und Zins nicht, hat vom Kapitalismus nichts verstanden.

Die heutigen Freiwirte sind politisch zumeist marktliberal orientiert, mit Verbindungen zum Keynesianismus, manche sind offen rechtsextrem. Unabhängig von ihrer ausgesprochenen politischen Orientierung ist die „Lehre“ von der „Abschaffung des Zinses“ jedoch offen für den Antisemitismus – zwar sind nicht alle Zinskritiker_innen antisemitisch, aber alle Antisemit_innen sind Zinskritiker_innen. Der Antisemitismus als klassische Krisenideologie des Kapitalismus (die Grüne/UG machte einen Workshop zu diesem Thema, zusammen mit Norbert Trenkle) wird an Virulenz gewinnen. Der Diskurs der „Zinskritik“ bereitet ihm erneut den Boden (wie schon in der Zwischenkriegszeit zur Zeit der Großen Depression).

Der Zins ist schuld?

Heutige Freiwirt_innen, wie sie an den rechten Rändern der (Kärntner) Grünen zu finden sind, aber auch in Teilen der globalisierungskritischen Bewegung, argumentieren vor allem ökonomisch verquer. Sie meinen, dass die Übel des Kapitalismus auf den Zins zurückgehen: 1. Krisen, 2. Wachstumszwang, 3. Konkurrenz, 4. Reichtumsunterschiede. (Diese Position ist besonders kurios, wollte Gesell doch gerade das Wirtschaftswachstum fördern und auch die Konkurrenz. Gegen Reichtumsunterschiede hatte Gesell nichts, solange sie auf dem beruhten, was er unter „ehrlicher Leistung“ verstand.)

Diese Fehlannahmen sind leicht zu widerlegen.

1. Krisen sind dem Kapitalismus (dem System aus Lohnarbeit, Markt und Staat), inhärent. Alle produzieren durch die Konkurrenz gezwungen auf Teufel komm raus – es bauen sich Überkapazitäten auf, was früher oder später zur Krise führt. Derselbe Mechanismus wirkt auf den Finanzmärkten, wo wiederkehrende, durch die Konkurrenz erzwungene Spekulationswellen in finanziellen Blasen resultieren – die ebenfalls früher oder später platzen. Entweder man will ein System der Verwertung von Arbeitskraft oder nicht.

2. Wachstum wird durch die Konkurrenz erzwungen. Ein Unternehmen oder eine Volkswirtschaft, die nicht wächst oder langsamer als die Konkurrenz, geht unter. Wachstum ist aber auch ein Drang, den der Markt bzw. das Geld verursacht. 101 Euro sind immer besser als 100 Euro. Aus 100 Euro 100 Euro machen, ist schlicht sinnlos. In der Geldwirtschaft geht es logischerweise primär um das Geldmachen. Und Geld macht nicht satt, weshalb der „Hunger“ danach unersättlich ist. Entweder man will eine Geldwirtschaft anstelle direkter Kooperation oder nicht.

3. Die Konkurrenz gehört zum Markt wie das Amen zum Gebet. Entweder man will Markt oder man will ihn nicht. Auf dem Markt sprechen sich Menschen nicht darüber ab, was sie für wen wie produzieren wollen. Sie stehen daher in Konkurrenz zueinander.

4. Auch ohne Zins vergrößert sich die Reichtumsschere im Kapitalismus. Wer Profite macht (also Unternehmergewinn, Zins, Aktiendividende, Grundrente), akkumuliert sie – Profit wird ja zum allergrößten Teil nicht konsumiert, sondern wieder investiert. Wer keine Profite macht, sondern von Lohn oder Transferleistungen lebt, kann diese nicht akkumulieren. Diese Logik wirkt völlig unabhängig vom Zins und führt zu einer Vergrößerung der Reichtumsunterschiede. Wer reich ist, wird noch reicher.

Einige Links mit ausführlicheren Überlegungen zur „Zinskritik“ und wirklichen Alternativen zum Kapitalismus hier:

Sackgasse Regionalwährung

Mythos Geld

Bye bye Zinskritik

Die Debatte um die Zinskritik ist in grünorientierten und fortschrittlichen Kreisen in der Regel bekannt. Dass sich die Kärntner Grünen mit derart basalen Themen offenbar noch nie auseinandergesetzt haben spricht nicht gerade für ihre ökonomische und politische Kompetenz. Aber was nicht ist, sollte ja noch werden. Ein Diskussionsanstoß ist gemacht.

Vom Autor erscheint im Frühjahr ein Beitrag zur Kritik der „Zinskritik“ im Sammelband „Mythen der Krise“, herausgegeben vom renommierten und (teilweise) grün-nahen Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM).

20 Kommentare am 27. Dezember 2009

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Nach Workshops zum Thema „Solidarische Ökonomie der Bildung“ und der Konstitution einer Plattform „Massenuni“, die soeben die Broschüre „Jenseits von Humboldt“ herausgegeben hat, gründete sich in Wien im Zuge der Uni-Proteste die „Kritische und Solidarische Universität“ (KriSU).

KriSU-Aktivist_innen besetzten in der Nacht von 5. auf 6. Dez. ein Gebäude in ehemaligem Universitätsbesitz, das Opfer der Privatisierung geworden ist. Sie verliehen damit ihrer Forderung nach selbstverwalteten Freiräumen für eine Solidarische Ökonomie der Bildung und Bildung für eine Solidarische Ökonomie Nachdruck.

Der internationale Rückhalt für KriSU reicht von UN-Sonderbotschafter Jean Ziegler über den Staatssekretär für Solidarische Ökonomie und Träger des Großen Ehrenzeichens der Republik Österreich Paul Singer, Künstler_innen wie Elfriede Jelinek und Robert Menasse, renommierte Feministinnen wie Frigga Haug und Birge Krondorfer bis hin zu einer großen Zahl an Betriebsrät_innen und Arbeiterkamme-Rät_innen.

Um Unterzeichnung der Online-Petition wird gebeten.

Mitarbeit ist sehr erwünscht: Kontakt unter krisu*ÄT*riseup.net

Mehr Infos hier.

keine Kommentare am 14. Dezember 2009

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Angesichts der hoffnungslosen Klimapolitik von NGOs und Staat ist es von entscheidender Bedeutung, die Kapitalismusfrage erneut und vehement zu stellen. Die vorliegende Broschüre der AUGE/UG (Autor_innen: A.Exner, E.Eigenbauer, U.Stein, M.Koza) tut dies.

Zuerst wird der Zusammenhang zwischen Kapitalismus – dem System von Lohnarbeit, Markt und Staat – und der ökologischen Krise leicht verständlich skizziert. In den folgenden Abschnitten werden erste Schritte eines Lösungswegs umrissen. Die Broschüre versteht sich als ein erster Diskussionsinput jenseits des Diskurses von „Nachhaltigkeit“ und „Win-Win-Situationen“ aus gewerkschaftlicher Sicht.

Im Folgenden das Inhaltsverzeichnis und der Link zum Download.

Klima in der Krise
Broschüre, 32 Seiten

Der Klimawandel ist längst bedrohende Gewissheit geworden. Das Versprechen, über scheinbar grenzenloses Wachstum Wohlstand für alle schaffen zu können ist spektakulär gescheitert – ökonomisch und ökologisch. Es braucht einen grundlegenden Umbau unseres Wirtschaftssystems nach ökologischen Kriterien. Mit dieser Broschüre wollen wir aus alternativ-gewerkschaftlicher Sicht einen Beitrag zur Klimadebatte leisten.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Wachstumsspirale in den Klimawandel

Wachstum des Kapitals = Wachstum des Umweltproblems
Weniger ist Mehr: Wirtschaftsdemokratie statt Wachstumszwang
Solidarische Ökonomie für Umverteilung und Ökologie

„Grüner“ Systemwechsel: Wann, wenn nicht jetzt?

Konjunkturpakete – Klimaschutz lässt auf sich warten
„Grüne“ Investitionen bringen’s – gerade auch in Österreich
Und die Gewerkschaften?
Ökologisch und sozial umsteuern – Jetzt!

Der Arbeitsplatz: ein Handlungsfeld für die Klimapolitik

Veränderungen sozial und demokratisch gestalten
Klimaschutz im Betrieb
Gewerkschaftliche Bildungsarbeit – Klimaschutz und Klimawandel müssen Thema werden!
ArbeitnehmerInnen- und Informationsrechte stärken

Literatur und Links

Fraktion UG im ÖGB
Fraktion AUGE/UG in der AK

Zu bestellen unter auge[at]ug-oegb.at (gegen Versandkosten)

keine Kommentare am 14. Dezember 2009

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Ort: Uni Klagenfurt, Solidaritätsecke der Aula
Zeit: 2009-12-04 18:00:00

Inhalt:

Wie kann eine Protestdynamik nach dem Ende von Hörsaal-Besetzungen aussehen? Was wäre eine längerfristige Perspektive der Bewegung? Wie erweitern wir die Bewegung inhaltlich und schärfen zugleich ihren Fokus? Wie entgehen wir der Reduktion auf „Forderungen an die Politik”? Wie könnte eine „andere Uni” aussehen? Wäre eine „andere Uni” noch eine „Universität”?

Für eine Antwort auf diese Fragen wollen wir die Universität bzw. das Bildungssystem im gesellschaftlichen Kontext, als Teil kapitalistischer Produktionsverhältnisse und vor dem Hintergrund einer globalen Krise begreifen.

Ziel des Workshops ist Vernetzung von Aktivitäten, die ein Projekt „Solidarische Universität” inhaltlich und organisatorisch vorantreiben wollen, das kapitalistische Produktionsverhältnisse angreift und parziell transzendiert. Dazu geben wir als Input kurze Thesen, sammeln Ideen und öffnen eine Debatte um konkrete Schritte.

Thesen-Inputs (derzeitiger Stand):

Martin Birkner (Redaktion Grundrisse, Workshopreihe „Zerschlagt die Universität!?“, Uniproteste Wien): „Die Universität und ihre Rolle in der kapitalistischen Arbeitsteilung”

Brigitte Kratzwald (ATTAC, Uniproteste Graz): „Für eine Solidarische Ökonomie der Universität”

Andreas Exner (AK-Rat Kärnten, Redaktion Streifzüge, Uniproteste Wien, Aneignungsprojekt „Solidarische und kritische Universität“ Wien): „Solidarische Ökonomie und Universität“

Walther Schütz (ÖIE-Kärnten / Bündnis für Eine Welt): „(Un-)beabsichtigte Wirkungen des Bildungsdiskurses“

Je nach Bedarf werden die Inputs flexibel gestaltet, anschließend ausführliche Diskussion.

Zum Weiterlesen → http://massenuni.blogsport.de/

keine Kommentare am 30. November 2009

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Die Grüne/UG wird bei der nächsten AK-Vollversammlung im Frühjahr 2010 3 Anträge einbringen. Wir laden alle Studierende, Lehrende und andere Uni-Angestellte dazu ein, 1 oder 2 Anträge zu formulieren, die die Forderungen der Uniproteste nach einer Demokratisierung der Universitäten, der Ausfinanzierung der Unis, einer umfassenden Anti-Diskriminierung inkl. einer Frauenquote von 50% in allen Gremien der Universität, einer Abschaffung aller prekären und schlechtbezahlten Dienstverhältnisse an der Universität usw. zum Inhalt haben.

Wir stehen gerne beratend zur Seite.

Damit würde die Solidarisierung der AK-Kärnten mit den Forderungen der Protestierenden, die nach Dringlichkeitsantrag der Grüne/UG beschlossen wurde, in eine noch konkretere Form gegossen.

Grundsätzlich sollte der Antrag (bzw. sollten die beiden Anträge) von den Protestierenden basisdemokratisch und mit Augenmerk auf die an der Universität am schlechtesten bezahlten Angestellten, das Reinigungspersonal erstellt werden.

Die AK-Fraktion Grüne/UG würden den Antrag einreichen (bzw. die beiden Anträge).

Rückfragen: Andreas Exner, 0699 12 72 38 87

keine Kommentare am 18. November 2009

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